Oracle Aktie: HPE-Deal befeuert 5-Prozent-Sprung

Oracles Cloud-Geschäft wächst kräftig, doch geplante Investitionen von 95 Milliarden Dollar und neue Schulden erhöhen den Druck auf die Bilanz.

Eduard Altmann ·
Abstrakte Darstellung einer modernen Server-Infrastruktur mit leuchtenden Lichtleitern in einer professionellen Umgebung. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Oracle-Aktie legt rund fünf Prozent zu
  • HPE signalisiert Vertrauen durch Aktienoption
  • OCI wächst im vierten Quartal um 93 Prozent
  • Oracle plant 95 Milliarden Dollar Investitionen

Oracle hat einen starken Tag hinter sich. Am Donnerstag sprang die Aktie um rund 5 Prozent, befeuert von einem HPE-Deal, einer Zinssenkungsfantasie und der Aussicht auf Quartalszahlen am kommenden Dienstag, dem 8. September.

Der Kurs notiert damit inzwischen gut 9 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 121,30 Euro. Für mich ist das aber eher ein Silberstreif in einer insgesamt angespannten Lage als eine Trendwende – und genau diese Unterscheidung sollten Anleger jetzt treffen.

Der Auslöser: HPE öffnet die Tür für Kapital

Hewlett Packard Enterprise hat Oracle laut Berichten vom Donnerstag eine Option eingeräumt, Aktien zu einem stark reduzierten Preis zu erwerben – ein Signal, das der Markt als Vertrauensbeweis in die Beziehung zwischen beiden Unternehmen wertete.

Parallel meldete HPE für das dritte Geschäftsquartal einen Umsatz von 12,2 Milliarden Dollar, ein Plus von 34 Prozent, und hob den Jahresausblick an. HPE-Chef Antonio Neri betonte einen Kostenvorteil von 60 Prozent gegenüber Public-Cloud-Angeboten bei On-Premises-KI-Workloads – ein Seitenhieb, der auch Oracles Cloud-Geschäft indirekt unter Druck setzt, selbst wenn beide Konzerne kooperieren.

Dass die Aktie an einem Tag mit Fed-Governor Waller, der eine Zinspause signalisierte, gleich doppelt profitierte, macht die Rally für mich fragiler als sie aussieht. Ein zinssensitives Wachstumsunternehmen mit enormem Fremdkapitalbedarf reagiert naturgemäß empfindlich auf jede geldpolitische Nuance – das ist kein Fundamentalsignal, sondern Makro-Rauschen.

Die eigentliche Geschichte: Wachstum gegen Kapitalbedarf

Was mich an Oracle wirklich interessiert, ist die Substanz hinter der Kulisse. Das Cloud-Infrastrukturgeschäft OCI wuchs im vierten Quartal um 93 Prozent zu konstanten Wechselkursen, der Auftragsbestand liegt bei gewaltigen 638 Milliarden Dollar. Der Gesamtumsatz im Geschäftsjahr 2026 kletterte um 17 Prozent auf 67 Milliarden Dollar, der Nettogewinn legte um 36 Prozent zu. Das sind Zahlen, die jedes Wachstumsunternehmen gerne vorweisen würde.

Doch die Kehrseite ist eben genauso real: Für das Geschäftsjahr 2027 plant Oracle Investitionen von 95 Milliarden Dollar, finanziert unter anderem über eine bereits erfolgte Kapitalerhöhung von 20 Milliarden Dollar, Anleihen über 43 Milliarden Dollar im Vorjahr und eine weitere geplante Kapitalaufnahme von rund 40 Milliarden Dollar.

Wer glaubt, ein Cloud-Anbieter könne sich aus dem eigenen Cashflow heraus in die KI-Infrastruktur hineinwachsen, irrt bei Oracle offensichtlich. Für mich ist das der zentrale Interessenkonflikt der Aktie: Wachstum ja – aber zu welchem Preis für die Bilanz?

Analysten sind entsprechend gespalten. Bernstein bleibt mit einem Kursziel von 325 Dollar optimistisch und verweist auf die AI-Nachfrage. Jefferies senkte sein Ziel dagegen von 320 auf 290 Dollar, TD Cowen kappte von 300 auf 240 Dollar – beide begründen dies mit der Kapitalbelastung.

Diese Uneinigkeit spiegelt sich in einer aktuellen Fair-Value-Schätzung von 241,97 Dollar wider, nach zuvor 248,15 Dollar. Wenn selbst die Bullen ihre Ziele senken, ist das für mich kein Randdetail.

Stille Einschnitte im eigenen Haus

Bezeichnend finde ich auch, wie leise Oracle im September Stellen abbaut. Anders als im März, als eine offizielle Massenmail rund 10.000 Entlassungen ankündigte, verschwinden nun Führungskräfte offenbar unauffällig aus internen Kommunikationskanälen.

Interne Schätzungen sprechen von 7.000 bis 10.000 betroffenen Stellen weltweit, bestätigt ist das nicht. Ein Unternehmen, das gleichzeitig 95 Milliarden Dollar in Rechenzentren steckt und im Stillen Personal abbaut, sendet für mich ein zwiespältiges Signal über die interne Kostendisziplin.

Mein Fazit

Der Kurssprung vom Donnerstag mag auf Erleichterung über den HPE-Deal und Zinshoffnung beruhen, doch die fundamentale Gleichung bei Oracle bleibt unverändert: gewaltiges Cloud-Wachstum trifft auf einen historischen Kapitalbedarf.

Mit einem Abstand von 55 Prozent zum 52-Wochen-Hoch und einem KGV von rund 17 spricht einiges dafür, dass der Markt die Risiken bereits stärker einpreist als noch vor einem Jahr. Der Bericht am Dienstag wird zeigen, ob die Cloud-Dynamik die Finanzierungslast rechtfertigt – bis dahin bleibt die Aktie für mich eine Wette mit hohem Hebel in beide Richtungen.

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Oracle Aktie

131,46 EUR

+ 6,48 EUR +5,18 %
KGV 24,24
Sektor Technologie
Div.-Rendite 1,34 %
Marktkapitalisierung
ISIN: US68389X1054 WKN: 871460

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