Oracle Aktie: Milliarden-Wette läuft

Oracles radikaler Umbau zum KI-Anbieter belastet die Bilanz. Ein Rekord-Auftragsbestand steht gigantischen Investitionen und Schulden gegenüber.

Felix Baarz ·
Oracle Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Rekord-Auftragsbestand von 638 Milliarden Dollar
  • Freier Cashflow auf minus 23,7 Milliarden gesunken
  • Geplante Kapitalaufnahme von 40 Milliarden Dollar
  • Stargate-Projekt als entscheidender Erfolgsfaktor

Oracle baut radikal um. Der Software-Konzern will zum wichtigsten Anbieter für KI-Infrastruktur aufsteigen. Dieser Plan verschlingt Unsummen. Zwar sitzt das Unternehmen auf einem Rekord-Auftragsbestand von 638 Milliarden US-Dollar. Die gigantischen Investitionen reißen jedoch tiefe Löcher in die Kasse. Im abgelaufenen Geschäftsjahr lagen die Kapitalausgaben bei 55,7 Milliarden Dollar. Der freie Cashflow stürzte auf minus 23,7 Milliarden Dollar ab.

Die Börse reagiert nervös. Am Dienstag schloss das Papier bei rund 141 Dollar. Vom Jahreshoch ist die Aktie damit weit entfernt. Nun plant das Management offenbar den nächsten Kraftakt. Für 2027 steht eine Kapitalaufnahme von 40 Milliarden Dollar im Raum. Das Vorhaben weckt Sorgen vor einer massiven Verwässerung.

Die alles entscheidende Kennzahl

Reicht das texanische Stargate-Projekt aus, um den gigantischen Auftragsbestand schnell genug abzuarbeiten? Der Erfolg von Oracles Transformation hängt vollkommen vom rasanten Ausbau dieser Rechenzentren ab. Die Anlage ist aktuell zu mehr als 75 Prozent fertiggestellt. Das Ziel: Der Konzern muss das Vorhaben zeitnah abschließen und endlich echten Umsatz generieren. Stockt der Prozess vor der nächsten Finanzierungsrunde, gerät die Bilanz unweigerlich in eine gefährliche Schieflage.

Bullen-Szenario: Profiteur des KI-Booms

Optimisten verweisen auf die schiere Masse der Nachfrage. Der Auftragsbestand übersteigt den aktuellen Börsenwert um mehr als das Anderthalbfache. Dieser Wert spiegelt sich im Aktienkurs bisher kaum wider. Analysten von Piper Sandler sehen hier starkes verborgenes Potenzial. Sie schätzen fehlende Cloud-Umsätze von 2,2 Milliarden Dollar in den aktuellen Konsensprognosen.

Die Folge: Oracle könnte als Nachzügler im KI-Zyklus massiv aufholen. Geht das Stargate-Rechenzentrum planmäßig in den nächsten 90 Tagen ans Netz, beweist das Management seine absolute Umsetzungsstärke. Ein pünktlicher Start würde die immensen Vorabausgaben rechtfertigen.

Bären-Szenario: Schuldenberg und Klumpenrisiko

Kritiker warnen vor der schwindenden Bilanzqualität. Anders als Microsoft oder Alphabet finanziert Oracle seine KI-Träume massiv auf Pump. Im abgelaufenen Berichtszeitraum nahm der Konzern neue Schulden in Höhe von 43 Milliarden Dollar auf. Die geplante 40-Milliarden-Spritze birgt zusätzliche Risiken. Aktionären droht eine Verwässerung ihrer Anteile durch neues Eigenkapital. Alternativ fressen immer höhere Zinslasten den Gewinn auf.

Zusätzlich existiert ein extremes Klumpenrisiko. Mehr als die Hälfte der KI-Aufträge stammt angeblich von OpenAI. Kühlt diese spezifische Nachfrage ab, trifft das Oracle hart. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich warnt bereits. Hochverschuldete Hyperscaler geraten bei sinkenden KI-Ausgaben extrem schnell unter existenziellen Druck.

Ausblick: Zwei klare Katalysatoren

Solange das Cloud-Wachstum intakt bleibt, stützt das den Aktienkurs. Im letzten Quartal sprang der Umsatz in dieser Sparte um 93 Prozent nach oben. Sichert sich Oracle die frischen Milliarden ohne Marktturbulenzen, rückt das Konsens-Kursziel von 220 Euro wieder in greifbare Nähe.

Stockt die Abarbeitung der Aufträge jedoch, droht eine harte Neubewertung. Investoren blicken nun exakt auf zwei konkrete Ereignisse. Die formelle Ankündigung der Kapitalmaßnahme und die offizielle Inbetriebnahme der Stargate-Anlage. Diese beiden Termine entscheiden in den kommenden Monaten final darüber, ob Oracles gewagte Rechnung aufgeht.

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Oracle Aktie

123,58 EUR

– 0,36 EUR -0,29 %
KGV 24,50
Sektor Technologie
Div.-Rendite 1,43 %
Marktkapitalisierung 412,14 Mrd. EUR
ISIN: US68389X1054 WKN: 871460

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