Oracle Aktie: Wisconsin fordert 7 Milliarden Kaution

Regulierer in Wisconsin fordert über sieben Milliarden Dollar Sicherheit von Oracle für ein Rechenzentrum. Die Aktie fällt auf ein Jahrestief, während Analysten uneins sind.

Eduard Altmann ·
Oracle Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Milliarden-Auflage für Rechenzentrum
  • Aktie rutscht auf Jahrestief
  • S&P stuft Kreditwürdigkeit herab
  • Auftragsbestand wächst rasant

Ein Regulierer im US-Bundesstaat Wisconsin hat Oracle in eine finanzielle Zwickmühle gebracht. Die Behörde verlangt für ein Rechenzentrum-Projekt in Port Washington eine Sicherheitsleistung von mehr als sieben Milliarden Dollar – und lehnte einen Antrag des Konzerns auf Befreiung von dieser Auflage ab. Die Nachricht traf Oracle an einem ohnehin schwierigen Handelstag: Die Aktie rutschte auf ein Jahrestief.

Wisconsin verschärft Kreditauflagen für Rechenzentren

Der Wisconsin-Regulierer zog die Kreditregeln an, um Haushalte vor steigenden Stromkosten zu schützen, wie die Financial Times berichtete. Betroffen ist ein 15 Milliarden Dollar teures Rechenzentrums-Projekt, das laut Financial Times an einen rund 30 Milliarden Dollar schweren Rechenleistungsvertrag mit OpenAI gekoppelt ist. Die geforderte Sicherheitsleistung von über sieben Milliarden Dollar soll nach Medienberichten zusätzliche jährliche Kosten von mehr als 100 Millionen Dollar verursachen. Oracle akzeptiert die Entscheidung nicht und hat Klage eingereicht.

Die Rating-Agentur S&P stufte Oracle im Zuge der Entwicklung auf BBB- herab, nur noch eine Stufe über dem Ramschbereich. Nach Medienberichten haben inzwischen 24 US-Bundesstaaten strengere Tarifregeln für Großabnehmer wie Rechenzentren eingeführt – ein Trend, der die Kostenbasis für Oracles Ausbaupläne in der gesamten Branche verteuert.

Starkes Wachstum trifft auf wachsende Bilanzsorgen

Operativ liefert Oracle beeindruckende Zahlen. Der Auftragsbestand (RPO) kletterte im vierten Geschäftsquartal des Fiskaljahres 2026 auf 638 Milliarden Dollar, ein Plus von 85 Milliarden Dollar gegenüber dem Vorquartal und ein Zuwachs von 363 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Cloud-Infrastruktur-Umsatz (OCI) wuchs um 93 Prozent. Nach Medienberichten entfällt rund die Hälfte des Auftragsbestands auf OpenAI – eine Konzentration, die Analysten zunehmend als Risiko einstufen, zumal ein geplanter Börsengang von OpenAI Berichten zufolge Verzögerungen erfährt.

Die Kehrseite des Wachstums ist die Kapitalintensität. Die Investitionsausgaben stiegen im Fiskaljahr 2026 auf 55,66 Milliarden Dollar und lagen damit über dem selbst gesteckten Ziel von 50 Milliarden Dollar. Die langfristigen Verbindlichkeiten summierten sich Medienberichten zufolge auf 176,9 Milliarden Dollar. Oracle plant, im kommenden Fiskaljahr weitere 40 Milliarden Dollar über Fremd- und Eigenkapital aufzunehmen. Eine Prognose geht von einem freien Cashflow-Defizit von bis zu 42 Milliarden Dollar bis zum Fiskaljahr 2027 aus – Zahlen, die den Ausschlag für die Rating-Herabstufung gaben. Am Kreditmarkt zeigte sich die Nervosität bereits zuvor: Die Kreditausfallversicherungen (CDS) auf Oracle-Anleihen erreichten laut Seeking Alpha ein zyklisches Hoch, während auch die Risikoaufschläge bei Nvidia zulegten.

Kurs unter Druck, Meinungen der Analysten gehen auseinander

Der jüngste Kursverfall spiegelt sich deutlich in den Handelsdaten wider. Zuletzt schloss die Oracle-Aktie bei 106,46 Euro, ein Tagesminus von 3,71 Prozent. Damit notiert das Papier nur noch 1,29 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief vom 17. Juli 2026. Der 14-Tage-RSI von 26,9 signalisiert eine überverkaufte Situation, die technisch für eine Gegenbewegung sprechen könnte, ohne dass die fundamentalen Belastungsfaktoren damit verschwinden.

Am Optionsmarkt und unter Analysten geht die Einschätzung deutlich auseinander. 24/7 Wall St. nannte laut einem Bericht bei AOL ein Kursziel von 198,72 Dollar, was einem Aufwärtspotenzial von rund 60 Prozent entspräche, stellte dem aber ein Bärenfall-Szenario von 172,49 Dollar gegenüber. Befürworter verweisen auf ein Forward-KGV von unter 16, eine Nettomarge von rund 27 Prozent und eine Dividendenrendite von 1,6 Prozent. Kritiker verweisen auf die Kundenkonzentration bei OpenAI, die Schuldenlast und die ungewisse Umwandlung des Auftragsbestands in tatsächlichen Cashflow.

Im Vergleich zu anderen Cloud-Werten fällt Oracles Entwicklung besonders auf: Während Cloudflare und Snowflake im laufenden Jahr um 40 beziehungsweise 26 Prozent zulegten, verlor der eher infrastrukturlastige Anbieter CoreWeave rund 25 Prozent – ein Hinweis darauf, dass Anleger zunehmend zwischen kapitalintensiven und margenstärkeren Cloud-Geschäftsmodellen unterscheiden. Für Oracle bleibt entscheidend, ob sich der prall gefüllte Auftragsbestand in absehbarer Zeit in Umsatz, Marge und positiven Cashflow verwandeln lässt.

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Oracle Aktie

109,74 EUR

+ 3,28 EUR +3,08 %
KGV 21,68
Sektor Technologie
Div.-Rendite 1,61 %
Marktkapitalisierung 364,12 Mrd. EUR
ISIN: US68389X1054 WKN: 871460

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