Oracles Stresstest, Adidas‘ Gewinnlücke und RWEs Netzalarm

Steigende Renditen belasten Tech-Aktien, während Adidas beim Gewinn hinter den Erwartungen bleibt und RWE auf Gefahren im Stromnetz hinweist.

Eduard Altmann ·
KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Oracle-Zahlen treffen auf höhere US-Renditen
  • EZB hebt drei Leitzinsen an
  • Adidas-Umsatz steigt, Gewinn bleibt zurück
  • RWE warnt vor Netzschutzrisiken

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

5,4 Prozent – so stark zogen die US-Erzeugerpreise im August gegenüber dem Vorjahr an, mehr als die von Ökonomen erwarteten 5,3 Prozent. Die Folge zeigt sich sofort am Anleihemarkt: Zehnjährige US-Staatsanleihen rentieren mit 4,86 bis 4,87 Prozent so hoch wie zuletzt im November 2023, dreißigjährige Titel kosten erstmals seit 2007 wieder über 5,3 Prozent Rendite. Ausgerechnet heute Abend legt Oracle seine Quartalszahlen vor – der erste große Test dafür, ob die KI-Infrastruktur-Story die höheren Zinsen verkraftet. Dazu hat die EZB an der Zinsschraube gedreht, Adidas hat trotz Rekordumsatz die Gewinnerwartung verfehlt, und RWE warnt vor Risiken im deutschen Stromnetz. Vier Geschichten, ein Tag – und keine davon zeigt sich im DAX-Stand allein.

Oracle vor Zahlen: US-Anleiherenditen drücken auf die Tech-Bewertung. Steigende Zinsen treffen zinssensitive Wachstumswerte doppelt hart: über höhere Abzinsungsfaktoren auf künftige Gewinne und über teurere Refinanzierung laufender Investitionen. Oracle bekommt das gerade exemplarisch zu spüren. Die Aktie notiert bei rund 135,82 Euro, gut 2,2 Prozent leichter als zuletzt, auf Zwölfmonatssicht steht ein Minus von 52 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es 18 Prozent. Heute Abend nach US-Börsenschluss folgen die Quartalszahlen – gemessen an der Kursreaktion der vergangenen Monate dürfte der Markt jede Nuance zu Cloud- und KI-Investitionen gnadenlos abstrafen oder belohnen. Wer US-Tech im Depot hält, sollte sich auf erhöhte Schwankungen einstellen, zumal die Fed erst am 16. September über ihren nächsten Zinsschritt entscheidet.

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Ob Oracle den Stresstest für die KI-Infrastruktur-Story besteht, zeigt sich heute Abend an den Quartalszahlen – doch der Megatrend dahinter reicht weit über einen einzelnen Konzern hinaus. Ein aktueller Report bündelt die zehn Big-Data-Aktien, die aus Sicht der Analyse hinter der KI-Welle stehen. Jetzt die Top-10-KI-Aktien entdecken

Die EZB zieht durch: Sparer gewinnen, Bauherren zahlen drauf. Der EZB-Rat hat den Einlagensatz von 2,25 auf 2,50 Prozent angehoben, den Hauptrefinanzierungssatz von 2,40 auf 2,65 Prozent, den Spitzenrefinanzierungssatz von 2,65 auf 2,90 Prozent – die zweite Anhebung in diesem Jahr, begründet mit dem Inflationsschub im Zuge des Iran-Konflikts. Die Zahlen dahinter: 3,3 Prozent Teuerung im Euroraum im August, 2,9 Prozent in Deutschland, beides deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel. Die EZB selbst rechnet für 2026 mit 3,0 Prozent Inflation, für 2027 mit 2,5 Prozent, erst 2028 soll mit 2,1 Prozent eine Rückkehr Richtung Zielwert gelingen; das Wachstum im Euroraum wird für 2027 auf 1,4 Prozent taxiert. Für das eigene Depot heißt das: Bauzinsen für zehnjährige Anschlussfinanzierungen liegen inzwischen bei rund 4,2 Prozent, während Banken im Kampf um Tagesgeld-Kunden bis zu 4 Prozent bieten. Wer Cash-Reserven hält, sollte die Differenz zwischen Neukunden-Angeboten und Bestandskonten aktiv vergleichen – sie ist spürbar. Der DAX nahm die Entscheidung mit einem moderaten Rücksetzer und notiert nun rund 4,5 Prozent unter seinem Ende August erreichten Allzeithoch von 26.618 Punkten, auf Wochensicht steht ein Minus von etwa 2 Prozent. Die zehnjährige Bundesanleihe rentiert inzwischen bei 3,451 Prozent – auch das verteuert die Finanzierung für Bund und Unternehmen.

Adidas verfehlt den Gewinn je Aktie, der Umsatz überzeugt trotzdem. 6,74 Milliarden Euro setzte der Konzern im zweiten Quartal um, ein Rekord und plus 14 Prozent währungsbereinigt, über der Analystenschätzung von 6,63 Milliarden Euro. Beim bereinigten Gewinn je Aktie reichte es dagegen nur für 2,10 Euro statt der erwarteten 2,38 Euro. Das Betriebsergebnis wuchs zwar um 5 Prozent auf 574 Millionen Euro, doch die operative Marge gab um 70 Basispunkte auf 8,5 Prozent nach – die Kosten fressen mehr vom Umsatzwachstum, als der Markt eingepreist hatte. An der Jahresprognose (Umsatzwachstum von 9 bis 10 Prozent, Betriebsergebnis von rund 2,3 Milliarden Euro) rüttelt Adidas nicht, dennoch fällt die Aktie um 4,1 Prozent auf 140,40 Euro und entfernt sich damit weiter von ihrem 52-Wochen-Hoch bei 200,90 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 17 Prozent zu Buche. Bemerkenswert: Mit einem RSI von rund 30 gilt der Titel bereits als stark überverkauft, was kurzfristig orientierten Tradern eine Gegenbewegung zutrauen lässt. Für Langfrist-Anleger bleibt das Bild zwiegespalten – robustes Umsatzwachstum trifft auf eine Marge unter Druck.

Deutschlands Stromnetz wird zum Milliardengeschäft. RWE hat vor Risiken beim Netzschutz in Deutschland gewarnt, die Aktie gibt leicht nach und notiert bei rund 60 Euro, nahe ihrem 52-Wochen-Hoch von 62 Euro. Parallel zeigt sich, wohin das Geld tatsächlich fließt: Die KfW IPEX-Bank finanziert die Berliner Netzholding BEN mit 250 Millionen Euro, geplant sind bis 2030 insgesamt 3,6 Milliarden Euro für die Netzinfrastruktur der Hauptstadt. Vattenfall wiederum baut am ehemaligen Atomstandort Brunsbüttel einen Batteriespeicher mit 254 Megawatt Leistung und bis zu 1.000 Megawattstunden Kapazität, der bis Ende 2028 ans Netz gehen soll. Der strukturelle Trend dahinter: Die Energiewende verlagert sich von der Erzeugung zur Netz- und Speicherinfrastruktur – ein Feld, in dem Versorger wie RWE trotz kurzfristiger Warnsignale von steigenden Investitionsbudgets profitieren dürften.

Bitcoin verliert vor der Fed-Entscheidung an Schwung. Die Kryptowährung ist auf rund 77.176 Dollar zurückgefallen, ein Tagesminus von 1,6 Prozent, nachdem Spot-ETFs zuletzt Nettoabflüsse von gut 120 Millionen Dollar verzeichneten. Auf Monatssicht steht Bitcoin dennoch mit 21 Prozent im Plus, während Jahres- und Zwölf-Monats-Bilanz mit minus 13 respektive minus 32 Prozent negativ bleiben. Zwei Termine dürften die Richtung vorgeben: Am 16. September entscheidet die Fed über die Zinsen, einen Tag später folgt die Bank of Japan, von der ein Schritt um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent erwartet wird. Für Anleger mit Krypto-Exposure heißt das: Die Schwankungsbreite dürfte in den kommenden zwei Wochen eher zu- als abnehmen.

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Zwischen steigenden Bauzinsen, höheren EZB-Leitsätzen und rekordhohen US-Anleiherenditen wird sichtbar, dass klassische Zinsprodukte an Anziehungskraft verlieren. Ein Report zeigt, wie Anleger mit Dividendenstrategien reale Erträge sichern und ihr Depot gegen die anhaltende Teuerung wappnen können. Strategien gegen die Zinsillusion abrufen

Unterm Strich zeigt sich an diesem Donnerstag, wie eng Makro und Einzeltitel mittlerweile verzahnt sind: Die EZB-Entscheidung verteuert Kredite und stützt Sparzinsen gleichzeitig, während in den USA steigende Anleiherenditen ausgerechnet die Aktie unter Druck setzen, die heute Abend ihre Zahlen liefert. Bei Adidas zeigt sich, dass selbst ein Rekordumsatz nicht reicht, wenn die Marge enttäuscht – und bei RWE, dass Warnsignale und Milliardeninvestitionen im selben Sektor nebeneinander bestehen können. Wer investiert bleibt, sollte zwei Termine im Kalender rot markieren: die Oracle-Zahlen heute Abend und die Fed-Sitzung am 16. September.

Beste Grüße, Ihr Eduard Altmann

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