Die jüngsten Gerichtserfolge in den USA nehmen Orsted einen erheblichen Risikoabschlag vom Kurs. Parallel dazu hebt die Deutsche Bank ihr Bewertungsmodell leicht an, bleibt aber vorsichtig bei der Einstufung. Wie passt diese neue rechtliche Sicherheit zur aktuellen Bewertung an der Börse?
Deutsche Bank bleibt vorsichtig
Heute Morgen hat die Deutsche Bank ihr Kursziel für Orsted von 120 auf 130 DKK angehoben. Die Einstufung bleibt unverändert auf „Hold“.
- Neues Kursziel: 130 DKK (zuvor 120 DKK)
- Aktueller Kurs: ca. 135,50 DKK
- Rating: „Hold“ bleibt bestehen
Die Analysten verweisen darauf, dass die jüngste Erholungsbewegung im Sektor den Kurs bereits über ihre neue Fair-Value-Schätzung hinausgetragen hat. Die Anpassung reflektiert vor allem das deutlich gesunkene Risiko eines radikalen Rückzugs vom US-Markt, nachdem zentrale Projekte rechtlich abgesichert wurden.
Auslöser war ein weiterer wichtiger Gerichtsbeschluss am Freitag: US-Richter Jamar Walker erließ eine einstweilige Verfügung zugunsten von Dominion Energys Projekt „Coastal Virginia Offshore Wind“. Dies war innerhalb einer Woche bereits die dritte Niederlage für die Trump-Regierung vor US-Bundesgerichten und bestätigt das zuvor zugunsten Orsteds ergangene Urteil vom Montag.
Inzwischen haben drei verschiedene Bundesrichter das präsidiale Dekret vom 22. Dezember ausgesetzt. Der Markt preist damit zunehmend aus, dass Orsted seine US-Projekte zwangsweise einstellen müsste.
Revolution Wind wieder im Zeitplan
Zentral für die Stimmungsverbesserung ist die Wiederaufnahme des Vorzeigeprojekts Revolution Wind. Entgegen früheren Befürchtungen einer mehrjährigen Verzögerung erlaubte Richter Royce Lamberth am 12. Januar einen sofortigen Baustart.
Revolution Wind verfügt über eine geplante Kapazität von 704 Megawatt (MW). Das reicht, um mehr als 350.000 Haushalte in Connecticut und Rhode Island mit Strom zu versorgen. Das Projekt ist rund zu 90 % fertiggestellt.
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Die gerichtliche Entscheidung verhindert laut den Angaben tägliche Verluste von geschätzt 1,4 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig bleibt der Zeitplan für den kommerziellen Betriebsstart im Jahr 2026 intakt. Wichtig für die Modellrechnungen der Analysten: Die Kapazität von 704 MW wurde bestätigt, nachdem zuvor teilweise fälschlich von 880 MW berichtet worden war. Damit steht nun die Basis für aktualisierte EBITDA-Prognosen für 2026 klarer.
Hintergrund: Streit um „nationale Sicherheit“
Der Sektor hatte zuvor einen Monat mit hoher Volatilität hinter sich. Am 22. Dezember 2025 verhängte die dem Trump-Lager zuzuordnende Behörde BOEM (Bureau of Ocean Energy Management) einen generellen Baustopp für fünf große Offshore-Windprojekte. Begründung: angebliche „Sicherheitsbedenken“ wegen möglicher Beeinträchtigungen von Radarsystemen.
Binnen weniger Tage kippte die US-Justiz diese Linie jedoch gleich mehrfach: Zunächst im Fall Orsted (12. Januar), dann für Equinor (15. Januar) und schließlich für Dominion (16. Januar). Die Richter stuften das behördliche Vorgehen übereinstimmend als „willkürlich und launenhaft“ ein. Das signalisiert deutlich, dass bestehende Genehmigungen trotz des politischen Gegenwinds Bestand haben dürften.
Damit bricht ein zentrales Argument der Regierung weg, das die gesamte US-Offshore-Pipeline infrage gestellt hatte. Entsprechend kam es zu einer breiten Erholungsbewegung in den Aktien kursrelevanter Projektbetreiber – Orsted inklusive.
Ausblick: Fokus auf Umsetzung
Mit dem Wegfall der unmittelbaren Existenzgefährdung durch einen möglichen US-Marktausstieg rückt nun die operative Umsetzung in den Vordergrund. Orsted muss die letzte Installationsphase von Revolution Wind zügig vorantreiben, um vor der Sommersaison entscheidend voranzukommen und den geplanten Start 2026 zu sichern.
Trotz der klar positiven juristischen Entwicklungen mahnt die Deutsche Bank mit ihrem „Hold“-Votum zur Bewertungsvorsicht. Der Kurs von rund 135,50 DKK liegt nicht nur deutlich über den Dezember-Tiefs, sondern auch bereits über dem neuen Kursziel von 130 DKK. Entscheidend wird die anstehende Veröffentlichung der Q4-Zahlen: Dann dürfte der Markt erstmals konkrete Zahlen zum finanziellen Effekt des 27-tägigen Baustopps und zu möglichen Verschiebungen des „First Power“-Meilensteins innerhalb des Jahres 2026 erhalten.
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