Palantir Aktie: 104 Prozent Wachstum im US-Geschäft
Alex Karp wirft KI-Laboren mangelnden Kundennutzen vor. Palantir meldet starkes Wachstum und erhöht die Jahresprognose.

Kurz zusammengefasst
- Karp kritisiert Tokenmaxxing der KI-Branche
- Umsatzsprung um 85 Prozent im ersten Quartal
- Rechtsstreit mit Londoner Bürgermeister eskaliert
- Aktie trotz Wachstum unter Druck
Palantir-Chef Alex Karp hat OpenAI und Anthropic scharf angegriffen — und trifft damit einen Nerv, der gerade offen liegt. Ausgerechnet jetzt erwägt OpenAI massive Preissenkungen. Für Palantir ist das kein Zufall, sondern Bestätigung.
Karp gegen die KI-Industrie
Karp warf den großen KI-Laboren am 11. Juni vor, sie optimierten auf maximalen Token-Verbrauch statt auf echten Kundennutzen. Sein Begriff dafür: „Tokenmaxxing“. Der Vorwurf hat Substanz. Laut Gartner erfüllen nur 28 Prozent aller KI-Anwendungen die Erwartungen an den Return on Investment.
OpenAI-Chef Sam Altman räumte ein, die hohen Kosten seien ein „riesiges Problem“ für Unternehmenskunden. Manche Firmen verbrauchen ihr gesamtes Jahresbudget für KI in einem Bruchteil des Geschäftsjahres. Berichten zufolge prüft OpenAI nun erhebliche Preissenkungen — als Reaktion auf den Druck durch Anthropics Claude Code, das bei Unternehmenskunden zunehmend Anklang findet.
Palantir positioniert sich hier bewusst anders. Karp betont, der Wert von KI liege in der Implementierung, nicht im Modell selbst.
Starkes Quartal, erhöhte Prognose
Die Zahlen geben Karp Rückenwind. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 85 Prozent auf 1,63 Milliarden Dollar. Das US-Geschäft wuchs sogar um 104 Prozent auf 1,28 Milliarden Dollar — erstmals seit dem Börsengang dreistelliges Wachstum im Heimatmarkt.
Palantir hob daraufhin die Jahresprognose an. Der Konzern erwartet nun einen Umsatz zwischen 7,65 und 7,66 Milliarden Dollar für 2026. Der bereinigte freie Cashflow soll zwischen 4,2 und 4,4 Milliarden Dollar liegen. Allein im ersten Quartal flossen 925 Millionen Dollar.
Rechtsstreit in London, Proteste vor dem NHS-Kongress
In Großbritannien läuft es weniger rund. Palantir klagt gegen Londons Bürgermeister Sadiq Khan. Dieser hatte einen Vertrag über 25,3 Millionen Pfund mit der Metropolitan Police blockiert — mit Verweis auf mangelndes Preis-Leistungs-Verhältnis. Palantir hält das Veto für rechtswidrig und vermutet politische Motive dahinter.
Met-Commissioner Sir Mark Rowley warnte, die Entscheidung mache London „weniger sicher“ und könnte einen Finanzierungsausfall von 125 Millionen Pfund auslösen.
Zeitgleich protestierten Aktivisten von Amnesty International und dem Good Law Project vor dem NHSConfedExpo gegen Palantirs Datenschutzverträge mit dem britischen Gesundheitsdienst. Im Mittelpunkt: die Frage, wie Patientendaten genutzt werden — und Palantirs Verbindung zur israelischen Armee. Palantirs UK-Chef Louis Mosley bestätigte, die Software werde vom israelischen Militär zur Suche nach Geiseln eingesetzt. Einen Einsatz für Angriffe in Gaza schloss er aus.
FISA-Frist und Marktlage
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor läuft heute ab: Section 702 des Foreign Intelligence Surveillance Act. Das Gesetz ist zentral für US-Geheimdienstoperationen — und damit für Palantirs Regierungsgeschäft. Im ersten Quartal stammten rund 55 Prozent des Umsatzes, also 687 Millionen Dollar, aus dem Staatssektor.
Die Aktie schloss zuletzt bei 113,32 Euro. Seit Jahresbeginn liegt sie rund 21 Prozent im Minus und notiert mehr als 37 Prozent unter dem Allzeithoch vom November 2025. Wedbush hält dennoch an einem „Outperform“-Rating mit Kursziel 230 Dollar fest. Insider verkauften in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von rund 130 Millionen Dollar — darunter Karp selbst.
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