Palantir Aktie: 3. August für Q2-Zahlen
Trotz hoher Umsatz- und Gewinnsteigerung verliert die Palantir-Aktie an Wert. Analysten sind sich uneins, während eine NHS-Kontroverse die Stimmung belastet.

Kurz zusammengefasst
- Umsatzplus von 85 Prozent im ersten Quartal
- Aktie fällt trotz operativer Stärke
- Analystenmeinungen stark auseinander
- NHS-Datenschutzdebatte belastet
Palantir kämpft mit einem widersprüchlichen Bild: Das Wachstum sprudelt, doch die Aktie fällt. Am Freitag schloss das Papier bei 107,90 Euro, binnen einer Woche verlor es 6,74 Prozent. Damit liegt der Kurs 40,05 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Anleger blicken nun gespannt auf den 3. August, wenn Palantir seine Zahlen für das zweite Quartal vorlegt.
Starke Geschäftszahlen, schwacher Kurs
Die Diskrepanz zwischen operativer Entwicklung und Kursverlauf ist auffällig. Im ersten Quartal steigerte Palantir den Umsatz um 85 Prozent auf 1,63 Milliarden Dollar, der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte um 153 Prozent auf 0,33 Dollar. Der bereinigte freie Cashflow legte um 150 Prozent auf 925 Millionen Dollar zu. Firmenchef Alex Karp stellte für die kommenden zwei Jahre einen freien Cashflow von 15 bis 18 Milliarden Dollar in Aussicht. Für das Gesamtjahr 2026 hat Palantir seine Umsatzprognose auf 7,65 bis 7,66 Milliarden Dollar angehoben, ein Plus von 71 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das zweite Quartal rechnet der Konsens mit rund 1,81 Milliarden Dollar Umsatz und einem Gewinn je Aktie von 0,34 Dollar.
Diese Wachstumsraten stehen im Kontrast zur Kursentwicklung seit Jahresbeginn, die klar negativ ausfällt. Ein Grund liegt in der Bewertung: Selbst nach dem Rückgang handelt die Aktie mit einem hohen Vielfachen des erwarteten Jahresumsatzes, was das Papier anfällig für Gewinnmitnahmen macht, sobald das Wachstumstempo auch nur geringfügig nachlässt.
Analysten tief gespalten
Die Meinungen am Markt könnten kaum weiter auseinanderliegen. Citi-Analyst Tyler Radke hält an seiner Kaufempfehlung fest und sieht ein Kursziel von 200 Dollar, nachdem er es zuvor von 225 Dollar gesenkt hatte. Jefferies-Analyst Brent Thill dagegen rät zum Verkauf und traut der Aktie nur 70 Dollar zu. Diese Spanne verdeutlicht, wie unterschiedlich Wachstumsstory und Bewertung interpretiert werden. In der Breite überwiegt eine moderate Kaufneigung, mit einem Kursziel, das deutlich über dem aktuellen Niveau liegt – ein Zeichen dafür, dass viele Häuser die operative Dynamik höher gewichten als die Bewertungsrisiken.
Parallel dazu haben institutionelle Investoren im ersten Quartal ihre Bestände teils reduziert. Der Hedgefonds Renaissance Technologies etwa baute seine Position um gut ein Fünftel ab, hält aber weiterhin einen Bestand im Wert von rund einer Milliarde Dollar. Zugleich verkauften Insider in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von mehr als 150 Millionen Dollar.
NHS-Kontroverse belastet die Stimmung in Großbritannien
Neben der Bewertungsdebatte sorgt eine politische Kontroverse in Großbritannien für Gegenwind. Abgeordnete warnten laut einem Bericht der Zeitung The Guardian, der Zugriff von Palantir auf identifizierbare Patientendaten des staatlichen Gesundheitsdienstes NHS England sei „gefährlich“. Hintergrund ist ein 330-Millionen-Pfund-Vertrag für die sogenannte Federated Data Platform, bei dem Palantir laut einem internen NHS-Vermerk vor der Pseudonymisierung „unbegrenzten Zugriff“ auf Daten erhielt. Die Labour-Abgeordnete Rachael Maskell forderte einen Stopp des Projekts, ihre Parteikollegin Emily Darlington bezeichnete es als „erhebliches Sicherheitsrisiko“. Palantirs britischer Landeschef Louis Mosley verteidigte das Unternehmen und betonte, Palantir sei lediglich „Datenverarbeiter“ ohne Möglichkeit zum Datenmissbrauch. Umfragen zeigten laut dem Bericht, dass rund 40 Prozent der britischen Öffentlichkeit dem Unternehmen beim Umgang mit NHS-Daten misstrauen. Der bestehende Vertrag steht 2027 zur Verlängerung an.
In der Schweiz erlitt Palantir zudem eine juristische Schlappe: Ein Gericht wies eine Klage des Unternehmens gegen das Magazin Republik zu 95 Prozent ab, Palantir muss die Verfahrenskosten tragen. Das Magazin hatte zuvor über fehlende Regierungsaufträge für Palantir in der Schweiz berichtet.
Blick auf den 3. August
Für Anleger dürfte der bevorstehende Quartalsbericht zum entscheidenden Test werden. Bestätigt Palantir das hohe Wachstumstempo und die angehobene Jahresprognose, könnte dies die bullische Fraktion um Citi stärken. Enttäuscht das Unternehmen dagegen bei der Umsatzentwicklung im zweiten Halbjahr, dürften Skeptiker wie Jefferies weiteren Zulauf erhalten. Der Optionsmarkt preist bereits eine deutliche Kursbewegung rund um die Zahlenvorlage ein – ein Hinweis darauf, dass die Investoren selbst mit erheblicher Unsicherheit in den Bericht gehen.
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