Palantir Aktie: 30-Prozent-Sprung kostet Bären 3 Milliarden
Palantir erlebt nach dem Short-Squeeze einen Rücksetzer. Analysten streiten über die hohe Bewertung, während das operative Geschäft sich beschleunigt.

Kurz zusammengefasst
- Kurseinbruch nach massivem Short-Squeeze
- Leerverkäufer verlieren Milliarden an einem Tag
- Analysten uneins über Bewertung und Wachstum
- Aktie bleibt trotz Rally im Minus
Vor zwei Wochen war Palantir das Lieblingsziel der Bären. Ausgerechnet jetzt, nach einer Kursexplosion, die Leerverkäufer binnen eines Tages Milliarden kostete, wackelt die Aktie schon wieder. Der Widerspruch lohnt einen genaueren Blick.
Am Mittwoch fällt Palantir um 2,58 Prozent auf 137,48 Euro. Am Vortag hatte die Aktie noch bei 141,12 Euro geschlossen. Der Rücksetzer wirkt harmlos gegen das, was in der Woche davor passierte.
Vom Ausverkaufskandidaten zum Short-Squeeze-Symbol
Noch vor wenigen Wochen sprachen Marktteilnehmer bei Palantir von einer überverkauften Aktie. Die technischen Indikatoren näherten sich nach einem monatelangen Absturz der Kapitulationszone. Dann kam die Kehrtwende: Palantir hob die eigene Jahresprognose für Umsatz und operatives Ergebnis an.
Diese Ankündigung reichte, um die aufgestaute Skepsis am Markt zu überrollen. Die Aktie sprang an einem einzigen Tag um 30 Prozent. Für Leerverkäufer wurde das teuer: Laut Daten von S3 Partners entstanden ihnen dadurch drei Milliarden Dollar Buchverlust, und ihr gesamter Kursgewinn von 2,7 Milliarden Dollar seit Jahresbeginn löste sich in Luft auf.
Auch der bekannteste Palantir-Bär war betroffen. Investor Michael Burry hatte seine Short-Position bereits im Juni zur Hälfte aufgelöst, wie er in einem Newsletter schrieb. Das war Wochen vor dem eigentlichen Beben – seine Position war trotzdem groß genug, um Teil der Geschichte zu werden.
Warum der heutige Dämpfer keine Kehrtwende ist
Der Rückgang am Mittwoch sollte man nicht als Absage an die neue Erzählung lesen. Es ist eher die Physik eines überhitzten Charts, der sich abkühlt. Der RSI(14) steht bei 68 – knapp unter der klassischen Überkauft-Schwelle – und die Aktie notiert 20,31 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt.
Wie wild diese Aktie schwanken kann, zeigt ein Blick auf die Bandbreite des Jahres. Das 52-Wochen-Tief von 93,30 Euro liegt erst wenige Wochen zurück, das Hoch von 179,98 Euro stammt aus dem November. Aktuell liegt Palantir 47,35 Prozent über dem Tief, aber immer noch 23,61 Prozent unter dem Rekordhoch. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von fast 97 Prozent unterstreicht: Hier wird nicht in Prozentpunkten gehandelt, sondern in Sprüngen.
Die Bewertung bleibt der Bruchpunkt
Auch nach der Rally hat sich die Grundspannung der Palantir-Geschichte nicht aufgelöst. Sie hat nur ein neues Gesicht bekommen. Die Aktie handelt mit dem über 83-Fachen der erwarteten Jahresgewinne – ein deutlicher Aufschlag gegenüber Microsoft, Amazon und Oracle, die im selben Unternehmenssegment konkurrieren, aber mit deutlich niedrigeren Bewertungen gehandelt werden.
Diese Kluft spaltet selbst die Optimisten. Deutsche-Bank-Analyst Brad Zelnick hob sein Rating auf „Kaufen“ an und verwies auf das zweite Quartal in Folge mit Ergebnissen über den eigenen Prognosen. Jefferies dagegen bleibt bei „Underperform“ und sieht in anderen KI-nahen Softwaretiteln das bessere Chance-Risiko-Verhältnis.
Diese Skepsis passt nicht recht zum aktuellen Kursziel-Konsens von 158,07 Euro, der noch gut 15 Prozent Aufwärtspotenzial signalisiert – ein Wert, der angesichts der jüngsten Kurssprünge fast zurückhaltend wirkt. Seit Jahresbeginn steht die Aktie dennoch mit 12,50 Prozent im Minus, auf Zwölfmonatssicht mit 8,09 Prozent. Das operative Geschäft beschleunigt sich nach übereinstimmender Einschätzung – die Kursbilanz der Aktionäre bleibt davon bislang unbeeindruckt.
Die eigentliche Frage hinter dem Kurssprung
Was der Dienstag wirklich offengelegt hat, ist die wachsende Lücke zwischen Palantirs operativem Momentum und der Geduld des Marktes mit dem Preisschild der Aktie. Reicht ein zweites starkes Quartal in Folge aus, um ein Vielfaches von über 80 zu rechtfertigen, während Konkurrenten wie Microsoft und Oracle für ähnliches Wachstum deutlich weniger verlangen?
Eine endgültige Antwort liefert der Markt bislang nicht. Er liefert stattdessen genau das Muster, das Palantir seit Monaten prägt: ein Drittel des Wertes verlieren, dann einen Großteil davon in einer einzigen Sitzung zurückholen. Der Rücksetzer vom Mittwoch liest sich weniger wie ein Urteil als wie eine kurze Verschnaufpause, bevor die Debatte um die Bewertung in die nächste Runde geht.
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