Palantir Aktie: Burry warnt vor 66-Prozent-Absturz

Michael Burrys Short-Attacke und gespaltene Analystenmeinungen prägen den extrem volatilen Palantir-Kurs.

Redaktion Stock-World ·
Eine abstrakte, atmosphärische Szene, die die Tech-Branche mit einem starken Gefühl des Marktabschwungs und Rückgangs darstellt. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Aktie mit 52 Prozent annualisierter Volatilität
  • Michael Burry wettet gegen Palantir
  • Analystenziele zwischen 70 und 255 Dollar
  • Kurs 36 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch

Palantir ist der Rorschachtest des KI-Marktes. Die einen sehen einen Konzern, der Unternehmenssoftware neu erfindet. Die anderen sehen eine Blase kurz vor dem Platzen. Nirgends zeigt sich dieser Graben deutlicher als im eigenen Chartbild der Aktie — ein Wechselbad aus zweistelligen Rallyes und scharfen Rücksetzern, das die langfristige Richtung völlig offen lässt.

Eine Aktie, die von Stimmung lebt

Am Montag schloss die Palantir-Aktie bei 114,18 Euro. Auf Wochensicht steht ein Minus von 2,92 Prozent zu Buche, gegenüber dem 50-Tage-Durchschnitt von 114,56 Euro liegt der Kurs praktisch gleichauf. Zoomt man weiter heraus, wird das Bild düsterer: Seit Jahresbeginn hat die Aktie 20,21 Prozent verloren und liegt 36,56 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 179,98 Euro aus dem November.

Zum 200-Tage-Durchschnitt von 133,39 Euro klafft eine Lücke von 14,40 Prozent. Das zeigt: Der mittelfristige Trend bleibt bärisch, auch nach der Erholung vom 52-Wochen-Tief bei 93,30 Euro Ende Juni. Eine annualisierte 30-Tage-Volatilität von 52,20 Prozent unterstreicht, wie nervös dieser Titel geworden ist.

Diese Schwankungsintensität passt eigentlich nicht zu einem Unternehmen, das operativ solide Zahlen liefert. Genau das ist das Paradox, um das sich die Palantir-Geschichte gerade dreht.

Der Bärenfall hat ein Gesicht

Ein Großteil der jüngsten Turbulenzen geht auf einen prominenten Kritiker zurück. Investor Michael Burry argumentiert, der KI-Konkurrent Anthropic dringe direkt in Palantirs Geschäft ein. Anthropic „esse Palantir das Mittagessen weg“, so Burry — und er hat entsprechend eine große Short-Position gegen die Aktie aufgebaut.

Diese These hat den Kurs zeitweise heftig durchgeschüttelt. Widerspruch kam prompt: Wedbush-Analyst Dan Ives bezeichnete die Anthropic-Bedrohung als „fiktive Erzählung“.

Burrys Kritik ist nicht neu. Er warnt schon länger, Palantirs Bewertung habe sich von den Fundamentaldaten gelöst und könne um bis zu 66 Prozent fallen. Auch die Bilanzierungspraxis und die Unternehmenskultur hat er wiederholt infrage gestellt. Bemerkenswert ist weniger die Zahl selbst als die Tatsache, dass sie bei jeder Rally erneut auftaucht — wie eine psychologische Decke für einen Titel, der ohnehin zu Überreaktionen neigt.

Die Wall Street ist so gespalten wie der Kurs selbst

Die Analystengemeinde spiegelt genau diese Zerrissenheit. Im Schnitt des vergangenen Monats lautet das Rating „Kaufen“, doch die Kursziele reichen von 70 bis 255 US-Dollar. DA Davidson zählt zu den optimistischeren Stimmen und hob das Rating nach der Nvidia-Partnerschaft auf „Kaufen“ mit einem Kursziel von 175 US-Dollar an.

Eine derart breite Spanne zwischen dem pessimistischsten und dem optimistischsten Kursziel ist selbst ein Signal. Niemand hat offenbar wirkliche Überzeugung, wie ein derart schnell wachsendes Unternehmen dieser Größenordnung zu bewerten ist.

Der Konsens-Kursziel liegt bei 160,43 Euro. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von rund 40,5 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs — eine Lücke, die je nach Lager entweder für massive Unterbewertung oder für ein weiterhin eingepreistes Ausführungsrisiko spricht.

Technisch: neutral, vorerst

Der RSI von 52,8 platziert Palantir in echtem neutralem Terrain — weder überkauft noch überverkauft. Für eine Aktie, die den Großteil des Jahres zwischen Extremen pendelte, ist das ein seltener Moment der Ruhe. Die Erholung von 22,38 Prozent seit dem 52-Wochen-Tief zeigt eine gewisse Stabilisierung. Der anhaltende Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt legt aber nahe: Der übergeordnete Abwärtstrend ist noch nicht entscheidend gebrochen.

Was sich in der Palantir-Aktie abspielt, ist im Grunde ein Stellvertreterstreit darüber, wie der Markt den gesamten Infrastruktur-Boom der generativen KI bepreisen soll. Jede Rally wird als Bestätigung der These vom „KI-Betriebssystem“ gelesen, jeder Rücksetzer als Beweis dafür, dass die Bewertung nie mit der Realität übereinstimmte.

Bei einer Volatilität von weiterhin über 50 Prozent annualisiert, einem Kurs nahe am 50-Tage-Durchschnitt, aber deutlich unter der 100- und 200-Tage-Linie, wirkt Palantir weniger wie ein Unternehmen in der Krise. Es sieht eher aus wie ein Schlachtfeld, auf dem weder Bullen noch Bären das Gefecht bislang für sich entschieden haben. Der nächste entscheidende Kursausschlag dürfte, in welche Richtung auch immer, heftig ausfallen.

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Palantir Aktie

165,92 EUR

+ 1,08 EUR +0,66 %
KGV 158,72
Sektor Technologie
Div.-Rendite —
Marktkapitalisierung 477,68 Mrd. USD
Ø Kursziel 212,50 USD
ISIN: US69608A1088 WKN: A2QA4J

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