Palantir Aktie: Hauptversammlung im Governance-Konflikt

Palantir steht vor einer Hauptversammlung mit Konflikten um Menschenrechte und einem frischen Kursverlust nach einem KI-Erlass.

Dr. Robert Sasse ·

Kurz zusammengefasst

  • Aktionärsanträge zu Menschenrechten und Transparenz
  • Gründer-Stimmrechte blockieren Reformen
  • Kursrutsch nach Trump-Erlass zu KI
  • Starke Quartalszahlen trotz Governance-Risiken

Palantir geht in seine Hauptversammlung am heutigen Mittwoch mit gleich zwei Belastungen im Gepäck: einem handfesten Governance-Konflikt mit einigen der mächtigsten institutionellen Investoren der Welt und einem frischen Kursrückschlag nach einem neuen KI-Erlass aus dem Weißen Haus. Die Kombination hat Aktionäre nervös gemacht — und die Veranstaltung dürfte alles andere als Routine werden.

Norwegens Staatsfonds fordert Menschenrechts-Prüfung

Im Mittelpunkt der Tagesordnung stehen zwei Aktionärsanträge, die ungewöhnlich breite institutionelle Unterstützung gefunden haben. Norges Bank Investment Management, der Verwalter von Norwegens rund 2,3 Billionen Dollar schwerem Staatsfonds, will für Anträge stimmen, die eine Menschenrechts-Folgenabschätzung und mehr Transparenz bei politischen Spenden fordern. Investoren mit zusammen mindestens 336 Milliarden Dollar verwaltetem Vermögen haben sich dem Vorstoß angeschlossen — mit der Begründung, Palantirs Software werde von staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren eingesetzt, um Grundrechte wie Bewegungsfreiheit, Privatsphäre und rechtliches Gehör zu verletzen.

Der Druck kommt von mehreren Seiten. Der New Yorker Stadtcontroller hatte Palantir bereits im Februar aufgefordert, eine unabhängige Menschenrechtsprüfung zu seiner Arbeit für das Department of Homeland Security in Auftrag zu geben. ABP, der größte niederländische Pensionsfonds, hat sich bereits von der Aktie getrennt. Storebrand, ein norwegischer Vermögensverwalter mit rund 109 Milliarden Dollar unter Verwaltung, stieg ebenfalls aus — wegen Verkäufen an Israel für den Einsatz in besetzten palästinensischen Gebieten.

Gründer-Stimmrechte machen Reformen schwer

Trotz des institutionellen Gegenwinds haben die Anträge kaum Aussicht auf Erfolg. Palantirs Aktienstruktur mit Class-F-Aktien sichert den Gründern Peter Thiel, Alex Karp und Stephen Cohen bis zu 49,999999 Prozent der gesamten Stimmrechte — solange sie Mindestbeteiligungsschwellen halten. Selbst eine breite Mehrheit unter den unabhängigen Aktionären kann damit neutralisiert werden. Das Board empfiehlt die Ablehnung beider Anträge und argumentiert, Palantir sei kein Überwachungsunternehmen, handle nicht mit persönlichen Daten, und rechtliche sowie nationale Sicherheitsauflagen begrenzten die Offenlegungsmöglichkeiten.

Auf der Tagesordnung stehen außerdem die Wahl von sieben Direktoren, die Bestätigung von Ernst & Young als Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2026 sowie eine beratende Abstimmung zur Vorstandsvergütung.

Trump-Erlass trifft KI-Sektor

Parallel zur Governance-Debatte sorgte ein neuer Präsidialerlass für Kursdruck. Am Dienstag fiel die Palantir-Aktie um 5,3 Prozent — ausgelöst durch eine Anordnung von Präsident Donald Trump, die Unternehmen zur Teilnahme an einem staatlichen Benchmarking-Programm für KI-Systeme verpflichten soll. Kernpunkt: Firmen müssten dem Staat Zugang zu ihren Modellen bis zu 30 Tage vor der öffentlichen Veröffentlichung gewähren und der Regierung Mitsprache bei der Auswahl von Early-Access-Partnern einräumen.

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Da Palantir in besonderem Maß auf Regierungsaufträge angewiesen ist, könnte der Erlass das Unternehmen stärker treffen als viele Wettbewerber. Wie stark die praktischen Auswirkungen tatsächlich ausfallen, bleibt offen. Der RSI liegt aktuell bei 86 — ein Niveau, das auf eine überkaufte Ausgangslage hindeutet, auch wenn die Aktie in den vergangenen sieben Tagen noch rund 15 Prozent zugelegt hat.

Starke Zahlen, hohe Bewertung

Die Governance- und Regulierungsrisiken treffen ein Unternehmen in operativ starker Verfassung. Im ersten Quartal 2026 erzielte Palantir einen Umsatz von 1,633 Milliarden Dollar — ein Plus von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das US-Geschäft wuchs um 104 Prozent auf 1,282 Milliarden Dollar, der kommerzielle US-Umsatz sogar um 133 Prozent auf 595 Millionen Dollar. Das Management hob die Jahresprognose auf 7,65 bis 7,66 Milliarden Dollar an, was einem Wachstum von rund 71 Prozent entspräche.

Hinzu kommen strategische Rückendeckung vom Pentagon: Das KI-System Maven wurde offiziell als Programm des Verteidigungsministeriums anerkannt und langfristig im Militär verankert. Verträge mit der US-Armee und dem Landwirtschaftsministerium wurden verlängert.

Auf der Kostenseite drückt allerdings die aktienbasierte Vergütung — allein im ersten Quartal 202 Millionen Dollar. Das belastet die GAAP-Profitabilität und nährt Bewertungsskepsis, zumal Wettbewerber wie Microsoft Azure, AWS, Google Cloud, OpenAI und Anthropic den Markt für KI-Software zunehmend unter Druck setzen. Der Analystenkonsens lautet zwar „Moderater Kauf“, einzelne Häuser sehen jedoch Risiken für Preissetzungsmacht und langfristige Margen.

Die heutige Hauptversammlung wird zeigen, wie laut die institutionelle Kritik tatsächlich klingt — auch wenn die Stimmrechtsmechanik das Ergebnis weitgehend vorwegnimmt.

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Palantir Aktie

134,18 EUR

+ 11,16 EUR +9,07 %
KGV 161,06
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,00 %
Marktkapitalisierung 343,63 Mrd. EUR
ISIN: US69608A1088 WKN: A2QA4J

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