Palantir Aktie: Mercury Systems als neuer Partner

Palantir meldet Umsatzplus von 93 Prozent und hebt Prognose deutlich an. Die KI-Erzählung treibt den Kurs, doch Kritik an Überwachungsgeschäften bleibt.

Redaktion Stock-World ·
Abstrakte Visualisierung komplexer digitaler Netzwerke und Datenströme in einem modernen technologischen Umfeld. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Umsatzsprung auf 1,94 Milliarden Dollar
  • Prognose für 2026 kräftig angehoben
  • Neue Partnerschaften mit Militär und NATO
  • Kursrally von fast 40 Prozent

Ein Umsatzsprung von 93 Prozent, eine Gewinnexplosion, eine Kursrally, die selbst hartgesottene Wall-Street-Beobachter sprachlos machte – und mittendrin ein Satz von Firmenchef Alex Karp, der mehr Programm als Bilanzkommentar ist. Karp sprach von einer „Revolution für Unabhängigkeit und KI-Souveränität“, die längst im Gange sei, und fügte hinzu, seine Kunden hätten sich geweigert, „Vasallenstaaten der Sprachmodell-Labore“ zu werden. Wer verstehen will, warum die Palantir-Aktie derzeit alle Kursmodelle sprengt, muss diesen Satz ernst nehmen. Er ist der eigentliche Anlagethese.

Ein Quartal wie ein Statement

Am Montag legte Palantir Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor, die selbst optimistische Prognosen alt aussehen ließen: 1,94 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 93 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Geschäft mit US-Behörden wuchs um 90 Prozent auf 809 Millionen Dollar, das Firmenkundengeschäft in den USA legte sogar um 149 Prozent auf 764 Millionen Dollar zu. Unter dem Strich blieb ein Nettogewinn nach US-GAAP von 1,07 Milliarden Dollar oder 41 Cent pro Aktie stehen – im Vorjahresquartal waren es noch 329 Millionen Dollar gewesen. Das Management reagierte mit einer kräftigen Anhebung der eigenen Prognose: Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Palantir nun einen Umsatz zwischen 8,150 und 8,158 Milliarden Dollar, das US-Firmenkundengeschäft soll um mindestens 134 Prozent auf über 3,424 Milliarden Dollar wachsen. Die bereinigte Marge auf operatives Ergebnis peilt das Unternehmen mit 4,889 bis 4,897 Milliarden Dollar an, der freie Cashflow soll zwischen 4,5 und 4,7 Milliarden Dollar liegen.

Der Markt honorierte das mit einem der stärksten Handelstage der Firmengeschichte. Wer sich fragt, wie tief dieser Optimismus in den Kursverlauf eingesickert ist: Binnen einer Woche legte die Aktie um 39,47 Prozent zu. Zum Wochenschluss notierte das Papier bei 148,84 Euro, nach einem Tagesplus von 9,88 Prozent – und liegt damit dennoch 17,30 Prozent unter seinem Hoch der vergangenen 52 Wochen. Die Rally holt also nach, was zuvor verloren ging, sie schießt nicht ins Unbekannte.

Die Erzählung hinter den Zahlen

Was die Zahlen so besonders macht, ist der Kontext, den Palantir selbst liefert. Die Partnerschaft mit dem Rüstungselektronik-Zulieferer Mercury Systems, verkündet am Montag, zielt darauf, Materialplanung und Fabrikabläufe für US-Militärprogramme zu automatisieren – gefördert im Rahmen eines Regierungsprogramms namens Tradewind Prototype Agreement. Palantir soll Mercury dabei helfen, eine digitale Unternehmenszwilling-Struktur aufzubauen. Auch bei der NATO ist Palantir im Rennen: Die Allianz hat dem Unternehmen neben Anduril und Athea SAS einen Auftrag für ihre Enhanced Air Command and Control Data Platform erteilt, wobei am Ende der Testphase nur ein Anbieter für die langfristige Umsetzung ausgewählt werden soll.

Diese Aufträge fügen sich in die These vom „souveränen KI“-Anbieter, den Staaten dem Zugriff amerikanischer oder fremder Tech-Giganten vorziehen. Genau darin liegt zugleich die Kehrseite. Berichten zufolge teilten Medicaid-Behörden Daten von Millionen Menschen mit der Einwanderungsbehörde ICE, die diese Daten wiederum mit Palantir teilte – das Unternehmen betreibt eine App namens ELITE, mit der ICE-Beamte Adressen von möglicherweise abschiebepflichtigen Personen einsehen können. Palantir erklärte gegenüber NPR, der betreffende Datensatz sei gelöscht worden, und betonte, Kunden kontrollierten ihre eigenen Daten selbst. Auch die Rolle des Unternehmens im israelisch-palästinensischen Konflikt – seit der Eröffnung eines ersten Büros in Israel 2015 hat Palantir seine Zusammenarbeit mit dem israelischen Militär ausgebaut – sorgt weiterhin für Kritik.

Kursziele im Aufwind, Fragen im Hintergrund

Die Analystenzunft reagierte auf das Quartal mit einer Serie von Zielkorrekturen nach oben. Citi-Analyst Tyler Radke hob sein Kursziel von 200 auf 245 Dollar an und bestätigte seine Kaufempfehlung, mit Verweis auf beschleunigtes Umsatzwachstum und stärkere Vertragskennzahlen. D.A. Davidson-Analyst Gil Luria zog von 175 auf 200 Dollar nach, ebenfalls mit Kaufvotum. Rosenblatt Securities bestätigte ein Kursziel von 225 Dollar, während Cantor Fitzgerald bei neutraler Einstufung sein Ziel von 138 auf 156 Dollar erhöhte – ein Hinweis darauf, dass selbst skeptischere Stimmen die operative Dynamik nicht mehr ignorieren, ohne der Bewertung blind zu vertrauen.

Bleibt die Frage, ob eine Aktie, die binnen eines Monats um 28,58 Prozent zulegte und mit einer annualisierten Volatilität von 100 Prozent handelt, tatsächlich schon eine geopolitische Zeitenwende einpreist – oder ob sie schlicht das nächste Kapitel einer ohnehin volatilen Wachstumsgeschichte schreibt. Die Zahlen sprechen für Ersteres, die Kritik an Palantirs Rolle in Überwachung und Konfliktzonen erinnert daran, dass diese Geschichte mehr als eine Bilanzkennziffer ist.

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Palantir Aktie

165,04 EUR

+ 0,10 EUR +0,06 %
KGV 162,11
Sektor Technologie
Div.-Rendite —
Marktkapitalisierung 455,79 Mrd. USD
Ø Kursziel 195,57 USD
ISIN: US69608A1088 WKN: A2QA4J

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