Palantir Aktie: Millionen-Vertrag auf der Kippe
Analysten stufen Palantir hoch, doch ein 440-Millionen-Dollar-NHS-Vertrag in Großbritannien steht vor dem Aus.

Kurz zusammengefasst
- DA Davidson stuft Palantir auf Kaufen hoch
- Britischer Ausschuss lehnt NHS-Vertragsverlängerung ab
- US-Kerngeschäft wächst rasant um 133 Prozent
- Hohe Bewertung lässt kaum Fehler zu
Im Juni flüchteten Investoren aus KI-Software in Halbleiter-Aktien. Der breite Markt schwächelte in dieser Phase. Der S&P 500 verlor 1,1 Prozent. Der Nasdaq Composite gab um 2,8 Prozent nach. Auch Palantir geriet unter die Räder. Im Juli kehrten die Käufer dann rasch zurück.
Ein frisches Analysten-Update stützt den Kurs derzeit. DA Davidson stuft das Papier von „Neutral“ auf „Kaufen“ hoch. Die Experten heben das Kursziel von 165 auf 175 US-Dollar an. Sie sehen Palantir als unverzichtbare KI-Orchestrierungsschicht. Das Unternehmen konkurriert demnach nicht direkt mit großen Sprachmodellen. Trotz dieser Entlastung droht massives Ungemach aus Übersee.
Die entscheidende Frage: Trägt das Auslandsgeschäft?
Ein Vorzeigeprojekt in Großbritannien wackelt bedenklich. Der britische Parlamentsausschuss für Wissenschaft und Technologie lehnt eine Vertragsverlängerung ab. Es geht um die Daten-Infrastruktur des National Health Service. Das Abkommen hat ein enormes Volumen von 330 Millionen Pfund. Das entspricht etwa 440 Millionen US-Dollar. Der Vertrag läuft Anfang des kommenden Jahres aus.
Eine endgültige Regierungsentscheidung steht noch aus. Verkraftet das internationale Regierungsgeschäft den potenziellen Verlust dieses Großauftrags? Bricht das Auslandswachstum weg, gerät die extrem hohe Bewertung unter Druck. Kann das US-Geschäft diesen Rückschlag auffangen, bleibt das Bullen-Szenario intakt.
Bullen-Szenario: Das US-Geschäft dominiert
Optimisten verweisen auf den rasant wachsenden Heimatmarkt. Der kommerzielle US-Umsatz erreichte im letzten Quartal 595 Millionen US-Dollar. Das entspricht einem Jahresplus von 133 Prozent. Im Vergleich zum Vorquartal wuchsen die Erlöse um 18 Prozent.
Der US-Regierungsbereich stieg parallel auf 687 Millionen US-Dollar. Das Segment wuchs jährlich um 84 Prozent und quartalsweise um 21 Prozent.
Gleichzeitig glänzt die Bilanz. Palantir erwirtschaftete einen bereinigten freien Cashflow von 925 Millionen US-Dollar. Die operative Marge lag bei außergewöhnlichen 57 Prozent.
Eine neue Partnerschaft mit Nvidia treibt die Fantasie zusätzlich an. Palantir integriert die Nemotron-KI-Modelle des Chipriesen direkt in die eigene Software. Die Analysten von DA Davidson betrachten die jüngste Korrektur der Gewinnerwartungen daher als Einstiegschance.
Bären-Szenario: Kaum Spielraum für Fehler
Skeptiker blicken auf das weiterhin immense Rückschlagspotenzial. Die Aktie notiert 31 bis 37 Prozent unter ihrem Höchststand von Ende 2025. Das Papier bleibt dennoch extrem teuer. Investoren zahlen das 135- bis 146-Fache der erwarteten Gewinne.
Das Umsatz-Multiple liegt zwischen 59 und 62. Das lässt Aktionären praktisch keinen Sicherheitsspielraum. Schwächt sich das Wachstum nur minimal ab, drohen heftige Intraday-Abstürze.
Ein Reverse-DCF-Modell verdeutlicht den Druck auf das Management. Palantir müsste künftig über 100 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz erzielen. Das erfordert das 17- bis 25-Fache der aktuellen Wachstumsrate. US-Behörden teilen staatliche Aufträge aber oft auf mehrere Anbieter auf. Niemand darf die IT-Ausgaben der Regierung monopolisieren.
Die Folge: Ein struktureller Deckel für das US-Wachstum. Hinzu kommen anhaltende Insider-Verkäufe. Diese belasten die Stimmung zusätzlich zum schwebenden NHS-Risiko in London.
Ausblick: Warten auf London und die US-Zahlen
Die Analysten-Meinungen gehen bei dieser Gemengelage weit auseinander. Das durchschnittliche Kursziel liegt derzeit bei 160,08 Euro. Setzt sich das rasante US-Wachstum fort, bewerten die Bullen den jüngsten Kursrückgang als klare Kaufchance. Ein definitives Aus beim britischen Gesundheitsvertrag würde dieses Bild jedoch massiv trüben. Die Zweifel an der internationalen Skalierbarkeit würden sofort lauter werden.
Zwei Faktoren geben in Kürze die exakte Richtung vor. In den kommenden Monaten entscheidet die britische Regierung formal über den NHS-Vertrag. Parallel dazu liefert der nächste Quartalsbericht unverzichtbare Fakten. Er wird belegen, ob das hohe US-Wachstum aus dem ersten Halbjahr anhält. Fällt das US-Geschäft hinter die Erwartungen zurück, wird der hohe Aktienkurs unweigerlich einbrechen.
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