Palantir Aktie: Pentagon zieht ASTRA-Ausschreibung zurück
Palantir erringt wichtigen Erfolg gegen das Pentagon, während Citigroup das Kursziel senkt. Die Aktie notiert dennoch schwach, der Fokus liegt auf den Quartalszahlen am 3. August.

Kurz zusammengefasst
- Sieg im Streit mit US-Geheimdienst
- Citigroup senkt Kursziel auf 200 Dollar
- Umsatzwachstum von 53 Prozent erwartet
- Quartalszahlen am 3. August entscheidend
Ein Erfolg im Behördenstreit, ein Kursziel-Rückschlag von einer Großbank und eine Aktie, die trotzdem tief im Minus verharrt. Bei Palantir passt derzeit wenig zusammen. Wer nur auf den Kurs schaut, sieht Schwäche. Wer auf die operativen Fakten schaut, sieht ein Unternehmen, das gerade eine seiner wichtigsten Schlachten gewinnt.
Die Palantir-Aktie schloss am Freitag bei 107,90 Euro, ein Minus von 0,50 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 6,74 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn hat das Papier 31,33 Prozent verloren. Das ist die Ausgangslage, vor der sich die jüngsten Nachrichten einordnen lassen.
Sieg gegen das Pentagon
Die wichtigste Entwicklung der Woche kam nicht von der Börse, sondern aus Washington. Die Defense Intelligence Agency, der militärische Geheimdienst der USA, hat ihre Ausschreibung für das Programm ASTRA offiziell zurückgezogen. ASTRA sollte ein KI-gestütztes System für militärische Aufklärung werden, gebaut von Grund auf und speziell für die Behörde.
Palantir hatte gegen genau dieses Vorhaben formal protestiert. Das Unternehmen argumentierte, die Behörde solle bestehende kommerzielle Software nutzen statt teure Individuallösungen entwickeln zu lassen. Mit dem Rückzug der Ausschreibung bekommt Palantir recht.
Das ist mehr als eine Randnotiz. Es bestätigt die zentrale These des Unternehmens: Private KI-Entwicklung ist inzwischen schneller und günstiger als alles, was Behörden selbst bauen können. Für Palantir bedeutet der Rückzug vor allem eines: Der Wettbewerb um lukrative Geheimdienstverträge pausiert, während das eigene Maven-Smart-System dort längst etabliert ist. Kurz gesagt: ein handfester Marktschutz, ohne dass ein einziger neuer Vertrag unterschrieben wurde.
Analysten zwischen Umsatzoptimismus und Kursziel-Kürzung
An der Wall Street sorgt der Fall trotzdem nicht für ungeteilte Begeisterung. Citigroup hat sein Kursziel für Palantir von 225 auf 200 US-Dollar gesenkt, die Einstufung „Buy“ aber beibehalten. Begründet wird der Schnitt mit sinkenden Bewertungsmultiplikatoren im gesamten Softwaresektor, nicht mit Zweifeln am Geschäft selbst.
Genau das zeigt sich im zweiten Teil der Citi-Einschätzung. Die Analysten erwarten für das Geschäftsjahr 2027 ein Umsatzwachstum von 53 Prozent, deutlich über dem Marktkonsens von 45 Prozent. Damit entsteht ein Bild, das man als vorsichtig optimistisch beschreiben kann: Der Kurs leidet unter der allgemeinen Tech-Abkühlung, das zugrunde liegende Geschäft läuft aber robuster, als der Aktienkurs vermuten lässt.
Umgerechnet liegt der Analystenkonsens für das Kursziel bei 161,01 Euro. Das entspräche einem Aufwärtspotenzial von 49,2 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag. Diese Diskrepanz zwischen operativer Story und Kursverlauf ist für mich der eigentliche Kern der aktuellen Palantir-Situation.
Charttechnik und der Blick auf den 3. August
Charttechnisch bleibt die Lage angespannt. Der Kurs notiert 17,99 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 131,56 Euro, ein Signal für anhaltenden mittelfristigen Abwärtsdruck. Zugleich ist die Aktie näher am 52-Wochen-Tief als am Rekordhoch von November 2025 – ein Hinweis darauf, wie stark die Stimmung gedreht hat, obwohl die fundamentalen Nachrichten eher positiv ausfallen.
Der nächste echte Testfall folgt am 3. August 2026. Dann legt Palantir seine Zahlen zum zweiten Quartal vor. Für die These, dass sich das kommerzielle Geschäft beschleunigt, wie Citi es unterstellt, wird dieser Bericht zum Lackmustest. Bestätigen sich die optimistischen Umsatzschätzungen, dürfte das die nötige Initialzündung liefern, um die aktuellen Widerstände im Chart zu durchbrechen.
Bis dahin bleibt Palantir in einer eigentümlichen Zwickmühle gefangen: operativ eine der stärksten Erfolgsgeschichten im KI-Sektor, kurstechnisch ein Papier, dem der Markt gerade nicht traut. Der 3. August wird zeigen, welche der beiden Wahrheiten am Ende überwiegt.
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