Interviewmit Eduard Altmann

Palantir Aktie: Reicht das Wachstum bei schwächeren Neuabschlüssen?

Eduard Altmann sieht Potenzial durch intensivere Softwarenutzung, hält den Nachweis im kommerziellen Geschäft jedoch für offen.

Eduard Altmann ·
Interview mit Eduard Altmann über Palantir
Im Bild: Eduard Altmann

Kurz zusammengefasst

  • Kundenbindung als möglicher Werttreiber
  • Schwäche bei neuen Vertragsabschlüssen
  • Rund 190 Euro als Zwölfmonatswert
  • Changshin-Partnerschaft ohne belegtes Vertragsvolumen

Palantirs Rahmenvereinbarung mit der US-Armee bündelt 75 Verträge, ohne daraus garantierte Umsätze zu machen. Wie belastbar wird das Geschäft durch die zusätzliche Nachfrage von Unternehmen außerhalb des Militärbereichs? Eduard Altmann richtet seinen Blick auf den Zusammenhang zwischen dieser breiteren Kundschaft, der Verankerung der Software im Arbeitsalltag und den Erwartungen im Aktienkurs.

Palantir (US69608A1088) — Schlusskurse 11.05.2026 bis 06.11.2026, Angaben in EUR. Stand: 06.11.2026.

Palantir (US69608A1088) — Schlusskurse 11.05.2026 bis 06.11.2026, Angaben in EUR. Stand: 06.11.2026.

Stock World Redaktion: Das starke Wachstum gehört längst zum Konsens über Palantir. Warum sollte ausgerechnet Ihre Sicht auf die Kundenbindung einen zusätzlichen Wert erklären, den der Markt übersieht?

Eduard Altmann: Weil die Aufmerksamkeit vor allem auf der Geschwindigkeit liegt. Nach meiner Lesart wird zu wenig gewichtet, was nach der Einführung der Software beim Kunden passiert. Wenn Palantir Planung und operative Entscheidungen miteinander verknüpft, kann aus einem begrenzten Einsatz eine deutlich tiefere Abhängigkeit werden. Die breitere Kundschaft kann Palantirs Bindung an die Kunden stärken.

Das ist für mich der interessanteste mögliche Werttreiber. Die Sicherheitsfreigaben erklären den Schutz im Behördengeschäft bereits recht gut. Bei Unternehmen muss Palantir diesen Schutz im Arbeitsablauf erst erarbeiten. Die allgemeine Nachfrage nach KI hilft beim Zugang; die dauerhafte Verankerung wäre eigene Leistung. Außerhalb der besonders geschützten Bereiche ist sie noch nicht abschließend belegt.

Stock World Redaktion: „Die breitere Kundschaft kann Palantirs Bindung an die Kunden stärken.“ Außerhalb der geschützten Behördenwelt trifft Palantir auf mehr austauschbare Angebote. Verwechseln Sie größere Reichweite mit stärkerer Bindung?

Eduard Altmann: Gerade die Öffnung kann die Abhängigkeit erhöhen, wenn die Software immer mehr tägliche Entscheidungen miteinander verbindet. Ein Anbieterwechsel greift tief in den Arbeitsalltag ein. Ob Palantir diese Tiefe auch bei neuen Kunden erreicht, muss das Unternehmen allerdings noch zeigen.

Stock World Redaktion: Woran würde Ihre Rechnung scheitern, wenn diese Ausweitung weniger verlässlich ist, als Sie annehmen?

Eduard Altmann: Meine Rechnung kippt, wenn neue Vertragsabschlüsse dauerhaft schwach bleiben und bestehende Kunden ihre Nutzung kaum noch ausweiten. Dann würde das laufende Wachstum eine Beständigkeit vortäuschen, die im künftigen Geschäft fehlt.

Das wäre ein harter Gegenbeleg. Hohe Wechselkosten können vorhandene Umsätze schützen; sie schaffen allein noch keinen ausreichenden Zuwachs. Gerade bei Palantirs Bewertung reicht ein gut verteidigter Bestand nicht aus.

Die jüngsten Berichte über langsamer wachsende neue Vertragswerte verdienen deshalb mehr Gewicht als die nächste Partnerschaftsmeldung. Einzelne Abschlüsse können zeitlich schwanken. Eine anhaltende Schwäche würde ich damit nicht entschuldigen.

Stock World Redaktion: Welchen Wert billigen Sie dem Geschäft heute zu, solange dieser Nachweis aussteht?

Eduard Altmann: Ich komme auf ein faires Zwölfmonatsniveau von rund 190 Euro. Das ist meine Einschätzung, keine Unternehmensprognose. Sie setzt voraus, dass die tiefere Nutzung bei bestehenden Kunden trägt und die kommerzielle Expansion weiter Substanz gewinnt.

Die am 2. November angehobene Umsatzprognose für 2026 von rund 8,53 Milliarden Dollar stützt das Vertrauen in die Nachfrage. Sie beantwortet die Frage nach deren Dauer aber nur begrenzt. Für mich rechtfertigt Palantirs Qualität einen erheblichen Bewertungsaufschlag; für unbegrenztes Vertrauen reicht sie nicht.

Am stärksten gewichte ich die Verbindung aus schwer ersetzbarer Software und zusätzlichen Einsatzmöglichkeiten beim selben Kunden. Die Preismacht schätze ich lediglich als moderat ein. Wer aus jeder neuen Anwendung automatisch höhere Preise ableitet, macht sich die Rechnung zu bequem.

Stock World Redaktion: Die neue Partnerschaft mit dem Schuhhersteller Changshin klingt nach genau solchen zusätzlichen Einsatzmöglichkeiten. Wie viel trägt dieses Beispiel, wenn europäische Datenregeln die Einführung verteuern und den Anbieterwechsel erleichtern können?

Eduard Altmann: Changshin ist ein brauchbarer Testfall, noch kein finanzieller Beweis. Foundry und AIP sollen Informationen von der Schuhentwicklung bis zur Fertigung verbinden. Das passt zu meiner These, weil der Nutzen über eine einzelne Anwendung hinausreichen soll. Aus der Ankündigung lässt sich allerdings kein belastbares Vertragsvolumen ableiten.

Die europäischen Vorgaben begrenzen, wie einfach sich dieses Modell übertragen lässt. Zusätzliche Anpassungen kosten Geld, und Datenportabilität kann einen Teil der Bindung abschwächen. Palantir muss deshalb einen Nutzen liefern, der über technische Wechselhürden hinausgeht. Darauf kommt es im kommerziellen Geschäft besonders an.

Die politische Diskussion über Rechenzentren würde ich davon trennen. Verzögerte Genehmigungen können die KI-Einführung bremsen. Ein Verlust bestehender Palantir-Aufträge ist damit bisher nicht belegt. Den unmittelbaren Sektorschock gewichte ich deshalb geringer als die Entwicklung der Vertragsabschlüsse.

Stock World Redaktion: Sie haben Ihre Grenze klar benannt: dauerhaft schwache neue Vertragsabschlüsse und kaum zusätzliche Nutzung bei bestehenden Kunden. Welches Gesamturteil folgt daraus heute für Palantirs Bewertung?

Eduard Altmann: Ich sehe heute mehr Wert im Geschäft, als der Kurs anerkennt. Ausschlaggebend ist für mich die Chance, dass die breitere Kundschaft eine tiefere Nutzung ermöglicht und dadurch die Bindung stärkt.

Die jüngste Schwäche bei neuen Vertragsabschlüssen verhindert allerdings, dass ich dem laufenden Wachstum einfach freie Fahrt gebe. Meine Zuversicht hängt an der weiteren Nutzung durch die Kunden; Partnerschaftsmeldungen reichen dafür nicht.

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Palantir Aktie

140,08 EUR

+ 2,12 EUR +1,54 %
KGV 120,92
Sektor Technologie
Div.-Rendite —
Marktkapitalisierung 421,50 Mrd. USD
Ø Kursziel 212,50 USD
ISIN: US69608A1088 WKN: A2QA4J

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