Parlamentswahl entscheidet über Netanjahus Macht in Israel

Hohe Beteiligung und ein enges Rennen prägen die Wahl; schwierige Koalitionsgespräche könnten Netanjahus Verbleib offenlassen.

Felix Baarz ·
KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Rund 7,3 Millionen Wahlberechtigte stimmen ab
  • Wahlbeteiligung am Nachmittag bei 44,9 Prozent
  • Keines der Lager erreicht laut Umfragen 61 Mandate
  • Regionale Sicherheitsfragen prägen den Wahlkampf

Israel entscheidet über die politische Zukunft von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Die Parlamentswahl verzeichnet eine ungewöhnlich hohe Beteiligung und ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Regierungslager und der Opposition. Selbst bei einem Machtwechsel dürfte die grundlegende sicherheitspolitische Ausrichtung des Landes im Nahen Osten jedoch bestehen bleiben.

Rund 7,3 Millionen Wahlberechtigte bestimmen die Zusammensetzung des Parlaments. Bereits am frühen Nachmittag lag die Wahlbeteiligung bei 44,9 Prozent. Vor den Wahllokalen bildeten sich lange Schlangen, während mehr als 70.000 Staatsbürger eigens aus dem Ausland für die Stimmabgabe anreisten.

Herausforderer Gadi Eisenkot, ehemaliger Militärchef an der Spitze der Mitte-Partei Jaschar, wirbt für einen Kurswechsel und mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt. Netanjahu mobilisierte derweil seine Anhänger und warnte vor einer überdurchschnittlich starken Beteiligung in arabisch geprägten Regionen.

Hürden auf dem Weg zur Mehrheit

Für eine regierungsfähige Mehrheit sind mindestens 61 der insgesamt 120 Mandate in der Knesset nötig. Umfragen deuten darauf hin, dass weder das Regierungslager noch die Opposition diese Schwelle aus eigener Kraft erreicht. Nach der Stimmabgabe drohen daher schwierige Verhandlungen, um aus den angetretenen Listen ein tragfähiges Bündnis zu formen.

Sollte keines der Lager eine Koalition zustande bringen, droht eine politische Hängepartie. In einem solchen Fall könnte Netanjahu an der Spitze einer Übergangsregierung im Amt verbleiben, bis Neuwahlen angesetzt werden.

Geopolitische Ausrichtung bleibt umkämpft

Die Auseinandersetzung um den regionalen Sicherheitskurs prägte den Urnengang maßgeblich. Der amtierende Regierungschef stellte im Wahlkampf weiterhin die Konfrontation mit dem Iran in den Mittelpunkt. Eisenkot warf ihm dagegen vor, die strategischen Ziele in den vergangenen militärischen Konflikten verfehlt zu haben.

Beobachter erwarten ungeachtet des Wahlausgangs keine rasche Entspannung in den regionalen Konflikten. Auch die Opposition lehnt die Schaffung eines palästinensischen Staates mehrheitlich ab. Fortschritte bei Initiativen für einen Wiederaufbau im Gazastreifen gelten unter einer neuen Führung jedoch als möglich.

Erste verlässliche Tendenzen liefern die Nachwahlbefragungen nach Schließung der Wahllokale am Dienstagabend. Vorläufige Endergebnisse folgen am Donnerstag, bevor die offiziellen Zahlen acht Tage nach der Abstimmung vorliegen. Anschließend erhält der aussichtsreichste Kandidat ein vierwöchiges Mandat zur Regierungsbildung.

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