Partners Group Aktie: 16,33-Prozent-Crash im Juni
Hohe Rücknahmeanträge bei Evergreen-Fonds erschüttern das Vertrauen in Partners Group. Analysten reagieren mit gesenkten Kurszielen, das Management räumt Kommunikationsfehler ein.
Kurz zusammengefasst
- Rücknahmedruck auf Evergreen-Fonds
- Analysten senken Kursziele
- Management räumt Fehler ein
- Aktie nahe 52-Wochen-Tief
Rund ein Drittel des Börsenwerts ist weg. Seit Jahresbeginn verlor die Partners Group-Aktie knapp 31 Prozent — und ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht. Hinter dem Einbruch steckt eine Strukturkrise, die die gesamte Private-Equity-Branche erfasst hat.
Evergreen-Fonds unter Rücknahmedruck
Auslöser war Anfang Juni ein ungewöhnlich hoher Rücknahmedruck auf die Evergreen-Produkte des Schweizer Vermögensverwalters. Der luxemburgische Flaggschiff-Fonds Partners Group Global Value SICAV verzeichnete Rücknahmeanträge von rund 9,8 Prozent des Nettoinventarwerts — für ein Quartal ein außerordentlich hoher Wert. Die Aktie brach daraufhin an einem einzigen Handelstag um bis zu 16,33 Prozent ein. Das war der stärkste Tageseinbruch seit dem Börsengang 2006.
Parallel dazu kämpft ein US-Vehikel mit Rückkaufanträgen von rund 6 Prozent des Nettoinventarwerts. Drei weitere Evergreen-Fonds mit kombiniertem Vermögen von rund 9,7 Milliarden Dollar dürften im zweiten Quartal Rücknahmen von 3,5 bis 5 Prozent verzeichnen. Partners Group betreibt mehr als 30 solcher Fonds über fünf Anlageklassen — mit einem Gesamtvermögen von über 56 Milliarden Dollar.
Bemerkenswert: Die Gating-Maßnahmen erfolgten trotz einer Fondsliquidität von rund 15 Prozent des Nettoinventarwerts und einer ungenutzten Kreditlinie in gleicher Höhe. Das zeigt, wie stark das Vertrauen in halboffene Private-Equity-Strukturen generell erschüttert ist. Apollo Global Management, KKR, BlackRock und Blue Owl haben zuletzt ebenfalls Rücknahmebeschränkungen eingeführt.
Analysten senken Kursziele — aber nicht alle kapitulieren
Oddo BHF stufte die Aktie von „Outperform“ auf „Neutral“ herab und setzte das Kursziel auf 920 Franken. Begründung: Das Chance-Risiko-Profil sei durch den Rücknahmedruck kurzfristig belastet. Vontobel senkte sein Ziel auf 960 von zuvor 1.200 Franken.
Julius-Bär-Analyst Roger Degen strich sein Kursziel auf 1.200 von 1.400 Franken — zählt die Aktie aber weiterhin zu seinen Top-Empfehlungen. ZKB-Analyst Daniel Regli nannte die Marktreaktion „übertrieben“. Analysten von Octavian und der Helvetischen Bank teilen diese Einschätzung.
Management hält Kurs — und räumt Fehler ein
Firmenmitgründer Fredy Gantner hat eine aktivere Kommunikation angekündigt. „Wir müssen definitiv besser und proaktiver kommunizieren“, sagte er der „SonntagsZeitung“. Er sprach von einer „schmerzhaften Lektion“. Die heftige Marktreaktion bezeichnete er als „massive Überreaktion“ und Branchenproblem. Verwaltungsratspräsident Steffen Meister stellte klar: Die Strategie bleibt unverändert.
Das Unternehmen bekräftigt die Jahresprognose für Brutto-Neukundennachfrage von 26 bis 32 Milliarden Dollar. Allerdings warnt es für das zweite Halbjahr, dass das Netto-AuM-Wachstum durch die Evergreen-Plattform um 1 bis 2 Prozent gebremst werden könnte — ein ähnlicher Effekt droht für 2027.
Die Aktie notiert aktuell bei 756,80 Euro, rund 3 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 733 Euro. Der RSI liegt bei 25 — technisch tief im überverkauften Bereich.
Am 15. Juli legt Partners Group die AuM-Zahlen per Ende Juni vor. Diese Daten zeigen erstmals konkret, wie stark die Nettoabflüsse tatsächlich wiegen. Der vollständige Halbjahresbericht folgt am 1. September.
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