Partners Group Aktie: Erholung auf Probe
Partners Group-Aktie erholt sich, doch Vertrauenslücke und Evergreen-Rücknahmen bleiben. Der Halbjahresbericht am 1. September wird richtungsweisend.

Kurz zusammengefasst
- Kursplus trotz Jahresverlust von 28 Prozent
- Evergreen-Rücknahmen belasten weiterhin
- Kapitalzusagen übertreffen Analystenerwartungen deutlich
- Halbjahresbericht als nächster Prüfstein
Die Partners Group-Aktie erholt sich seit Wochen, doch der Fall zuvor war tief. Heute legt der Titel um 2,52 Prozent auf 764,60 Euro zu, nach einem Plus von 3,86 Prozent auf Monatssicht. Seit Jahresbeginn bleibt aber ein Verlust von fast 28 Prozent bestehen – der eigentliche Test kommt erst noch.
Der Auslöser der Talfahrt liegt Wochen zurück. Der Zuger Finanzkonzern hatte die Rücknahme eines Private-Equity-Fonds eingeschränkt. Daraufhin brach die Aktie an der Schweizer Börse auf ein Mehrjahrestief ein.
Zuletzt bestätigte Partners Group aber, im ersten Halbjahr trotz der Turbulenzen weitere Neugelder eingesammelt zu haben. Auch die verwalteten Vermögen stiegen weiter. Das Management bestätigt zudem seine Jahresprognose.
Die entscheidende Kennzahl
Der weitere Kursverlauf hängt an einer einzigen Zahl: dem Anteil der Performance-Erträge an den Gesamteinnahmen. Im ersten Halbjahr lag dieser Anteil unter 20 Prozent. Das mittel- bis langfristige Ziel liegt bei 25 bis 40 Prozent.
Partners Group nennt zwei Gründe für die Schwäche. Direktinvestitionen wurden zeitlich verzögert veräußert. Die Portfolioperformance bei reiferen Evergreen-Strategien lief zudem schwächer als geplant.
Ob sich der Anteil im zweiten Halbjahr normalisiert, entscheidet maßgeblich über die Kursrichtung. Aktuell notiert der Titel fast 20 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von 954,51 Euro – ein Maß für die noch offene Vertrauenslücke.
Bullisches Szenario
Für eine fortgesetzte Stabilisierung spricht zunächst die Mittelbeschaffung. Die Kapitalzusagen von Kunden erreichten im ersten Halbjahr 16,0 Milliarden US-Dollar, deutlich mehr als die von Analysten erwarteten 14,0 Milliarden. Im Vorjahr lagen sie noch bei 12,2 Milliarden.
Kunden vertrauen der Anlagestrategie also weiterhin, trotz der Evergreen-Krise. Aus Beteiligungsverkäufen flossen zudem 9 Milliarden Dollar in die Kasse, eine ähnliche Summe investierte das Unternehmen neu. Für das Gesamtjahr hält Partners Group an seinem Ziel von 26 bis 32 Milliarden Dollar an Kapitalzusagen fest.
Charttechnisch untermauert die Ruhe im Kurs dieses Bild. Der Titel liegt nur noch 0,68 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 759,47 Euro. Der RSI von 56,1 bewegt sich im neutralen Bereich – ein Zeichen, dass die Erholung nicht überhitzt ist.
Bärisches Szenario
Dem stehen strukturelle Belastungen gegenüber, die nicht ausgestanden sind. Die Rücknahmewelle bei den Evergreen-Fonds hält an: Partners Group beziffert sie im ersten Halbjahr mit 3,8 Milliarden US-Dollar. 79 Prozent davon entfielen auf nur drei reifere Fonds.
Das Unternehmen erwartet selbst, dass sich dieser Effekt fortsetzt. Für die zweite Jahreshälfte rechnet der Asset Manager damit, dass die Evergreen-Entwicklungen das Nettowachstum der verwalteten Vermögen um 1 bis 2 Prozent bremsen.
Hinzu kommt die schwächere Performance-Komponente, die stärker ausfiel als vom Management ursprünglich erwartet. Belastend wirkt außerdem ein Vertrauensproblem: Der Leerverkäufer Grizzly hatte Ende April kritische Vorwürfe gegen Partners Group erhoben, die das Unternehmen zurückweist. Die rechtlichen und reputativen Nachwirkungen sind aber noch nicht vollständig verarbeitet.
Auch andere Anbieter in der Branche kämpfen mit ähnlicher Verunsicherung. Das relativiert den kurzfristigen Kursanstieg, solange die zugrunde liegenden Mittelabflüsse anhalten.
Ausblick
Der nächste konkrete Prüfstein ist der Halbjahresbericht am 1. September. Insbesondere die Entwicklung der Performance-Erträge und neue Aussagen zu den Evergreen-Rücknahmen dürften über die Kursrichtung entscheiden.
Hält sich der Kurs oberhalb seines 50-Tage-Durchschnitts von 759,47 Euro, spricht das für eine technische Stabilisierung in Richtung des 100-Tage-Durchschnitts bei 847,05 Euro. Fällt der Titel dagegen unter das jüngste Tief von 686,80 Euro, dürfte das auf eine erneute Verschärfung der Vertrauenskrise hindeuten.
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