Partners Group Aktie: Kurzes Aufatmen nach Ausverkauf

Die Aktie von Partners Group erholt sich leicht, bleibt aber unter Druck. Der Rechtsstreit mit Grizzly Research und ungelöste Liquiditätsfragen belasten weiterhin den Kurs.

Eduard Altmann ·
Partners Group Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Kurze Erholung nach starkem Ausverkauf
  • Rechtsstreit mit Grizzly Research ungelöst
  • Mitte Juli als wichtiger Prüfstein
  • Aktie bleibt unter gleitenden Durchschnitten

Plus 4,83 Prozent in sieben Handelstagen. Das klingt nach Erholung. Doch bei genauerem Hinsehen bleibt Partners Group ein Papier im Ausnahmezustand – mit einem Rechtsstreit im Hintergrund, der noch längst nicht ausgestanden ist.

Die Aktie notiert aktuell bei 742,20 Euro, ein Plus von 1,45 Prozent zum Vortagesschluss von 731,60 Euro. Erst am 26. Juni hatte der Titel bei 686,80 Euro ein neues 52-Wochen-Tief markiert. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 32,03 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es 32,83 Prozent.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 1.213,50 Euro aus dem August 2025 trennen die Aktie weiterhin fast 39 Prozent. Die jüngste Erholung ist also bislang nur ein kleiner Schritt zurück – kein Befreiungsschlag.

Der Auslöser der Talfahrt

Der Kurssturz begann Ende April. Der US-Leerverkäufer Grizzly Research veröffentlichte damals einen Bericht mit schweren Vorwürfen. Die Flaggschiff-Evergreen-Fonds von Partners Group enthielten demnach schwer fehlbewertete Vermögenswerte. Die Situation könnte laut dem Bericht sogar schlimmer sein als bei Wirecard.

Partners Group wies die Vorwürfe umgehend zurück. In einer Ad-hoc-Mitteilung bezeichnete das Unternehmen den Bericht als frivol, verleumderisch und in hohem Maße irreführend. Das Management kündigte an, rechtliche Schritte zu prüfen – einschließlich möglicher Meldungen an Aufsichtsbehörden wegen Marktmanipulation.

Dieser Streit ist bis heute nicht geklärt. Er läuft parallel zu Liquiditätsdruck in einzelnen offenen Fonds weiter.

Die entscheidende Kennzahl

Der weitere Kursverlauf hängt davon ab, ob Partners Group seine Bewertungsmethodik glaubwürdig belegen kann. Auch die Stabilität des Neugeschäfts muss das Unternehmen zeigen – bevor der Rechtsstreit das Vertrauen weiter beschädigt.

Der RSI (14 Tage) liegt aktuell bei 39,1. Das Papier ist damit nicht mehr extrem überverkauft, aber ein klares Kaufsignal fehlt noch. Die Aktie notiert weiterhin 13,78 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 860,86 Euro und 25,81 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 1.000,47 Euro. Der mittelfristige Abwärtstrend bleibt damit trotz der jüngsten Gegenbewegung intakt.

Bullisches Szenario: Der Ausverkauf verliert Tempo

Für eine Stabilisierung spricht zunächst die Technik. Der Abstand zum 52-Wochen-Tief beträgt nur noch 8,07 Prozent, der RSI bewegt sich im neutralen Bereich. Der Verkaufsdruck hat zumindest kurzfristig nachgelassen.

Inhaltlich wehrt sich Partners Group aktiv gegen die Vorwürfe. Das Unternehmen betont, der Beitrag der Evergreen-Plattform zum Gesamtumsatz liege bei 34 Prozent – nicht bei „fast der Hälfte“, wie Grizzly Research behauptet hatte. Das Management verweist zudem darauf, dass die Bewertungen nach IFRS- und US-GAAP-Standards erfolgen. Unabhängige Drittbewertungsfirmen stützen diese Zahlen, und sie werden geprüft.

Sollte sich diese Position im laufenden Verfahren bestätigen, könnte ein Teil des seit April aufgebauten Misstrauens abgebaut werden. Ein wichtiger Test steht bereits an: Mitte Juli erwartet der Markt eine Aktualisierung der verwalteten Vermögen. Sie dürfte zeigen, ob das institutionelle Neugeschäft die Belastungen aus Fondsrücknahmen kompensieren kann.

Bärisches Szenario: Ungelöste Risiken bleiben

Dagegen steht ein einfacher Fakt: Die Vorwürfe von Grizzly Research sind bislang nicht juristisch entkräftet. Der Ausgang eines möglichen Verfahrens bleibt offen. Die Nervosität am Markt lässt sich an der Volatilität ablesen – mit 52,01 Prozent auf 30-Tage-Basis bleibt die Aktie außergewöhnlich schwankungsanfällig.

Auch die technischen Durchschnittslinien signalisieren keinen abgeschlossenen Bodenbildungsprozess. Der Kurs verharrt weiterhin deutlich unter dem 100-Tage-Durchschnitt von 930,90 Euro. Sollten sich die Zweifel an der Fondsbewertung in schwächeren Zahlen zu den verwalteten Vermögen niederschlagen, dürfte die Erholung der vergangenen Woche schnell wieder infrage stehen.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Das Liquiditätsproblem in Teilen des Evergreen-Fondsgeschäfts bleibt ungelöst. Es läuft von der Kapitalmarktbewertung losgelöst weiter, solange die Rücknahmemechanismen aktiv bleiben.

Ausblick: Mitte Juli als Prüfstein

Solange der Rechtsstreit mit Grizzly Research ohne klares Ergebnis bleibt, dürfte die jüngste Erholung eher eine technische Gegenbewegung sein als eine nachhaltige Trendwende. Das gilt vor allem, weil die Aktie unterhalb ihrer mittelfristigen Durchschnittslinien notiert.

Bestätigt sich hingegen in den kommenden Wochen, dass die Bewertungsvorwürfe unbegründet waren, ändert sich das Bild. Bleibt zusätzlich das institutionelle Geschäft stabil, könnte sich der Abstand zu den gleitenden Durchschnitten schrittweise verringern.

Der nächste konkrete Prüfstein ist die für Mitte Juli 2026 angekündigte Aktualisierung der verwalteten Vermögen zum zweiten Quartal. Sie dürfte zeigen, ob das Neugeschäft die Mittelabflüsse aus den betroffenen Fonds ausgleichen kann. Und sie dürfte erste Hinweise liefern, ob der laufende Rechtsstreit bereits messbare operative Spuren hinterlassen hat.

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