PayPal Aktie: Poker um Höchstgebot
Stripe und Advent International bieten 60,50 Dollar je PayPal-Aktie. Analysten erwarten eine mögliche Gegenofferte und höhere Gebote.
Kurz zusammengefasst
- Übernahmeangebot von 53 Milliarden Dollar
- Kurssprung von fast 17 Prozent
- Strategische Fusion mit Stripe geplant
- Analysten erwarten höheres Gebot
Ein Angebot von 53 Milliarden Dollar, ein Kurssprung von fast 17 Prozent binnen Minuten — und trotzdem ist die Sache noch lange nicht ausgemacht. Stripe und der Finanzinvestor Advent International haben PayPal offiziell ein Übernahmeangebot vorgelegt. PayPal selbst hat sich dazu bislang nicht geäußert.
Das Angebot im Detail
60,50 Dollar je Aktie bieten Stripe und Advent für PayPal Holdings. Das entspricht einer Prämie von rund 28 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vor Bekanntwerden der Offerte. Rund 50 Milliarden Dollar an Finanzierungszusagen von Banken stehen laut den Käufern bereits fest.
Die Struktur des Deals ist ungewöhnlich: Stripe und Advent würden PayPal gemeinsam übernehmen, mit jeweils gleichem Anteil — eine Zerschlagung des Konzerns ist nicht vorgesehen. Das aktuelle Gebot ist bereits der zweite Anlauf. Eine erste Kontaktaufnahme soll es demnach schon im April gegeben haben, ohne Reaktion von PayPal.
Warum Stripe zugreifen will
Die strategische Logik liegt auf der Hand. Stripes Geschäft ist bislang stark auf Händler ausgerichtet, während PayPal mehr als 430 Millionen Verbraucherkonten sowie das Peer-to-Peer-Netzwerk Venmo mitbringt. Eine Fusion würde einen der weltweit größten Online-Zahlungsanbieter schaffen, mit einem jährlichen Zahlungsvolumen von rund 3,7 Billionen Dollar.
Für Stripe wäre der Deal zudem ein Hebel für die eigenen Stablecoin-Ambitionen — über die firmeneigene Kryptosparte Bridge ließe sich PayPals breite Kundenbasis für die Verbreitung stablecoin-basierter Zahlungen nutzen. Mehr Transaktionen über das eigene Netzwerk bedeuten außerdem weniger Abhängigkeit von Visa oder Mastercard und geringere Gebührenlast.
Analysten sehen im aktuellen Gebot allerdings nur den Anfang. William Blair-Analyst Andrew Jeffrey bezweifelt, dass PayPal-Chef Enrique Lores ein Angebot akzeptiert, das als Unterbewertung wahrgenommen werden könnte — er hält ein Gebot von bis zu 70 Dollar je Aktie für möglich, sollte der jetzige Vorstoß nur die Eröffnung sein.
Turnaround trifft Übernahmedruck
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. PayPals Marktkapitalisierung war 2021 auf rund 360 Milliarden Dollar geklettert, fiel in diesem Jahr zeitweise auf etwa 36 Milliarden Dollar — ein Rückgang von mehr als 40 Prozent allein in den vergangenen zwölf Monaten. Seit März arbeitet CEO Lores an einem Konzernumbau, der das Unternehmen in drei Einheiten für Checkout, Venmo und Zahlungen samt Krypto aufteilt und über die kommenden Jahre Einsparungen von rund 1,5 Milliarden Dollar bringen soll.
Operativ zeigt der Konzern zuletzt durchaus Stärke: Der Umsatz stieg im ersten Quartal um 7 Prozent auf 8,35 Milliarden Dollar, das Zahlungsvolumen legte währungsbereinigt um 8 Prozent auf rund 464 Milliarden Dollar zu — beides über den Erwartungen der Analysten.
Offen bleibt, wie Kartellbehörden eine Fusion der beiden größten Zahlungsplattformen für Online-Händler bewerten würden — ein Zusammenschluss dieser Größenordnung dürfte kaum ohne genaue Prüfung durchgehen. Stripe und Advent wollen die Gespräche mit PayPal in den kommenden Wochen weiter vorantreiben, eine Zusage aus Kalifornien steht weiterhin aus.
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