PayPal Aktie: VC-Portfolio für 60 Cent verkauft
PayPal streicht in San Jose 251 Stellen, senkt Kosten und begegnet Apple Pay im Checkout. Der Nettogewinn fiel im zweiten Quartal um 12 Prozent.
Kurz zusammengefasst
- 251 Entlassungen am PayPal-Hauptsitz
- Konzern plant 20 Prozent Personalabbau
- Apple Pay erhöht Druck beim Bezahlen
- Nettogewinn im zweiten Quartal gesunken
Der Zahlungsdienstleister PayPal treibt seine umfassende Restrukturierung massiv voran und streicht in der Konzernzentrale in San Jose zahlreiche Stellen. Während das Unternehmen unter CEO Enrique Lores versucht, durch drastische Kostensenkungen die Profitabilität zu steigern, wächst der Wettbewerbsdruck durch Tech-Giganten wie Apple im lukrativen Checkout-Geschäft.
Massiver Stellenabbau in der Führungsebene
Gestern wurde bekannt, dass PayPal am Hauptsitz in San Jose 251 Mitarbeiter entlässt. Die Maßnahmen, die zum 30. Oktober wirksam werden sollen, treffen ungewöhnlich viele hochqualifizierte Kräfte.
Betroffen sind laut US-Medienberichten fast 50 Direktoren sowie über 100 technische Mitarbeiter, darunter mehr als 50 Senior-Softwareentwickler. Diese Kürzungen sind Teil eines mehrjährigen Restrukturierungsplans, mit dem der Konzern etwa 20 % seiner weltweiten Belegschaft abbauen will, was rund 4.760 Arbeitsplätzen entspricht.
Das übergeordnete Ziel dieser Maßnahme ist eine jährliche Einsparung von rund 1,5 Milliarden US-Dollar über die nächsten zwei bis drei Jahre. Allein bis zum Ende des laufenden Jahres plant das Management, Kosten in Höhe von 400 Millionen US-Dollar einzusparen.
Diese Entwicklung folgt auf bereits umgesetzte Stellenstreichungen in internationalen Niederlassungen: In Indien fielen zuletzt etwa 600 Stellen weg, während in Irland rund 12 % der dortigen Belegschaft entlassen wurden.
Wachsender Druck im Checkout-Geschäft
Parallel zu den internen Sparmaßnahmen sieht sich PayPal mit einer technologischen Herausforderung durch Apple konfrontiert. Berichten zufolge intensiviert Apple die Verhandlungen mit der E-Commerce-Plattform Shopify, um Apple Pay eine bevorzugte Platzierung im Checkout-Prozess zu sichern – potenziell zulasten von PayPal.
Apple Pay punktet dabei mit einer technologischen Überlegenheit bei der Geschwindigkeit: Auf dem iPhone soll die Latenz beim Bezahlvorgang unter 400 Millisekunden liegen.
Innerhalb von PayPal wird diese Entwicklung mit Sorge beobachtet, zumal die Adaption des eigenen Konkurrenzprodukts „Fastlane“ hinter den internen Erwartungen zurückbleiben soll. Dennoch gibt es Lichtblicke bei der neuen Checkout-Lösung: Fastlane verzeichnete zuletzt ein deutliches Wachstum bei Händlern auf Plattformen wie BigCommerce und WooCommerce.
Durch die Möglichkeit eines Gast-Checkouts ohne PayPal-Konto konnte die Konversionsrate für Händler im Schnitt um 27 % gesteigert werden, während der Bezahlvorgang um rund ein Drittel beschleunigt wurde.
Strategische Neuausrichtung unter Kostendruck
Die finanzielle Lage des Unternehmens bleibt angespannt. Im zweiten Quartal 2026 sank der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr um 12 % auf 1,26 Milliarden US-Dollar.
Im Zuge der Neuausrichtung hat PayPal seine Struktur im April in drei Geschäftsbereiche gegliedert: Checkout, Verbraucherfinanzen sowie Zahlungsdienste und Kryptowährungen. Letztere Sparte treibt die Nutzung des eigenen Stablecoins PYUSD voran, um insbesondere die Kosten für grenzüberschreitende Überweisungen zu senken.
An der Börse spiegeln sich die Herausforderungen wider. Am Freitag verbuchte die Aktie im deutschen Handel einen Kursverlust von 3,2 % und markierte einen Schlusskurs von 47,30 €. Trotz der kurzfristigen Schwäche notiert das Papier derzeit noch 8,4 % über seinem 200-Tage-Durchschnitt, was auf eine gewisse Stabilisierung nach den Turbulenzen der letzten Monate hindeutet.
Zusätzliche Belastungen entstanden zuletzt durch den gescheiterten Verkauf des konzerneigenen Venture-Capital-Portfolios. PayPal zog sich aus dem Verkaufsprozess für das rund eine Milliarde US-Dollar schwere Portfolio zurück, nachdem potenzielle Käufer lediglich Gebote in Höhe von etwa 60 Cent pro Dollar abgegeben hatten.
Dieser Rückschlag erhöht den Druck auf das Management, die versprochenen Einsparungen durch den Personalabbau konsequent umzusetzen. Nachdem Berichte über eine gescheiterte Übernahme durch Stripe und Advent International am vergangenen Dienstag die Volatilität erhöhten, liegt der Fokus der Anleger nun verstärkt auf der operativen Umsetzung des Turnarounds.
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