PayPal vor der Übernahme-Entscheidung: Was den Deal noch stoppen könnte
PayPal verhandelt mit Stripe und Advent über eine Übernahme oberhalb der abgelehnten 53-Milliarden-Offerte. Kartellrechtliche Auflagen könnten den Deal gefährden.

Kurz zusammengefasst
- Fortgeschrittene Übernahmegespräche mit Stripe
- Kartellprüfung als entscheidender Risikofaktor
- Kurszielanhebung durch Piper Sandler
- Institutionelle Anleger positionieren sich uneinheitlich
Ausgangslage
PayPal steht offenbar kurz vor einer historischen Weichenstellung. Laut dem Wall Street Journal verhandelt das Unternehmen in fortgeschrittenem Stadium mit einem Konsortium aus Stripe und der Private-Equity-Firma Advent International über eine Übernahme – zu einem Preis, der das zuvor abgelehnte Angebot von 60,50 Dollar je Aktie beziehungsweise 53 Milliarden Dollar übersteigen könnte. Für Anleger ist das keine Randnotiz mehr, sondern die zentrale Frage: Kommt der Deal, und zu welchem Preis?
Die Aktie hat auf die Übernahmespekulationen bereits reagiert und notiert nur noch 26 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 70,78 Euro, nachdem sie sich vom Jahrestief bei 32,42 Euro um 61 Prozent erholt hat. Der Bewertungsanstieg spiegelt die Markterwartung wider, dass ein höheres Gebot tatsächlich kommt.
Piper Sandler hob am Montag sein Kursziel deutlich von 42 auf 59 Dollar an, beließ die Einstufung aber bei „Neutral“ – ein Hinweis darauf, dass selbst optimistische Analysten die operative Entwicklung und die Übernahmefantasie noch nicht eindeutig auseinanderhalten.
Die entscheidende Frage
Der eine Faktor, der über den Ausgang entscheidet, ist die Kartellprüfung. Wettbewerbsrechtsexperten der Kanzlei White & Case warnten bereits, dass ein Zusammenschluss von Stripe und PayPal erhebliche regulatorische Hürden nehmen müsste.
Denkbar sei, dass die Behörden eine Abspaltung von Venmo oder Braintree verlangen, um die Konzentration im Bereich der Händlerabwicklung zu begrenzen. Genau hier liegt der Knackpunkt: Ein höherer Kaufpreis nützt Aktionären wenig, wenn das Geschäft am Ende zerlegt werden muss oder die Prüfung sich über Jahre zieht.
Bullisches Szenario
Gelingt es dem Konsortium, ein verbessertes Angebot vorzulegen und die Wettbewerbsbedenken frühzeitig auszuräumen – etwa durch eine freiwillige Zusage zu Venmo oder Braintree –, dürfte der Deal zügig zum Abschluss kommen.
Institutionelle Anleger positionieren sich bereits in diese Richtung: David Einhorns DME Capital Management stockte seine PayPal-Position im zweiten Quartal um 1,4 Millionen Aktien auf, und Grandfield & Dodd LLC meldete einen neuen Bestand von gut 383.000 Aktien im Wert von rund 16,5 Millionen Dollar.
Auch operativ liefert PayPal Argumente für die Eigenständigkeit als attraktives Übernahmeziel: Mit „PayPal World“, das seit dem 11. August in Kooperation mit Tencents TenPay Global US-Nutzern QR-Zahlungen bei Millionen Weixin-Pay-Händlern in China ermöglicht, und der neuen Venmo-Integration mit Google Play für App- und Spielekäufe zeigt das Unternehmen, dass es auch ohne Übernahme wachsen kann.
CEO Enrique Lores, der die Führung im März übernommen hat, treibt zudem die Aufteilung in drei Divisionen mit eigenen Umsatzzielen voran – ein Signal an potenzielle Käufer, dass die Struktur klarer und damit leichter bewertbar wird.
Bärisches Szenario
Das Risiko liegt nicht allein im Preis, sondern im Verfahren selbst. Sollte die Kartellprüfung tatsächlich eine Zerschlagung von Venmo oder Braintree erzwingen, könnte sich das Konsortium zurückziehen oder den Preis nachträglich drücken.
Ein gescheiterter Deal wäre nach der bereits erfolgten Ablehnung des ersten Angebots ein zweiter Rückschlag binnen kurzer Zeit und dürfte die eingepreiste Übernahmeprämie rasch wieder aus dem Kurs verschwinden lassen. Hinzu kommt: Nicht alle institutionellen Investoren bauen ihre Position aus.
Chicago Trust Co NA reduzierte seinen Bestand im Berichtszeitraum um fast drei Viertel – ein Hinweis darauf, dass nicht jeder Marktteilnehmer von einem baldigen und sauberen Abschluss überzeugt ist.
Auch die technische Lage mahnt zur Vorsicht: Mit einem RSI von 67,4 und einer annualisierten Volatilität von 54 Prozent ist die Aktie spekulativ aufgeladen, Rückschläge könnten entsprechend heftig ausfallen.
Ausblick
Solange die Verhandlungen zwischen PayPal, Stripe und Advent International ohne öffentlich bestätigten Abbruch weiterlaufen und keine formelle Kartelluntersuchung mit Zwangsauflagen eingeleitet wird, dürfte der Markt an der Übernahmefantasie festhalten und die Aktie in der Nähe der aktuellen Niveaus – 18 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 44,36 Euro – stützen.
Kippt die Nachrichtenlage jedoch in Richtung einer verpflichtenden Abspaltung von Venmo oder Braintree, oder platzt der Deal ein zweites Mal, dürfte ein Großteil der seit Wochen aufgebauten Prämie wieder verschwinden.
Der nächste konkrete Wendepunkt ist eine offizielle Bestätigung oder ein Scheitern der laufenden Gespräche – bis dahin bleibt die Aktie ein Spiel auf den Ausgang der Verhandlungen, nicht auf das operative Geschäft.
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