Peking Auto Show 2026: BYD, Geely und XPeng setzen Volkswagen unter Zugzwang

BYD meldet Rekordumsatz bei sinkendem Gewinn, während Geely und XPeng mit Robotaxis und Flugautos neue Maßstäbe setzen.

Andreas Sommer ·
BYD Aktie

Kurz zusammengefasst

  • BYD mit Rekordumsatz aber Gewinneinbruch
  • Volkswagen leidet unter CO₂-Rückstellungen
  • Schaeffler als Robotik-Zulieferer ausgezeichnet
  • Geely und XPeng präsentieren Zukunftsmobilität

Die Peking Auto Show 2026 liefert ein schonungsloses Bild der Kräfteverschiebung im globalen Automobilsektor. Während Geely ein speziell für autonomes Fahren konstruiertes Robotaxi enthüllt und XPeng Zeitpläne für fliegende Autos und humanoide Roboter konkretisiert, kämpft Volkswagen mit milliardenschweren CO₂-Rückstellungen und schrumpfenden Absätzen in China. BYD steuert derweil auf einen entscheidenden Quartalsbericht zu — Rekorderlöse, aber erodierte Margen. Und Schaeffler? Positioniert sich mit drei Robotik-Partnerschaften in 48 Stunden als unverzichtbarer Zulieferer einer ganz neuen Industrie.

BYD: Rekordumsatz trifft auf Gewinnrückgang

BYD steht am Tag der Quartalszahlen unter besonderer Beobachtung. Der Jahresumsatz 2025 kletterte auf 804 Milliarden Yuan — ein Rekord, der sogar Tesla übertraf. Gleichzeitig brach der Nettogewinn um 19 % auf 32,6 Milliarden Yuan ein. Besonders das Schlussquartal fiel mit einem Gewinnminus von 38 % schwach aus.

Die Ursache liegt im brutalen Preiskampf auf dem chinesischen Heimatmarkt. Um dem zu entkommen, hat BYD sein Exportziel für 2026 von 1,3 auf 1,5 Millionen Fahrzeuge angehoben. Im Vorjahr hatte das Unternehmen erstmals die Marke von einer Million Auslandslieferungen überschritten.

Technologisch setzt BYD auf die zweite Generation der Blade-Batterie und eine neue Flash-Charging-Technologie, die 70 % Ladung in nur fünf Minuten verspricht. Neue Fabriken in Südostasien, Europa und Lateinamerika sollen Zölle umgehen und lokale Lieferketten verkürzen.

Analysten bleiben überwiegend konstruktiv. Daiwa senkte das Kursziel für die H-Aktie marginal von 132 auf 130 HKD, hält aber an der Kaufempfehlung fest. Die internationalen Auslieferungen lägen über den internen Prognosen. Citigroup setzt mit einem Ziel von 174 HKD das höchste Preisschild an. Ein sauberes Quartalsergebnis könnte die Stimmung drehen — allerdings hat BYD in drei der letzten vier Quartale die Umsatzschätzungen verfehlt.

Volkswagen: CO₂-Kosten drücken auf die Bilanz

Volkswagen geht mit Gegenwind in die Veröffentlichung der Q1-2026-Zahlen am 29. April. Die Aktie notiert bei 86,66 Euro und hat seit Jahresbeginn rund 18 % verloren. Das Papier bewegt sich nur knapp über seinem 52-Wochen-Tief.

Im ersten Quartal lieferte der Konzern 2,05 Millionen Fahrzeuge aus — ein Rückgang von 4 % gegenüber dem Vorjahr. Europa (+4,7 %) und Südamerika (+7 %) wuchsen, während China (–15 %) und Nordamerika (–13 %) deutlich schwächelten. Reine Elektrofahrzeuge gingen um 8 % zurück, obwohl VW in Europa BEV-Marktführer blieb.

Die größte finanzielle Belastung bleibt das verschärfte CO₂-Rahmenwerk der EU. Die Kommission hat zwar die Strafzahlungen um drei Jahre verschoben — erste Zahlungen werden nun für 2028 erwartet. Der Druck ist trotzdem real: Schon im Q1 2025 belasteten CO₂-Rückstellungen von rund 600 Millionen Euro das operative Ergebnis auf nur 2,8 Milliarden Euro. Verschiedene Berechnungen beziffern die hypothetischen Strafen auf Basis der 2025er-Emissionswerte auf bis zu 2,2 Milliarden Euro.

VW steuert mit aggressiven Elektro-Offensiven gegen:

  • ID. Polo mit einem Einstiegspreis um 25.000 Euro als Volumenmodell
  • ID. Cross als weiteres neues Elektromodell für 2026/2027
  • BEV-Anteil im europäischen Auftragseingang bereits bei 22 %
  • Vier Weltpremieren auf der VW Group Night in Peking, inklusive neuer KI-Systeme

Der Auftragseingang stieg im Q1 um 3 % — ein konstruktives Signal vor dem Zahlentermin.

Schaeffler: Vom Autozulieferer zum Robotik-Ausrüster

Schaeffler lieferte in den vergangenen 48 Stunden eine bemerkenswerte Nachrichtenflut. Auf der Hannover Messe 2026 gewann der Zulieferer den renommierten Hermes Award für seine hochintegrierte Aktuatoren-Plattform für humanoide Roboter. Diese Aktuatoren sind speziell für den Einsatz in Roboter-Gelenken entwickelt.

Praktisch zeitgleich unterzeichnete Schaeffler zwei strategische Partnerschaften. Am 22. April vereinbarten das Unternehmen und die Schweizer Hexagon Robotics eine Kooperation zur Entwicklung und Lieferung hochpräziser Getriebe-Aktuatoren. Schaeffler plant zudem, innerhalb der nächsten sieben Jahre mindestens tausend humanoide Roboter von Hexagon in der eigenen globalen Produktion einzusetzen.

Am selben Tag folgte eine weitere Partnerschaft mit VinDynamics, Teil des vietnamesischen Vingroup-Konglomerats. Für Schaeffler ist dies die erste Vereinbarung dieser Art im asiatisch-pazifischen Raum und ergänzt bestehende Netzwerke in Europa, China und den USA.

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Obendrauf kommt die Auszeichnung mit dem Sustainability Award in Automotive 2026. Die Robotik-Story treibt die Aktie — einige Analysten warnen allerdings, dass der jüngste Kursanstieg fundamental noch nicht vollständig untermauert sei. Schaeffler notierte zuletzt bei rund 8,37 Euro und zahlt am heutigen Ex-Dividendentag 0,30 Euro je Aktie aus.

Geely: Chinas erstes zweckgebautes Robotaxi feiert Premiere

Geely lieferte einen der eindrucksvollsten Auftritte der Peking Auto Show. Das Unternehmen enthüllte den Eva Cab — nach eigener Aussage Chinas erstes Robotaxi, das von Grund auf für den fahrerlosen kommerziellen Betrieb konstruiert wurde. Anders als umgebaute Serienmodelle der Konkurrenz entstand dieses Fahrzeug als reines Zweckdesign.

Technisch stützt sich der Eva Cab auf ein KI-Sprachmodell mit 196 Milliarden Parametern und eine Rechenleistung von 1.400 TOPS. Geely gibt eine Inferenzgeschwindigkeit von 350 TPS an und behauptet, die Entscheidungsfähigkeit liege dreimal über der menschlicher Fahrer.

Die Kommerzialisierung läuft über Cao Cao Mobility, Geelys in Hongkong gelistete Ride-Hailing-Tochter. Eine seriennahe Version soll in der ersten Jahreshälfte 2027 in Produktion gehen. Bereits heute betreibt CaoCao 100 Robotaxis in Hangzhou mit über 3.600 virtuellen Haltepunkten. Der Fünfjahresplan sieht 100.000 Robotaxi-Einsätze bis 2030 vor — inklusive internationalem Betrieb, beginnend mit Abu Dhabi noch in diesem Jahr.

Die Geely-Aktie zeigt sich trotz des Newsflows kurzfristig schwächer und gab diese Woche rund 7 % ab, liegt seit Jahresbeginn aber mehr als 25 % im Plus. Der Analysten-Konsens bleibt auf Kauf mit einem Kursziel von 26,04 HKD — rund 9 % über dem letzten Schlusskurs.

XPeng: Fliegende Autos, Roboter und eine vertiefte VW-Allianz

XPeng-Präsident Brian Gu nutzte den Vorabend der Messe für die bislang ambitionierteste Roadmap des Unternehmens. Die Großserienproduktion des „Land Aircraft Carrier“ — ein modulares Fahrzeug aus sechsrädrigem Bodenmodul und abnehmbarem Zwei-Sitzer-eVTOL — ist für 2027 geplant. Mehr als 7.000 Bestellungen liegen bereits vor.

Humanoide Roboter sollen ab dem vierten Quartal 2026 in Produktion gehen, zunächst als Empfangs- und Verkaufsassistenten. Robotaxi-Tests starten noch in diesem Jahr in Guangzhou. Gu bezeichnete 2027 als „kritisches Jahr“ für weltweite Tests mit Partnern. In den nächsten 12 bis 18 Monaten rechnet er mit Hunderten bis Tausenden produzierten Robotaxis.

Die Kooperation mit Volkswagen gewinnt an Tiefe. VW begann vergangenen Monat die Massenproduktion seines ersten gemeinsam mit XPeng entwickelten Elektromodells. Gu sieht „enormes Potenzial“ für eine Ausweitung und signalisierte Offenheit für weitere Partnerschaften. Das internationale Geschäft soll in den nächsten fünf bis zehn Jahren mehr als 50 % des Umsatzes beisteuern — aktuell liegt der Anteil bei rund 15 %.

Die Aktie steht bei etwa 17,47 USD. Analysten sehen im Schnitt 23,08 USD als Zwölfmonatsziel, ein Aufwärtspotenzial von gut 31 %. Bank of America hält an der Kaufempfehlung fest.

Zwei Geschwindigkeiten, eine Branche

Die Peking Auto Show verdichtet den Kontrast im Sektor auf wenige Messetage:

  • Geely und XPeng definieren mit Robotaxis, fliegenden Autos und humanoiden Robotern neue Mobilitätskategorien
  • Schaeffler sichert sich als Hardware-Lieferant eine Schlüsselrolle im Robotik-Ökosystem
  • BYD skaliert global, muss aber die Margeneroison im Heimatmarkt stoppen
  • Volkswagen managt Altlasten — CO₂-Rückstellungen, Restrukturierung und einen China-Absatz im Sinkflug

Die EU-Regulierung verschärft die Spaltung zusätzlich. Die Umstellung auf Dreijahresdurchschnitte bei den CO₂-Zielen verschafft Volkswagen Zeit, aber der Kostendruck bleibt strukturell. Chinesische Hersteller hingegen profitieren von günstigeren Produktionskosten und einem regulatorischen Umfeld, das Autonomie und Elektromobilität aggressiv fördert.

Entscheidende Wochen für den Autosektor

Die nächsten 30 bis 60 Tage bringen Klarheit an mehreren Fronten. BYDs Quartalszahlen zeigen, ob die Exportoffensive den heimischen Margendruck tatsächlich kompensiert. Volkswagens Q1-Bericht am 29. April wird offenbaren, wie stark CO₂-Rückstellungen erneut das operative Ergebnis belasten. Bei Schaeffler steht die Frage im Raum, ob die Robotik-Fantasie die fundamentale Bewertung tragen kann. Und bei Geely und XPeng entscheiden die kommenden Monate, ob Robotaxi-Prototypen und Flugtaxi-Bestellungen in belastbare Produktionszahlen münden — oder ambitionierte Versprechen bleiben.

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BYD Aktie

11,07 EUR

– 0,26 EUR -2,29 %
KGV 25,06
Sektor Zyklischer Konsum
Div.-Rendite 0,33 %
Marktkapitalisierung 1,02 Bio. EUR
ISIN: CNE100000296 WKN: A0M4W9

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