Plug Power Aktie: 275-Megawatt-Auftrag aus Kanada

Plug Power verbucht Großaufträge für Elektrolyseure, doch Aktienemissionen und Bilanzsorgen belasten den Kurs. Analysten bleiben gespalten.

Dieter Jaworski ·
Plug Power Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Großaufträge für Elektrolyseure in Australien, Kanada, Portugal
  • Aktienkurs fällt trotz positiver Industrienachrichten
  • Kapitalerhöhungen verwässern bestehende Aktionäre
  • Analysten raten mehrheitlich zum Halten

Plug Power liefert Elektrolyseure für Milliardenprojekte in Australien, Kanada und Portugal aus. Trotzdem ist die Aktie binnen eines Monats fast ein Viertel ihres Wertes losgeworden. Wer sich fragt, wie beides gleichzeitig wahr sein kann, stößt auf den zentralen Widerspruch dieser Aktie: Die Industriestory stimmt, das Vertrauen der Anleger nicht.

Am Freitag schloss die Aktie bei 1,78 Euro, ein Minus von 1,84 Prozent. Auf 30-Tage-Sicht steht ein Rückgang von 23,15 Prozent zu Buche. Und doch liegt der Kurs noch 41,14 Prozent über dem Niveau vor einem Jahr. Diese Lücke zwischen Jahresgewinn und aktuellem Absturz erzählt die eigentliche Geschichte.

Die Auftragsbücher füllen sich

Auf der einen Seite steht ein handfestes Industriegeschäft. Plug Power treibt seine Diversifizierung über Elektrolyseure voran, gerade weil KI-Rechenzentren zunehmend Wasserstoff als Energiequelle prüfen. Das ist keine reine Zukunftsvision mehr.

Das Unternehmen hat mittlerweile rund 320 Megawatt seiner GenEco-Elektrolyseursysteme auf sechs Kontinenten installiert. Dazu zählt ein 100-Megawatt-Projekt mit Galp in Portugal, eine der größten Elektrolyseur-Anlagen Europas. In Australien rückt ein 50-Megawatt-Projekt in die Umsetzungsphase vor, was Plug Power endlich die zugehörigen Umsätze verbuchen lässt.

Im April kam ein weiterer Auftrag hinzu: ein 275-Megawatt-PEM-Elektrolyseursystem in Kanada. Allein dieses Projekt würde dem Unternehmen bei Lieferung ein positives Wachstum im Jahresvergleich bescheren.

Warum die Rechnung trotzdem nicht aufgeht

Die Skepsis der Anleger richtet sich nicht gegen die Nachfrage. Sie richtet sich gegen die Bilanz. Plug Power finanziert sein Wachstum immer wieder über neue Aktienausgaben – und das verwässert bestehende Anteile.

Die Kursbewegung der vergangenen Wochen zeigt, wie nervös der Markt reagiert: Die Aktie notiert 25,78 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und 18,29 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Ein RSI von 35,2 signalisiert anhaltenden Verkaufsdruck. Die annualisierte Volatilität von gut 53 Prozent liegt auf einem Niveau, das eher zu einem spekulativen Nebenwert passt als zu einem Industriekonzern mit 2,49 Milliarden Euro Marktkapitalisierung.

Zehn Analysten bewerten das Papier aktuell, der Konsens lautet „Hold“ – aufgeteilt zwischen klaren Kaufempfehlungen und offenen Verkaufsvoten. Diese Zerrissenheit spiegelt exakt das Kursverhalten der Aktie wider.

Auch die jüngsten Analystenreaktionen passen ins Bild vorsichtiger Zurückhaltung:

  • Susquehanna senkte das Kursziel, beließ die Einstufung aber bei „Neutral“.
  • Morgan Stanley erhöhte das Kursziel, hält jedoch an „Underweight“ fest.
  • Wells Fargo hob das Kursziel an, bestätigte aber „Equal-Weight“.

Keine dieser Bewegungen liest sich wie echte Überzeugung, dass sich die KI-Wasserstoff-These in den kommenden Quartalen auszahlt. Es liest sich eher wie ein Markt, der Kursziele nur widerwillig nach oben schiebt, ohne dabei Vertrauen zu gewinnen.

Der Blick nach vorn bleibt gespalten

Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt derzeit bei 3,07 Euro – ein Potenzial von 73,2 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Diese Zahl muss man allerdings im Kontext lesen: Erst im Juni erreichte die Aktie ihr 52-Wochen-Hoch von 3,72 Euro, seither hat sie gut die Hälfte davon wieder abgegeben. Wer auf die Erholung setzt, wettet also auf ein Comeback von einem Niveau, das schon einmal enttäuscht hat.

Das größere Argument für Wasserstoff – dass der steigende Strombedarf der KI-Branche Rechenzentren irgendwann jenseits des klassischen Stromnetzes suchen lässt – bleibt intakt. Es gewinnt in der Branche sogar an Zugkraft. Nur zeigt der Kursverlauf von Plug Power, wie wenig dieser Rückenwind gegen die hausgemachte Finanzierungsangst hilft.

Die Aktie notiert derzeit 46,83 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 1,21 Euro, das erst im September vergangenen Jahres markiert wurde. Diese Spanne zeigt, wie breit das Handelsband für ein Unternehmen geworden ist, dessen Auftragsbuch auf dem Papier stetig wächst.

Die Elektrolyseur-Erfolge in Australien, Kanada und Portugal sind genau die Art von Belegen, die eine Bewertung irgendwann verändern können. Bis der Cash-Verbrauch nicht mehr über jedem neuen Vertrag schwebt, dürfte aber jeder weitere Auftrag der Aktie nur eine kurze Verschnaufpause verschaffen – keine dauerhafte Trendwende.

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Plug Power Aktie

1,78 EUR

– 0,02 EUR -1,38 %
KGV 0,00
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,00 %
Marktkapitalisierung 2,87 Mrd. EUR
ISIN: US72919P2020 WKN: A1JA81

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