Plug Power kassiert Millionen, ITM Power verliert ein Fünftel — Wasserstoff im Stresstest

Plug Power erlöst 39 Mio. Dollar aus Steuergutschriften, während ITM Power nach Index-Aufnahme einbricht. Nel und Ballard Power stehen vor Herausforderungen.

Dr. Robert Sasse ·
Nel ASA Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Plug Power verkauft Steuergutschriften für 39 Mio. Dollar
  • ITM Power stürzt nach MSCI-Aufnahme ab
  • Nel ASA präsentiert 100-MW-Elektrolyseur mit Samsung
  • Ballard Power verliert zwei Vorstandsmitglieder

Während Plug Power mit einem frischen Steuergutschrift-Deal Kasse macht, stürzt ITM Power nach dem MSCI-Hype ab. Nel ASA ringt mit schrumpfenden Auftragsbüchern, Ballard Power baut seinen Vorstand um — und SunHydrogen liefert erste Felddaten aus Texas. Der Juni wird zum Entscheidungsmonat für die gesamte Branche.

Plug Power: Steuergutschriften als Cashflow-Maschine

Plug Power hat den Verkauf einer bundesstaatlichen Investitionssteuergutschrift über rund 39,2 Millionen Dollar abgeschlossen. Verknüpft ist der Deal mit der Wasserstoff-Verflüssigungsanlage in St. Gabriel, Louisiana. Es ist bereits die zweite solche Transaktion — Anfang 2025 brachte ein vergleichbarer Verkauf am Standort Woodbine, Georgia, 30 Millionen Dollar ein.

Das übergeordnete Programm zur Monetarisierung von Vermögenswerten zielt auf Gesamterlöse von rund 275 Millionen Dollar ab. Bis Ende Juni soll zudem ein Rechenzentrum-Asset für etwa 142 Millionen Dollar den Besitzer wechseln. Anleger honorieren diese Schritte: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von knapp 61 %, der Kurs liegt aktuell bei 3,06 Euro.

Die operative Seite untermauert den Optimismus. Im ersten Quartal kletterte der Umsatz um 22 % auf 163,5 Millionen Dollar. Besonders das Elektrolyseur-Geschäft explodierte regelrecht — von 9,2 Millionen auf 40,8 Millionen Dollar Umsatz. Die Bruttomarge verbesserte sich von minus 55 % auf minus 13 %, ein Sprung von 42 Prozentpunkten.

In Großbritannien erreichte das Barrow Green Hydrogen Project im Mai die finale Investitionsentscheidung. Sechs GenEco-PEM-Elektrolyseure mit je fünf Megawatt sollen grünen Wasserstoff für eine Kimberly-Clark-Fabrik in Cumbria produzieren.

Für das Gesamtjahr peilt das Management ein Umsatzwachstum von 13 bis 15 % an, eine Bruttomarge von rund 40 % und erstmals ein positives EBITDAS im vierten Quartal. Bei 25 Analysten liegt der Konsens allerdings nur bei „Halten“ — mit einem durchschnittlichen Kursziel von 2,71 Dollar, deutlich unter dem aktuellen Niveau.

Nel ASA: Samsung-Partnerschaft trifft auf leere Auftragsbücher

Nel ASA steht vor einem Paradox. Technologisch hat der norwegische Elektrolyseur-Hersteller gerade einen Coup gelandet: Gemeinsam mit Samsung E&A wurde auf dem World Hydrogen Summit in Rotterdam die CompassH2-A+ vorgestellt, eine 100-MW-Lösung für druckbeaufschlagte alkalische Elektrolyse. Das Besondere ist Samsungs integrierte „Wrap Guarantee“ — eine einheitliche Leistungszusage für das gesamte System, die ein zentrales Finanzierungshindernis bei Wasserstoffprojekten beseitigt.

Die Aktie fiel heute dennoch um knapp 3 % auf 0,29 Euro und hat in den vergangenen sieben Tagen fast 18 % verloren. Der Rücksetzer seit dem 52-Wochen-Hoch von 0,37 Euro Ende Mai beträgt mittlerweile über 21 %.

Die Ursache liegt in den harten Zahlen. Im ersten Quartal brach der Auftragseingang auf nur 85 Millionen norwegische Kronen ein — ein Rückgang von 73 % gegenüber dem Vorjahr. Der Auftragsbestand schrumpfte um 24 % auf 1,113 Milliarden Kronen. Der Umsatz ging leicht um 5 % auf 148 Millionen Kronen zurück.

Ein Lichtblick: Die Cashposition von 1,443 Milliarden Kronen gibt genügend Spielraum, und im zweiten Quartal erwartet Nel einen EU-Zuschuss über 11 Millionen Euro zur Industrialisierung der alkalischen Plattform. Berenberg stuft die Aktie mit „Halten“ bei einem Ziel von 2,30 Kronen ein, Citi bleibt bei „Neutral“ mit 2,40 Kronen. Der nächste Härtetest folgt am 15. Juli mit dem Q2-Bericht — dann muss sich zeigen, ob die Samsung-Partnerschaft tatsächlich Aufträge generiert.

ITM Power: Nach dem MSCI-Rausch kommt der Kater

Ein Lehrbuchbeispiel für „Buy the Rumour, Sell the Fact“: ITM Powers Aufnahme in den MSCI United Kingdom Small Cap Index trieb die Aktie von 157 Pence auf ein Intraday-Hoch von 219,8 Pence — nur um danach sämtliche indexbedingten Gewinne in einer einzigen Sitzung wieder abzugeben. Passive Fonds mussten kaufen, Hedgefonds nutzten die Liquidität zum Ausstieg.

Heute setzte sich der Ausverkauf mit einem Minus von 7,17 % fort. Bei 1,83 Euro notiert die Aktie rund 29 % unter dem 52-Wochen-Hoch. In den letzten sieben Tagen ging es über 20 % bergab. Seit März allerdings steht immer noch ein Plus von rund 235 % — der Absturz relativiert sich im Gesamtbild.

Die fundamentale Story bleibt intakt. ITM Power hat für das Geschäftsjahr 2026 einen Umsatz von 40 bis 43 Millionen Pfund in Aussicht gestellt, ein Anstieg von 35 % gegenüber dem Vorjahr. Der bereinigte EBITDA-Verlust schmolz von 16,8 auf 11,9 Millionen Pfund. Der Auftragsbestand beläuft sich auf 152 Millionen Pfund, wobei 71 % als reife Verträge klassifiziert sind.

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Entscheidend für die kommenden Wochen:

  • Chronos-Produktionslinie: Great British Energy hat 40 Millionen Pfund direkt in ITM investiert — die größte Einzelinvestition der staatlichen Energiegesellschaft. Weitere 46,5 Millionen Pfund fließen als Zuschuss in die neue Chronos-Linie in Sheffield. Jede Einheit soll zwei Megawatt leisten, dreimal so viel wie das aktuelle System, bei 40 % niedrigeren Kapitalkosten. Die finale Investitionsentscheidung steht in Kürze an.
  • HAR2-Ausschreibung: Das Ergebnis der zweiten britischen Wasserstoff-Allokationsrunde könnte frisches Auftragsvolumen liefern.
  • Uniper-Projekt: Eine Freigabe des Energiekonzerns würde einen weiteren Großkunden sichern.

Jefferies hat das Kursziel von 115 auf 200 Pence angehoben und bleibt bei „Kaufen“. Morgan Stanley erwartet nun einen EBITDA-Breakeven bereits im Geschäftsjahr 2028 — ein Jahr früher als zuvor. Von zwölf Analysten empfehlen sieben den Kauf, vier raten zum Halten.

Ballard Power: Vorstand im Umbruch, Kurs gibt nach

Ballard Power hat auf der Jahreshauptversammlung am 3. Juni alle sechs Direktorenkandidaten wiedergewählt, jeweils mit Zustimmungsquoten zwischen 90 und 99 %. KPMG wurde als Wirtschaftsprüfer bestätigt, die Vergütungsrichtlinien für das Management fanden mit knapp 91 % Zustimmung.

Auffälliger als die routinemäßigen Abstimmungen sind die personellen Veränderungen im Hintergrund. Janet Woodruff trat zum 2. Juni von ihrem Vorstandssitz zurück. Bereits Mitte Mai hatten die Weichai-Vertreter Michael Chen und Huajie Wang ihre Mandate niedergelegt — eine direkte Folge der reduzierten Beteiligung des chinesischen Großaktionärs. Dieser schrittweise Rückzug verändert die Machtbalance im Board grundlegend.

Die Aktie reagierte mit einem Minus von 2,56 % auf 5,14 Euro. Seit Jahresbeginn steht Ballard Power allerdings bei einem Plus von über 124 % und notiert nur rund 8 % unter dem 52-Wochen-Hoch. Die Cashposition lag zum Ende des ersten Quartals bei über 500 Millionen Dollar — ein Polster, das dem neuen Vorstand Handlungsspielraum gibt.

Entscheidend wird, wie das veränderte Gremium die Umsetzung laufender Brennstoffzellen-Verträge und die Kostendisziplin steuert. Der Kursrückgang nach der Hauptversammlung wirkt eher mechanisch als fundamental begründet.

SunHydrogen: Felddaten aus Austin bestätigen Laborergebnisse

SunHydrogen hat am Hydrogen ProtoHub der University of Texas in Austin eine neue Charge verbesserter Wasserstoffmodule installiert. Gemeinsam mit dem Partner CTF Solar wurden über 100 Module gefertigt, die ein optimiertes Absorber-Layout nutzen. Die Module mit einer Fläche von 1,92 Quadratmetern — sechzehnmal größer als im Labormaßstab — erreichten Wirkungsgrade auf dem Niveau der zuvor validierten kleineren Einheiten.

Dieser Schritt ist kritisch. Dass die Effizienz beim Hochskalieren nicht einbricht, gehört zu den größten Hürden auf dem Weg zur kommerziellen Produktion. Zusätzlich flossen Verbesserungen bei der Katalysator-Integration und den Beschichtungsstrategien ein, die während der ersten Inbetriebnahme identifiziert wurden.

Der Pilotbetrieb in Austin wurde um sechs Monate verlängert. In dieser Zeit soll die größere Modulpopulation auf Reproduzierbarkeit, Fertigungsausbeute und Leistungsvorhersagbarkeit getestet werden. SunHydrogen bleibt ein vorkommerzielles Unternehmen ohne Umsätze — der Fortschritt misst sich ausschließlich an Technologie-Meilensteinen. Analysteneinschätzungen oder Kursziele existieren für den Micro-Cap-Wert nicht.

Juni als Weichenstellung für die Wasserstoff-Branche

Die Divergenz innerhalb des Sektors ist in dieser Woche so deutlich wie selten zuvor. Plug Power liefert konkreten Cashflow und nähert sich der Profitabilitätsschwelle. ITM Power und Nel ASA erzählen technologisch überzeugende Geschichten, müssen aber beweisen, dass daraus Aufträge werden. Ballard Power stellt sich personell neu auf. SunHydrogen validiert schrittweise seine Technologie, bleibt aber Jahre von der Kommerzialisierung entfernt.

Die kommenden Wochen bringen gleich mehrere binäre Entscheidungen:

  • Plug Powers Rechenzentrum-Deal muss bis 30. Juni über die Bühne gehen
  • ITM Powers Chronos-Investitionsentscheidung steht unmittelbar bevor
  • Nel ASAs Q2-Bericht am 15. Juli zeigt, ob die Samsung-Partnerschaft kommerziell zündet

Ob aus Technologieversprechen unterschriebene Verträge werden — das ist die Frage, die letztlich Gewinner von Verlierern in der Wasserstoff-Branche trennt. Der Juni liefert erste Antworten.

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Nel ASA Aktie

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KGV 0,00
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,00 %
Marktkapitalisierung 6,39 Mrd. EUR
ISIN: NO0010081235 WKN: A0B733

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