POET Technologies Aktie: 45-Prozent-Crash nach Marvell-Kündigung
Photonik-Spezialist POET Technologies kämpft mit Sammelklagen und hohen Verlusten trotz Umsatzsteigerung und Großauftrag.

Kurz zusammengefasst
- Drei Sammelklagen gegen POET eingereicht
- Umsatz verdreifacht, Nettoverlust verdoppelt
- Lumilens-Deal über 50 Millionen Dollar
- Aktionäre stimmen über US-Sitzverlegung ab
Drei Sammelklagen binnen weniger Wochen. Ein Auftrag über 50 Millionen Dollar. Und ein Umsatz, der sich verdreifacht. Bei POET Technologies prallen Licht und Schatten derzeit hart aufeinander.
Die Aktie des Photonik-Spezialisten fiel am Freitag um 4,86 Prozent auf 12,92 Euro. Der Rückzug vom 52-Wochen-Hoch bei 18,84 Euro vom 15. Mai fällt damit deutlich aus. Dabei ist das Papier auf Jahressicht immer noch mehr als 111 Prozent wertvoller.
Umsatz verdreifacht, Verluste explodieren
Die Q1-Zahlen vom Mai 2026 zeigen eine gemischte Bilanz. POET erzielte einen Umsatz von 503.389 Dollar – rund 250.000 Dollar mehr als erwartet und dreimal so viel wie im Vorjahresquartal.
Gleichzeitig weitete sich der Nettoverlust auf 12,3 Millionen Dollar aus, nach minus 6,3 Millionen vor einem Jahr. Der Grund: höhere nicht zahlungswirksame Aufwendungen, darunter 3,4 Millionen Dollar aktienbasierte Vergütung.
Der operative Cashflow blieb mit minus 8,8 Millionen Dollar nahezu stabil. Kein Wunder bei einem Unternehmen, das seit 2020 insgesamt nur 2,3 Millionen Dollar Umsatz generiert hat.
Lumilens-Deal als Kurstreiber
Im Mai unterzeichnete POET einen Entwicklungs- und Liefervertrag mit Lumilens. Der erste Abruf liegt bei 50 Millionen Dollar für optische Module. Über fünf Jahre könnte der Auftrag auf mehr als 500 Millionen Dollar anwachsen.
Die Zielmärkte: 800G- und 1,6T-Konnektoren für KI-Netzwerke. Bereiche, in denen der Bandbreitenbedarf der Hyperscaler exponentiell steigt.
POET will 2026 über 30.000 optische Engine-Module ausliefern. Die Fabrik in Malaysia ist das Rückgrat dieser Strategie. Eine weitere Kapitalerhöhung über 400 Millionen Dollar im Mai verschafft dem Unternehmen finanziellen Spielraum.
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Drei Klagen belasten die Stimmung
Die größte Bremse sitzt vor Gericht. Drei Anwaltskanzleien – Rosen Law Firm, Faruqi & Faruqi und Levi & Korsinsky – haben Sammelklagen eingereicht. Betroffen sind Anleger, die zwischen dem 1. und 27. April 2026 POET-Aktien kauften.
Der Auslöser: Marvell Technology kündigte im April alle Bestellungen. Grund seien angebliche Vertraulichkeitsverletzungen durch POET bei der Offenlegung von Auftragsdaten. Die Aktie brach am 27. April um über 45 Prozent ein.
Kläger werfen dem Management falsche Angaben zum PFIC-Status und zu Geschäftsbeziehungen vor. CEO Suresh Venkatesan und CFO Thomas Mika sind namentlich genannt. Die Frist zur Benennung des Hauptklägers endet am 29. Juni.
Entscheidende Abstimmung im Juni
Am 26. Juni stimmen die Aktionäre über die Verlegung des Firmensitzes in die USA ab. Ziel: den Status einer passiven ausländischen Investmentgesellschaft (PFIC) loswerden. Der hat institutionelle US-Investoren bislang abgeschreckt.
Der Verwaltungsrat rechnet für 2025 mit einem Nettoverlust, sodass durch die Umstellung voraussichtlich keine US-Steuerpflicht entsteht.
Extreme Volatilität bleibt das Risiko
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 252 Prozent. Das erklärt die heftigen Kursschwankungen der vergangenen Wochen.
Der fundamentale Widerspruch bleibt bestehen: zweistellige Millionenverluste bei frühem Umsatzniveau. Dagegen stehen kommerzielle Ambitionen im hundertfachen Millionenbereich durch den Lumilens-Deal. Für Investoren wird der 29. Juni zum ersten echten Lackmustest – dann endet die Frist für die Sammelklage.
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