POET Technologies Aktie: 47-Prozent-Crash nach Marvell-Storno
Die Frist für eine mögliche Sammelklage gegen POET Technologies läuft Ende Juni ab. Trotz eines neuen Liefervertrags und frischem Kapital belasten juristische Risiken den Aktienkurs.

Kurz zusammengefasst
- Sammelklage-Frist läuft bis 29. Juni
- Auftragsstornierung durch Marvell Semiconductor
- Neuer Liefervertrag mit Lumilens unterzeichnet
- Unternehmenssitz wird in die USA verlegt
POET Technologies erlebt an der Börse extreme Ausschläge. Am Freitag schoss der Kurs um knapp zwölf Prozent auf 10,88 Euro nach oben. Parallel dazu mehren sich die Warnsignale von Anlegeranwälten. Eine drohende Sammelklage rückt immer näher.
Geplatzte Aufträge und Klagen
Mehrere US-Kanzleien haben diese Woche neue Aufrufe an Aktionäre verschickt. Bis zum 29. Juni suchen sie einen Hauptkläger für eine Wertpapier-Sammelklage. Die Vorwürfe wiegen schwer. Das Management soll den Steuerstatus des Unternehmens falsch dargestellt haben. Ein Manager soll in einem Interview vertrauliche Geschäftsvereinbarungen ausgeplaudert haben.
Die Folgen dieser Indiskretion zeigten sich bereits im April. Marvell Semiconductor stornierte sämtliche Aufträge für das Tochterunternehmen Celestial AI. Als Grund nannte Marvell die Verletzung von Geheimhaltungspflichten. Die Aktie brach an diesem Tag um über 47 Prozent ein.
Lichtblicke im operativen Geschäft
Abseits der Gerichtssäle meldet der Entwickler von Optik-Chips handfeste Erfolge. Im Mai unterzeichnete POET einen Liefervertrag mit Lumilens über anfänglich 50 Millionen US-Dollar. Auf lange Sicht winken hier deutlich höhere Umsätze. Kurz darauf sammelte das Unternehmen rund 400 Millionen Dollar frisches Kapital bei einem institutionellen Investor ein.
Der Vorstand steuert auch beim umstrittenen Steuerstatus gegen. Er hat beschlossen, den Unternehmenssitz in die USA zu verlegen. Für das Geschäftsjahr 2025 rechnet POET aufgrund von Verlusten nicht mit steuerlichen Belastungen für US-Aktionäre.
Extreme Schwankungen bleiben
Die Börse reagiert auf diese Gemengelage extrem nervös. Die annualisierte Schwankungsbreite liegt aktuell bei über 200 Prozent. Seit Jahresbeginn steht zwar noch ein sattes Kursplus zu Buche. Vom 52-Wochen-Hoch bei 18,84 Euro ist das Papier jedoch weit entfernt.
Charttechnisch behauptet sich der Kurs aktuell über der 50-Tage-Linie von 9,49 Euro. Die Frist für die Sammelklage Ende Juni hält die juristischen Risiken aber im Vordergrund. POET muss nun beweisen, dass die starke Nachfrage nach KI-Optikchips in dauerhafte Aufträge mündet.
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