POET Technologies Aktie: 47-Prozent-Einbruch durch Marvell-Stornierung

POET Technologies kämpft nach der Marvell-Absage um Vertrauen. Ein Milliarden-Deal mit Lumilens und frisches Kapital stützen die Aktie, während der Quartalsbericht bevorsteht.

Eduard Altmann ·
Abstrakte Darstellung von Marktvolatilität und technologischen Unterbrechungen in der Halbleiterindustrie. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Marvell-Storno erschütterte Optik-Zulieferer
  • Lumilens-Deal bringt 700 Millionen Dollar
  • 400 Millionen Dollar durch Kapitalerhöhung
  • Quartalszahlen am 14. August erwartet

Es gibt Aktien, die wie ein Blitzableiter für die Nervosität der ganzen Halbleiterbranche wirken. POET Technologies ist in diesem Jahr genau das geworden. Kaum ein anderer Optik-Zulieferer zeigt so drastisch, wie schnell aus einem Hoffnungswert ein Zweifelsfall werden kann – und wie mühsam der Weg zurück ist.

Der tiefe Einschnitt liegt inzwischen einige Monate zurück: Im Frühjahr brach der Kurs um 47 Prozent ein, nachdem Marvell Technology über seine Übernahme von Celestial AI sämtliche offenen Bestellungen für erste Produktionseinheiten stornierte.

Marvell begründete den Schritt mit einer angeblichen Verletzung von Vertraulichkeitspflichten durch POET. Für ein Unternehmen, das seinen Investment Case zu einem großen Teil auf Partnerschaften mit Schwergewichten der KI-Infrastruktur stützt, war das ein Schlag, der bis heute nachwirkt – auch wenn der Kurs seither wieder deutlich zugelegt hat.

Ein neuer Anker namens Lumilens

Die eigentliche Frage, die sich Anleger derzeit stellen müssen, lautet: Kann POET den Vertrauensverlust durch neue Substanz kompensieren? Die Antwort liegt vor allem in einem Namen: Lumilens. Das Startup schloss eine Serie-C-Finanzierung über 700 Millionen US-Dollar ab und wurde dabei mit 5,51 Milliarden US-Dollar bewertet.

Wedbush kommentierte das Anfang August als deutliches Validierungssignal für POETs Erstauftrag von 50 Millionen US-Dollar mit dem Partner – ein Hinweis darauf, dass die Optik-Technologie von POET auch nach dem Marvell-Debakel noch als relevant gilt.

Dass ein Analysehaus wie 24/7 Wall Street Mitte August ein Kursziel von 21,14 US-Dollar ausrief und dabei ausdrücklich auf den Lumilens-Rahmenvertrag über 500 Millionen US-Dollar sowie die für das dritte Quartal erwartete Produktionsrampe in Malaysia verwies, passt in dieses Bild einer Aktie, die sich neu erfinden will.

Gleichzeitig zeigt der Kontrast zum Short-Report von Night Market Research vom 11. August, wie gespalten die Wahrnehmung bleibt: Die Analysten dort werfen POET vor, den Stand seiner Partnerschaften überzeichnet und Anleger über Zeitpläne der Kommerzialisierung getäuscht zu haben.

Kapital, Köpfe, Kalender

Finanziell hat sich POET Luft verschafft. Im Mai floss dem Unternehmen aus einer registrierten Direktplatzierung frisches Kapital von 400 Millionen US-Dollar zu, ausgegeben zu 21,00 US-Dollar pro Aktie an einen einzigen institutionellen Investor, samt Warrants mit einem Ausübungspreis von 26,25 US-Dollar. Das war der Puffer, der dem Unternehmen erlaubte, den Marvell-Rückschlag zu verdauen, ohne in eine akute Finanzierungskrise zu schlittern.

Auch personell schreibt POET gerade ein neues Kapitel. Anfang August berief das Unternehmen Bardia Pezeshki, Gründer von Avicena Tech, und Jean F. Rankin, Direktorin bei InterDigital, in den Vorstand – der langjährige Direktor Jean-Louis Malinge schied aus persönlichen Gründen aus.

Kurz darauf kündigte CFO Thomas R. Mika seinen Ruhestand für das laufende Jahr an. Ein Führungswechsel mitten in einer Phase, in der das Unternehmen um Glaubwürdigkeit kämpft, ist selten ein Zufall – er kann Erneuerung signalisieren, aber auch Unsicherheit stiften.

Der Kalender treibt die Geschichte weiter voran: Als kanadischer Reporting Issuer mit Nasdaq-Notierung muss POET seinen Quartalsbericht für das zweite Quartal bis zum morgigen 14. August einreichen. Das dürfte der nächste Moment sein, in dem sich zeigt, ob die Erzählung von Lumilens und der Produktionsrampe in Malaysia mit belastbaren Zahlen unterlegt werden kann.

Was der Kurs bereits einpreist

An der Börse hat sich die Erholung längst in Gang gesetzt: Am Mittwoch schloss die Aktie bei 7,63 Euro, ein Plus von 2,7 Prozent zum Vortag, und liegt damit 124 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 3,40 Euro aus dem November.

Zum bisherigen Jahreshoch von 18,84 Euro im Mai fehlen der Aktie dennoch 60 Prozent – ein Abstand, der zeigt, wie tief der Vertrauensbruch mit Marvell tatsächlich saß und wie viel Überzeugungsarbeit POET noch leisten muss.

Vielleicht ist das die eigentliche Lehre aus diesem Fall: In einem Sektor, der von Erwartungen an KI-Infrastruktur lebt, zählt nicht nur, wer die besten Partner ansagt – sondern wer sie auch halten kann. Ob POET das gelingt, wird sich weniger an Kurszielen als an den Zahlen entscheiden, die in den kommenden Tagen fällig werden.

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POET Technologies Aktie

7,60 USD

– 0,40 USD -5,00 %
KGV
Sektor Technologie
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung 669,52 Mio. CAD
ISIN: CA73044W3021 WKN: A3DWD8

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