POET Technologies Aktie: Lumilens bestellt für 50 Millionen
POET Technologies steht vor richtungsweisenden Entscheidungen: Sitzverlegung, CFO-Rücktritt und eine Sammelklage prägen den Juni.

Kurz zusammengefasst
- Abstimmung über Sitzverlegung nach Delaware
- Rücktritt von Finanzvorstand Thomas Mika
- Sammelklage-Frist endet Ende Juni
- Lumilens-Bestellung über 50 Millionen Dollar
POET Technologies steuert auf einen ereignisreichen Juni zu. Gleich mehrere Weichenstellungen fallen im engen Zeitfenster: eine richtungsweisende Aktionärsabstimmung über die künftige Rechtsform, der Abgang des langjährigen Finanzvorstands und eine laufende Sammelklage. Der Kurs der Aktie liegt bei 10,48 Euro – 186 Prozent Plus auf Zwölfmonatssicht, aber 44 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 18,84 Euro.
Sitzverlegung als Befreiungsschlag
Der Verwaltungsrat hat einen Plan gebilligt, den Firmensitz von Kanada nach Delaware zu verlegen. Ziel: die künftige Einstufung als Passive Foreign Investment Company (PFIC) vermeiden, ein steuerliches Hindernis, das viele US-Fonds bisher von einem Engagement abgeschreckt hat.
Die Abstimmung darüber ist für die Hauptversammlung am 26. Juni angesetzt. Stimmen die Aktionäre zu, wäre die PFIC-Einstufung für US-Investoren passé. Zudem sagte das Unternehmen zu, künftig jährlich PFIC-Informationsschreiben zu veröffentlichen, sofern eine Einstufung droht.
Ob der Umzug die anhängigen Klagen beeinflusst, ist offen. Die Vorwürfe betreffen vergangene Kommunikation, nicht die künftige Unternehmensstruktur.
CFO-Rückzug belastet die Führung
Der Umbau in der Chefetage geht weiter. Thomas Mika, seit zehn Jahren Finanzvorstand, hat seinen Rücktritt im Laufe des Jahres angekündigt. Der Verwaltungsrat hat die Suche nach einem Nachfolger eingeleitet.
Der Zeitpunkt ist heikel. Sowohl Mika als auch CEO Venkatesan sind als Beklagte in einer Wertpapier-Sammelklage genannt. Die Frist für Hauptklägeranträge endet am 29. Juni – drei Tage nach der Hauptversammlung.
Parallel dazu holte POET einen erfahrenen Halbleiter-Manager an Bord. Dr. Sandeep Kumar, zuvor 18 Jahre bei Silicon Labs als Senior Vice President für weltweite Operationen, übernimmt den Posten des Chief Operating Officer. Sein Auftrag: die Produktion in Malaysia für hohe Stückzahlen fit machen.
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Operativer Fahrplan und Lumilens-Deal
POET will im Gesamtjahr mehr als 30.000 optische Engine-Module ausliefern. Technische Muster der neuen 800G- und 1.6T-Transceiver sind für Jahresende geplant, die Serienproduktion für 2027.
Der Kunde Lumilens hat eine erste Bestellung über 50 Millionen US-Dollar für POETs elektro-optische Interposer-Engines platziert. Über fünf Jahre könnte das Volumen auf 500 Millionen Dollar steigen. Die ersten Umsatzlieferungen sollen in der zweiten Jahreshälfte 2026 anlaufen – mit einer leichten Verzögerung von wenigen Wochen im Quartal.
Die Finanzausstattung ist komfortabel. Nach einer Kapitalerhöhung über 400 Millionen Dollar sitzt POET auf Barmitteln von über 400 Millionen Dollar, bei einer aktuellen Liquiditätskennzahl von über 35 und geringer Verschuldung.
Finanzen im Frühstadium
Der Umsatz stieg im ersten Quartal 2026 auf 503.389 Dollar, nach 166.760 Dollar im Vorjahr. Der Nettoverlust lag bei 12,3 Millionen Dollar oder minus 0,08 Dollar je Aktie. Der kumulierte Verlustvortrag beläuft sich auf 291 Millionen Dollar. Zudem wurde eine wesentliche Schwäche der internen Kontrollen gemeldet.
Zwei Termine, eine Bewertung
Am 26. Juni entscheiden die Aktionäre über den Umzug in die USA. Drei Tage später endet die Frist für Hauptklägeranträge in der Sammelklage. Zwei Ereignisse, die durch ein einziges Wochenende getrennt sind.
Der Aktienkurs notiert 12,33 Prozent über dem Stand von vor 30 Tagen, aber deutlich unter dem Mai-Hoch. Wie die Anleger die beiden Ausgänge lesen – und ob die CFO-Suche einen glaubwürdigen Nachfolger hervorbringt – wird die nächste Kursrichtung bestimmen.
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