POET Technologies Aktie: Lumilens-Vertrag über 500 Millionen Dollar
POET Technologies kämpft mit Kursverlusten und Sammelklagen. Die Abstimmung zur Redomizilierung in die USA soll das steuerliche PFIC-Problem lösen.

Kurz zusammengefasst
- Abstimmung über Firmensitzverlegung in die USA
- Sammelklagen nach Celestial-AI-Auftragsstornierung
- Umsatzverdreifachung bei anhaltenden Nettoverlusten
- Lumilens als neuer Großkunde mit Millionenauftrag
Ein 47-prozentiger Kurseinbruch an einem einzigen Tag, laufende Sammelklagen und ein steuerliches Klassifizierungsproblem, das institutionelle Investoren abschreckt — POET Technologies kämpft an mehreren Fronten. Am 26. Juni könnte die Hauptversammlung zumindest eine dieser Baustellen schließen.
Redomizilierung soll PFIC-Problem lösen
Der Vorstand hat beschlossen, das Unternehmen in die USA umzusiedeln und den Hauptsitz dorthin zu verlegen. Über diesen Schritt stimmen die Aktionäre am 26. Juni ab. Das Ziel ist klar: Wer keine ausländische Gesellschaft mehr ist, fällt nicht länger unter die PFIC-Klassifizierung nach US-Steuerrecht.
PFIC steht für „Passive Foreign Investment Company“. Dieser Status zwingt US-Anleger zu aufwendigen Steuerberechnungen und schreckt viele institutionelle Investoren ab. POET erwartet, für das Geschäftsjahr 2025 als PFIC zu gelten. Für 2026 rechnet das Unternehmen damit, den Status loszuwerden.
US-Aktionäre können für 2025 eine sogenannte QEF-Wahl treffen. Da POET 2025 einen Nettoverlust ausgewiesen hat, entstehen dabei voraussichtlich keine laufenden US-Bundessteuern.
Klage nach Celestial-AI-Debakel
Die PFIC-Frage hat bereits eine Welle von Sammelklagen ausgelöst. Am 9. Juni 2026 erinnerte die Kanzlei Gross Law Firm Aktionäre erneut an die laufenden Verfahren. Die Klagen beziehen sich auf den Zeitraum vom 1. bis 27. April 2026.
Der Auslöser: POET gab bekannt, dass Celestial AI sämtliche Kaufaufträge storniert hatte. Grund war ein angeblicher Vertraulichkeitsbruch — ein Unternehmensvertreter soll in einem öffentlichen Interview über Geschäftsvereinbarungen gesprochen haben. Die Aktie verlor daraufhin 47,3 Prozent an einem einzigen Handelstag. Wer als Hauptkläger auftreten will, muss bis zum 29. Juni einen Antrag stellen.
Umsatz steigt, Verluste bleiben
Im ersten Quartal 2026 erzielte POET einen Umsatz von rund 503.000 Dollar — dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Der Nettoverlust lag bei 12,3 Millionen Dollar. Die Einnahmen stammten überwiegend aus einmaligen Engineering-Dienstleistungen.
Das Eigenkapital stieg auf 448,6 Millionen Dollar. POET schloss außerdem eine Finanzierungsrunde über 400 Millionen Dollar ab. CEO Suresh Venkatesan kündigte an, die Kapazitäten in der Waferproduktion und der Montage optischer Bauteile rund zehnfach auszubauen — gestützt auf erweiterte Standorte in Singapur und Malaysia.
Lumilens als kommerzieller Anker
Trotz der rechtlichen Belastungen hat POET einen neuen Großkunden gewonnen. Mit Lumilens besteht ein Liefervertrag mit einer ersten Bestellung über 50 Millionen Dollar. Der Rahmenvertrag könnte über fünf Jahre auf mehr als 500 Millionen Dollar anwachsen. Engineering-Muster sollen Ende 2026 folgen, die Serienproduktion ist für 2027 geplant — ausgerichtet auf Hyperscaler-Deployments.
Der Kurs notiert aktuell bei 9,78 Euro, rund 48 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 18,84 Euro aus dem Mai. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei fast 213 Prozent — jede neue Meldung bewegt den Kurs spürbar. Die Hauptversammlung am 26. Juni und die Klagefrist am 29. Juni bilden nun den nächsten konkreten Doppeltermin, an dem sich zeigt, ob POET den strukturellen Gegenwind zumindest teilweise abbauen kann.
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