POET Technologies Aktie: Steine im Weg?

Nach Stornierung durch Marvell und mehreren Sammelklagen steckt POET Technologies in einer tiefen Krise. Die Aktie erholt sich nur langsam.

Redaktion Stock-World ·
POET Technologies Aktie (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Marvell kündigt alle Aufträge
  • Vier Kanzleien reichen Klagen ein
  • Produktionsstart in Malaysia geplant
  • Hauptversammlung im Juni entscheidet

Ein Kurssturz von mehr als 45 Prozent an einem einzigen Handelstag. Vier Kanzleien, die Sammelklagen vorbereiten. Und ein Großkunde, der sämtliche Bestellungen storniert hat. POET Technologies steckt in einer der schwersten Krisen seiner Unternehmensgeschichte.

Marvell-Stornierung als Auslöser

Der Ausgangspunkt der Misere ist konkret. Marvell Semiconductor, das Celestial AI übernommen hatte, kündigte am 23. April 2026 schriftlich alle laufenden Kaufaufträge bei POET. Als Begründung nannte Marvell einen Vertragsbruch: Ein POET-Manager soll in einem öffentlichen Interview vertrauliche Details zu Bestellungen und Lieferungen preisgegeben haben.

Das traf die Aktie am 27. April mit voller Wucht. Der Kurs brach intraday um mehr als 45 Prozent ein. Bis Ende der Woche summierte sich das Minus auf fast 50 Prozent.

Vier Kanzleien, eine Frist

Die rechtlichen Folgen kommen schnell. Bereits am 29. April reichte die Rosen Law Firm eine Sammelklage ein. Holzer & Holzer folgte kurz darauf. Am 1. Mai schloss sich Faruqi & Faruqi als vierte Kanzlei an.

Alle Klagen zielen auf denselben Vorwurf: POET soll Anleger über seinen Steuerstatus getäuscht haben. Konkret geht es darum, ob das Unternehmen als sogenannte Passive Foreign Investment Company — kurz PFIC — einzustufen ist. Für US-Aktionäre hätte das erhebliche steuerliche Nachteile. Die Frist zur Anmeldung als Hauptkläger läuft in allen Fällen bis zum 29. Juni 2026.

Verschärft wurde die Lage durch einen Shortseller-Report von Wolfpack Research vom 14. April. Wolfpack bezeichnete POET als reines Kursförderungsprojekt mit Steuerproblem — und listete einen siebten Strategiewechsel sowie wiederholte Kapitalverwässerung als Warnsignale auf. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis lag demnach bei über 1.100 auf Basis eines Jahresumsatzes von knapp über einer Million Dollar.

Produktion läuft, Kasse ist voll

Operativ hält POET vorerst Kurs. Das Unternehmen plant, im zweiten Quartal 2026 mit der Serienproduktion von Lichtquellenprodukten in Malaysia zu beginnen. Im dritten Quartal sollen 800G-Optikmodule folgen. Für das Gesamtjahr stehen mehr als 30.000 optische Einheiten als Ziel.

Finanziell ist POET nicht in der Klemme. Im vierten Quartal 2025 sammelte das Unternehmen rund 375 Millionen Dollar ein. Mit weiterer Finanzierung Anfang 2026 liegt der Kassenbestand bei etwa 430 Millionen Dollar. Hinzu kommt ein neuer Kaufauftrag eines anderen Technologieunternehmens im Wert von rund 5 Millionen Dollar.

Am 1. Mai pendelte die Aktie zwischen 6,88 und 7,11 Dollar. Das ist weit entfernt vom 52-Wochen-Hoch bei 15,50 Dollar — aber auch deutlich über dem Tief bei 3,87 Dollar.

Entscheidende Wochen im Juni

Das Management reagiert auf die PFIC-Vorwürfe mit konkreten Schritten. Eine Hauptversammlung am 26. Juni 2026 soll über eine Verlegung des Firmensitzes in die USA abstimmen. Drei Tage später läuft die Klagefrist ab. Ob die Produktionserfolge in Malaysia reichen, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, hängt stark davon ab, wie das Unternehmen dieses enge Zeitfenster nutzt.

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POET Technologies Aktie

4,84 EUR

+ 0,13 EUR +2,65 %
KGV —
Sektor Technologie
Div.-Rendite —
Marktkapitalisierung 669,52 Mio. CAD
ISIN: CA73044W3021 WKN: A3DWD8

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