Porsche SE Aktie: 3,2 Milliarden Abschreibungen im H1

Porsche SE rutscht wegen milliardenschwerer Wertberichtigungen auf VW und Porsche AG tief in die roten Zahlen. Der operative Kern bleibt jedoch stabil.

Dieter Jaworski ·
Porsche SE Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Milliardenverlust durch VW-Abschreibungen
  • Operatives Geschäft zeigt sich stabil
  • VW-Sanierung als zentraler Streitpunkt
  • Portfoliosegment mit deutlichem Ergebnisplus

Porsche SE hat am Freitag Zahlen vorgelegt, die zeigen, wie stark die Krise bei Volkswagen auf die Holding durchschlägt. Im ersten Halbjahr 2026 rutschte das Konzernergebnis nach Steuern auf minus 2,2 Milliarden Euro, nach einem Plus von 0,3 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Verantwortlich dafür sind nicht-zahlungswirksame Wertberichtigungen auf die Beteiligungen an Volkswagen AG in Höhe von 3,0 Milliarden Euro und an Porsche AG von 0,2 Milliarden Euro. Der Aktienkurs reagierte am Freitag verhalten und schloss bei 29,04 Euro, ein Plus von 0,48 Prozent. Seit Jahresbeginn steht für das Papier weiterhin ein Minus von 26,98 Prozent zu Buche.

Operatives Geschäft trotzt der Belastung

Bereinigt um die Abschreibungen fällt das Bild deutlich weniger dramatisch aus. Das bereinigte Konzernergebnis nach Steuern lag bei 0,9 Milliarden Euro, nach 1,1 Milliarden Euro im Vorjahr. Die Nettoverschuldung der Gruppe sank per Ende Juni auf 5,0 Milliarden Euro, nach 5,1 Milliarden Euro Ende 2025. Getragen wurde diese Entwicklung von Dividendenzuflüssen: 0,6 Milliarden Euro kamen von Volkswagen, weitere 0,1 Milliarden Euro von der Porsche AG. Eine Kapitalertragsteuer von 0,2 Milliarden Euro auf die VW-Dividende soll dem Konzern 2027 erstattet werden. Für das Gesamtjahr 2026 hält die Holding an ihrer Prognose fest: ein bereinigtes Konzernergebnis zwischen 1,5 und 3,5 Milliarden Euro sowie eine Nettoverschuldung zwischen 4,7 und 5,2 Milliarden Euro.

VW an einem „historischen Wendepunkt“

Die eigentliche Belastung für Porsche SE liegt im Sanierungsstreit bei Volkswagen. Vorstandschef Hans Dieter Pötsch forderte auf einer Pressekonferenz in Stuttgart eine schnelle Einigung über Stellenabbau und Werksschließungen. „Der Volkswagen-Konzern steht an einem historischen Wendepunkt. Bei den jetzt anstehenden Entscheidungen geht es um die Zukunft von Volkswagen“, sagte Pötsch laut dpa. Im Aufsichtsrat waren die Sparpläne bereits im Juli erstmals behandelt worden und stießen bei Arbeitnehmervertretern sowie beim Land Niedersachsen, das an VW beteiligt ist, auf Widerstand. Bis zu vier Werke und bis zu 50.000 zusätzliche Stellen stehen zur Debatte. VW-Chef Oliver Blume will das neue Sparpaket noch in diesem Jahr verabschieden lassen.

Finanzvorstand Johannes Lattwein positionierte die Porsche SE als Mehrheitsstammaktionärin klar hinter dem VW-Vorstand. Ziel sei die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit, dabei dürfe es keine Denkverbote geben – andernfalls drohe Volkswagen, im internationalen Wettbewerb dauerhaft zurückzufallen. Wie ernst die Lage bei der Kernbeteiligung ist, zeigt auch das zweite Quartal von Volkswagen: Das Konzernergebnis nach Steuern brach um 32,9 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro ein, die Auslieferungen sanken konzernweit um fast neun Prozent auf 2,08 Millionen Fahrzeuge. Auch die zweite Kernbeteiligung, Porsche AG, kämpft mit rückläufigen Auslieferungen von 16,5 Prozent auf 122.306 Fahrzeuge, konnte das operative Ergebnis im Halbjahr aber von 1,01 auf 1,35 Milliarden Euro steigern und hält an ihrer Jahresprognose von 35 bis 36 Milliarden Euro Umsatz fest. Zur Straffung der Strukturen reduzierte die Porsche AG ihre Vorstandsressorts von acht auf sieben und ordnete den Bereich Car-IT zum 1. Juli der Forschung und Entwicklung zu. Bereits Ende Juli hatte Porsche zudem den Abbau von 5.000 weiteren Stellen in der Region Stuttgart bis 2035 beschlossen, im Gegenzug wurde die Standortsicherung bis Ende 2035 verlängert.

Portfoliosegment als Lichtblick

Während die Automobilbeteiligungen belasten, entwickelt sich das Portfoliosegment der Holding zu einem zunehmend eigenständigen Werttreiber. Porsche SE treibt hier den Umbau zu einer diversifizierten Investmentplattform voran und tätigte im ersten Halbjahr Folgeinvestitionen in Quantum Motion, Quantum Systems und das Robotik-Unternehmen Waabi. Das Ergebnis nach Steuern dieses Segments stieg deutlich auf 148 Millionen Euro, nach 29 Millionen Euro im Vorjahr. Den größten Einzelbeitrag lieferte die Neubewertung von Quantum Systems nach einer zusätzlichen Finanzierungsrunde mit 111 Millionen Euro. Bereits im ersten Quartal hatte der Verkauf der Beteiligung an Celestial AI Erlöse von 60 Millionen Euro eingebracht. Für Anleger zeigt dieser Bereich, dass die Holding abseits der Kernbeteiligungen an Volkswagen und Porsche AG durchaus Wertsteigerungspotenzial erschließt.

Der Kurs bewegt sich derzeit nahe seinem 50-Tage-Durchschnitt und hat sich vom Jahrestief im Juli etwas gelöst, bleibt aber weit unter dem im Dezember erreichten 52-Wochen-Hoch. Die nächste Standortbestimmung liefert die Quartalsmitteilung zum dritten Quartal am 10. November. Zuvor richtet die Porsche AG am 7. Oktober einen Capital Markets Day aus und veröffentlicht am 27. Oktober ihre eigenen Zahlen zum dritten Quartal – Termine, an denen sich zeigen dürfte, wie weit der Sanierungsstreit bei Volkswagen bis dahin vorangekommen ist.

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Porsche SE Aktie

29,15 EUR

+ 0,11 EUR +0,38 %
KGV 3,17
Sektor Zyklischer Konsum
Div.-Rendite 5,20 %
Marktkapitalisierung 8,93 Mrd. EUR
ISIN: DE000PAH0038 WKN: PAH003

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