Powells letzter Zinsentscheid, Cooks letztes Quartal und ein DAX, der 7 Prozent zulegte
Jerome Powell hält die Zinsen stabil, Apple meldet Rekordumsatz und der DAX legt im April um sieben Prozent zu.

Kurz zusammengefasst
- Fed belässt Leitzins unverändert
- Apple erzielt Rekordumsatz von 111 Milliarden
- DAX steigt im April um sieben Prozent
- Ölpreis fällt unter 115 Dollar
Liebe Leserinnen und Leser,
gestern schrieb ich, dass die Berichtssaison gründlich sortiert – und versprach, die Antwort auf die Frage nachzuliefern, ob die amerikanische Technologiebranche zu den Kostendisziplinierten oder zu den Wachstumsabhängigen gehört. Apple hat am Donnerstagabend geantwortet. Die Antwort lautet: zu den Wachstumsmaschinen. 111,2 Milliarden Dollar Quartalsumsatz, 17 Prozent Plus, Rekord. Doch während Frankfurt am Tag der Arbeit ruht und Cupertino feiert, brodelt es an anderer Stelle. Die Fed ist so zerstritten wie selten, der Ölpreis drückt auf Verbraucher und Notenbanker gleichermaßen, und in Washington verhindert ein Government Shutdown die Veröffentlichung der wichtigsten Arbeitsmarktdaten des Monats.
Drei Schauplätze, ein roter Faden: Die Weltwirtschaft produziert gerade starke Unternehmensgewinne und schwache Rahmenbedingungen – und es wird zunehmend schwieriger, beides gleichzeitig auszuhalten.
Die Fed nach Powell: Vier Gegenstimmen und keine Zinssenkung in Sicht
Am Dienstag leitete Jerome Powell seine letzte FOMC-Sitzung als Fed-Vorsitzender. Er beließ den Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent – doch die Art, wie er das tat, war ungewöhnlich. Vier Ausschussmitglieder stimmten gegen die Entscheidung, eine Rekordzahl. Stephen Miran drängte auf eine Senkung um 25 Basispunkte, Beth Hammack von der Cleveland Fed warnte in die entgegengesetzte Richtung: Die Wirtschaft sei robust, der Arbeitsmarkt stabil, und steigende Ölpreise heizten den Preisdruck weiter an.
Die Daten geben Hammack Recht. Der PCE-Preisindex stieg im März auf 3,5 Prozent im Jahresvergleich, die Kernrate auf 3,2 Prozent. Das US-Wachstum im ersten Quartal lag mit 2,0 Prozent leicht unter den erwarteten 2,2 Prozent – aber die Inflation beschleunigte sich. Zinssenkungen für 2026 preist der Markt kaum noch ein.
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Auf frische Signale vom Arbeitsmarkt müssen Anleger warten. Die für diesen Freitag erwarteten Non-Farm Payrolls wurden wegen des Government Shutdowns auf den 11. Mai verschoben, die Verbraucherpreise folgen am 13. Mai. Was bleibt, ist ein beunruhigendes Bild aus den letzten verfügbaren Daten: Im Januar kündigten US-Unternehmen 108.435 Entlassungen an – 118 Prozent mehr als im Vorjahr und der höchste Januar-Wert seit 2009.
Apple: 111 Milliarden Dollar Umsatz, ein neuer CEO und eine Klage über 38 Milliarden
Während die Makrodaten verunsichern, lieferte Apple am Donnerstagabend das Gegenprogramm. Das zweite Fiskalquartal (bis 28. März) brachte einen Rekordumsatz von 111,2 Milliarden Dollar. Der Gewinn pro Aktie kletterte um 22 Prozent auf 2,01 Dollar – beide Werte lagen deutlich über den Erwartungen.
Getrieben wurde das Ergebnis vom iPhone 17, das allein 57 Milliarden Dollar Umsatz beisteuerte, und vom Services-Segment, das mit knapp 31 Milliarden Dollar ein Allzeithoch erreichte. Auch China überraschte: plus 28 Prozent auf 20,5 Milliarden Dollar. Goldman Sachs reagierte mit einem Kursziel von 340 Dollar, Morgan Stanley setzte 330 Dollar an.
Doch Tim Cook nutzte den Abend auch für zwei Ankündigungen, die über das Quartal hinausreichen. Erstens: Er warnte vor drastisch steigenden Kosten für Speicherchips, die das Geschäft künftig belasten dürften. Zweitens: Er wird im September als CEO zurücktreten und das Unternehmen an John Ternus übergeben. Die Aktionäre erhielten eine Dividendenerhöhung um 4 Prozent auf 0,27 Dollar je Aktie und ein angekündigtes Aktienrückkaufprogramm über 100 Milliarden Dollar. Parallel dazu reichte Apple an diesem Freitag beim Delhi High Court Klage ein, um ein Verfahren der indischen Wettbewerbskommission abzuwenden – mit potenziellen Strafen von bis zu 38 Milliarden Dollar.
Der DAX im April: 7 Prozent Plus, angeführt von Infineon
Wer sich von Ölpreisschocks und Nahost-Krise hat verunsichern lassen, verpasste im April einen bemerkenswerten Monat am deutschen Aktienmarkt. Der DAX legte um 7 Prozent zu – getragen von der Hoffnung auf eine diplomatische Lösung im Iran-Konflikt und gestützt durch solide Unternehmensbilanzen, wie sie diese Berichtswoche geliefert hat.
Die Gewinner des Monats lesen sich wie ein Technologie- und Industrieindex: Infineon sprang um 48,8 Prozent, Siemens Energy um 24,7 Prozent, Siemens um 15,9 Prozent. Am unteren Ende stand Qiagen mit minus 16,4 Prozent. Der europäische STOXX 50 zeigte sich am Freitagmittag bei dünnem Feiertagshandel nahezu unverändert bei 5.065 Punkten. In der kommenden Woche richtet sich der Blick auf Heidelberg Materials, die am 6. Mai ihr Trading-Update zum ersten Quartal vorlegen.
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Öl bei 110 Dollar, ein Tankrabatt und iranische Friedenssignale
Die IEA nannte die Auswirkungen des Iran-Konflikts jüngst die größte Blockade auf dem Ölmarkt in der Geschichte. In den letzten Tagen kam es jedoch zu einer spürbaren Entspannung. Brent-Rohöl zur Juli-Lieferung fiel am Freitag auf 110,06 Dollar, nachdem der Preis zeitweise über 126 Dollar gelegen hatte. WTI verbilligte sich auf 103,08 Dollar.
Hinter dem Rückgang stehen neue diplomatische Bemühungen: Der Iran hat über Vermittler in Pakistan Vorschläge zur Beendigung des Krieges unterbreitet. In Washington deklarierte die Trump-Regierung die am 28. Februar begonnenen Kampfhandlungen formell als „beendet“ – ein juristisches Manöver, um die 60-Tage-Frist zur Kongresszustimmung zu umgehen. In Deutschland gilt seit Mitternacht ein Tankrabatt von 16,7 Cent je Liter, der an den Zapfsäulen erste, wenn auch noch nicht vollständige Wirkung zeigt.
Berlin unter Druck: 0,6 Prozent Wachstum und eine Frist bis zur Sommerpause
Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz musste ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 0,6 Prozent senken. Das erste Quartal brachte ein Plus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal – gestern noch als positive Überraschung gemeldet, heute schon relativiert durch die gesenkte Jahresprognose.
Peter Altmaier, ehemaliger Kanzleramtsminister, verschärfte den Ton: Er warnte öffentlich vor einer Staatskrise und einer schweren Rezession und setzte der Regierung eine Frist bis zur Sommerpause. Die Ökonomin Monika Schnitzer hingegen stützte Merz‘ Kurs beim Renteneintrittsalter – man könne sich angesichts der Demografie nicht mehr allein auf die gesetzliche Rente verlassen.
Was jetzt zählt
Dieser erste Mai markiert eine Zäsur in mehrfacher Hinsicht. Powell hat seinen letzten Zinsentscheid getroffen, Cook seinen letzten Rekord als CEO geliefert, und der Ölpreis ist zum ersten Mal seit Wochen unter die 115-Dollar-Marke gefallen. Die nächsten zehn Tage werden zeigen, ob die verschobenen US-Arbeitsmarktdaten am 11. Mai die Zinserwartungen weiter zementieren – oder ob die diplomatischen Signale aus dem Nahen Osten stark genug sind, um den Ölpreis dauerhaft zu drücken. Für Anleger bleibt das Muster dieser Berichtssaison intakt: Unternehmen mit operativer Substanz werden belohnt, makroökonomische Unsicherheit wird ausgehalten. Wie lange diese Gleichung aufgeht, entscheidet sich im Mai.
Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.
Herzlichst,
Ihr Eduard Altmann