Qualcomm Aktie: Automobilgeschäft wächst 61 Prozent
Qualcomm stärkt KI-Software und Autochips, während sinkende Apple-Erlöse und höhere Mobilfunkpreise den Konzernumbau prägen.

Kurz zusammengefasst
- Neue Führung für mobiles KI-Geschäft
- Modular-Zukauf erweitert Softwarekompetenz
- Apple-Erlöse könnten sich halbieren
- Auto-Umsatz steigt um 61 Prozent
Es gibt Momente, in denen ein Konzern gleich mehrere Baustellen parallel aufmacht – und genau das erlebt Qualcomm derzeit. Personalwechsel an der Spitze der wichtigsten Sparte, ein neues KI-Software-Standbein durch Zukauf, ein Preisdiktat gegenüber der Kundschaft und ein Umsatzloch bei Apple, das größer wird als gedacht. Wer verstehen will, wohin der Chiphersteller steuert, muss diese Fäden zusammenziehen.
Der Umbau an der Spitze der Mobilfunksparte
Seit Mittwoch dieser Woche leitet Sergio Buniac als Executive Vice President und Group General Manager den Bereich Mobile, Compute und Personal AI bei Qualcomm Technologies. Er verantwortet damit Smartphones, PCs, Wearables und XR-Geräte – inklusive einer neuen Generation von KI-Endgeräten. Das ist kein kosmetischer Wechsel, sondern eine Bündelung von Macht über genau jenes Geschäft, das Qualcomm traditionell trägt: den Verkauf von Chips an Smartphone-Hersteller.
Dass dieser Posten neu geschaffen beziehungsweise neu besetzt wird, just in dem Moment, in dem Qualcomm seine Preise anhebt und gleichzeitig einen empfindlichen Kundenverlust bei Apple verkraften muss, ist kaum Zufall.
Kurz zuvor hatte Qualcomm mit dem Erwerb von Modular Inc. bereits ein zweites Signal gesetzt: Firmengründer Chris Lattner übernimmt als Executive Vice President die Verantwortung für fortgeschrittene KI-Software und -Plattformen. Der Konzern rüstet sich also nicht nur hardwareseitig, sondern kauft sich gezielt Software-Kompetenz für künstliche Intelligenz ein.
Zusammen mit dem am Wochenende zuvor auf der Leap 2026 präsentierten Horizon Ultra AI PC, entwickelt mit Humain und angetrieben vom Snapdragon X2 Elite, zeichnet sich ein Muster ab: Qualcomm will nicht länger nur Zulieferer sein, sondern eigene KI-Endgeräte-Ökosysteme mitgestalten. Das Gerät soll ab dem 20. September für Unternehmenskunden erhältlich sein.
Das Apple-Problem und die Preisfrage
Doch die schönste Strategie nützt wenig, wenn das laufende Geschäft wackelt. Ende Juli hatte Qualcomm-Chef Cristiano Amon eingeräumt, dass die Apple-Umsätze deutlich stärker einbrechen dürften als bislang angenommen – der erwartete Anteil am kommenden iPhone soll spürbar unter der zuvor genannten Marke von 20 Prozent liegen, die Erlöse sollen von rund 2 Milliarden Dollar auf einen niedrigeren Wert fallen.
Zwischen dem September- und dem Dezemberquartal rechnet Qualcomm mit einem Rückgang der Apple-Erlöse um etwa die Hälfte. Das ist der eigentliche Bruch in der Geschichte dieses Sommers, und die zum 1. September in Kraft getretene Preiserhöhung für Mobilfunkchips wirkt wie eine direkte Reaktion darauf: Wenn ein Großkunde wegbricht, muss die verbleibende Kundschaft mehr zahlen, um die Lücke zumindest teilweise zu schließen.
Dass das operative Geschäft trotzdem nicht schwächelt, zeigen die Zahlen zum dritten Geschäftsquartal: 9,9 Milliarden Dollar Umsatz am oberen Rand der eigenen Prognose, ein bereinigter Gewinn je Aktie von 2,21 Dollar.
Besonders das Automobilgeschäft sticht heraus – mit 1,6 Milliarden Dollar Umsatz und einem Plus von 61 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal erneut ein Rekord. Der frisch geschlossene Langfristvertrag mit BMW, der Qualcomm für das kommende Jahrzehnt zum Lieferanten für digitale Cockpits und Fahrassistenzsysteme macht, untermauert diesen Trend zusätzlich.
Was die Anteilseigner davon haben
Für die Aktionäre bleibt die Dividende der verlässlichste Fixpunkt in diesem Umbruch: Anfang September beschloss Qualcomm eine Quartalsdividende von 0,92 Dollar je Aktie, ein Plus von 3,4 Prozent gegenüber der Vorquartalszahlung, auszahlbar am 24. September.
An der Börse zeigt sich das Papier davon unbeeindruckt gelassen – aktuell notiert die Aktie bei 144,00 Euro und damit knapp unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 147,01 Euro, ein Zeichen dafür, dass der Markt die widersprüchlichen Signale noch nicht eindeutig einordnet.
Die eigentliche Frage lautet nicht, ob Qualcomm den Apple-Rückgang verkraftet – das operative Zahlenwerk legt das nahe. Sie lautet, ob der parallele Umbau zum KI-Plattformanbieter mit eigenem Personalgefüge, zugekaufter Software und wachsendem Automobilgeschäft schnell genug greift, um die Abhängigkeit von einzelnen Großkunden dauerhaft zu verringern. Die Weichen dafür sind in den vergangenen Wochen jedenfalls sichtbar gestellt worden.
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