Qualcomm Aktie: AWS-Partnerschaft über 60 Milliarden vereinbart
Qualcomm erschließt mit AWS den KI-Rechenzentrumsmarkt und erhält langfristige Perspektiven, während das Smartphone-Geschäft nachgibt.

Kurz zusammengefasst
- Zehnjährige AWS-Kooperation vereinbart
- Bis zu 60 Milliarden Dollar Auftragsvolumen
- Amazon erhält Rechte auf Qualcomm-Aktien
- Handset-Umsatz sinkt um 20 Prozent
Qualcomm hat eine weitreichende strategische Partnerschaft mit Amazon Web Services (AWS) vereinbart, die das Unternehmen tiefer in das Geschäft mit künstlicher Intelligenz (KI) in Rechenzentren führen soll.
Die Zusammenarbeit ist auf ein Jahrzehnt angelegt und umfasst die Entwicklung von kundenspezifischen KI-Inferenz-Chips über mehrere Generationen hinweg. Zudem liefert Qualcomm optische Konnektivitätslösungen für die Infrastruktur von Amazon. Das potenzielle Auftragsvolumen beläuft sich laut Vereinbarung auf bis zu 60 Milliarden US-Dollar.
Aktien-Optionen als Anreiz für Amazon
Im Rahmen des Abkommens hat Qualcomm dem Cloud-Giganten Amazon umfangreiche Aktienkaufrechte eingeräumt. Amazon erhält Warrants für den Erwerb von bis zu 25 Millionen Qualcomm-Aktien zu einem festgelegten Ausübungspreis von 161,26 US-Dollar.
Die Ausübung dieser Optionen ist eng an die zukünftige Inanspruchnahme von Qualcomm-Produkten und -Dienstleistungen gekoppelt. Während 3,75 Millionen dieser Optionen bereits mit dem Vertragsabschluss wirksam wurden, ist der restliche Teil an das Erreichen spezifischer Meilensteine bei den Kaufzahlungen durch Amazon gebunden.
Die Kooperation konzentriert sich technisch vor allem auf die KI-Inferenz-Infrastruktur sowie auf neue optische Verbindungstechnologien mit Geschwindigkeiten von bis zu 1,6 Terabit pro Sekunde. Damit positioniert sich Qualcomm zunehmend als Wettbewerber für spezialisierte Chip-Hersteller, die bislang die Lieferketten der großen Cloud-Anbieter dominieren.
Fokusverschiebung weg vom schrumpfenden Mobilfunkmarkt
Für Qualcomm stellt dieser Deal einen bedeutenden Schritt in der Diversifizierung seines Geschäftsmodells dar. Bisher ist das Unternehmen stark von der Nachfrage nach Prozessoren für Smartphones abhängig.
Dieses Segment zeigte zuletzt deutliche Schwächen: Im dritten Geschäftsquartal, das am 28. Juni endete, sank der Umsatz mit Handset-Chips im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent auf 5,08 Milliarden US-Dollar. Der Gesamtumsatz der Gruppe ging im selben Zeitraum um 4 Prozent auf 9,94 Milliarden US-Dollar zurück.
Angesichts dieser Entwicklung forciert Qualcomm den Ausbau des Nicht-Smartphone-Geschäfts. Bis zum Geschäftsjahr 2029 plant das Management, den Umsatz in diesem Bereich auf rund 40 Milliarden US-Dollar zu steigern.
Ein zentraler Pfeiler dieser Strategie ist das Segment für Rechenzentren, in dem das Unternehmen bis 2029 einen Jahresumsatz von 15 Milliarden US-Dollar anstrebt. Bereits für das Geschäftsjahr 2027 wird in diesem Sektor ein Ziel von 5 Milliarden US-Dollar avisiert.
Analysten bewerten den Markteintritt positiv
Die Analysten von RBC Capital Markets sehen in der Vereinbarung einen entscheidenden Fortschritt für Qualcomm. Sie hoben ihr Kursziel für die Aktie von 160 auf 180 US-Dollar an und betonten, dass sich das Unternehmen damit einen festen Stand im wichtigen Markt für KI-Server gesichert habe. Die Experten erwarten durch den AWS-Deal einen durchschnittlichen Zusatzumsatz von etwa 6 Milliarden US-Dollar pro Jahr über die kommende Dekade.
Bernstein-Analyst Stacy Rasgon beurteilte die Nachricht etwas zurückhaltender und bestätigte das Rating „Market Perform“ mit einem Kursziel von 165 US-Dollar. Er wies darauf hin, dass die langfristigen Wachstumsziele für das Datencenter-Geschäft zwar durch den Amazon-Deal untermauert werden, aber bereits weitgehend in den Markterwartungen eingepreist seien. Dennoch verschaffe die Zusammenarbeit der Aktie ein neues Momentum, da die Abhängigkeit von zyklischen Smartphone-Verkäufen sinke.
An der Börse wurde die Nachricht gestern mit einem Kursplus aufgenommen, wobei der Schlusskurs bei 151,14 € lag. Damit weist der Wert seit Jahresbeginn ein Plus von 2,2 % auf. Trotz der jüngsten Erholung notiert das Papier aktuell noch rund 32 % unter seinem 52-Wochen-Hoch von 222,90 €.
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