Reckitt Benckiser Aktie: Jefferies stuft auf Buy hoch

Jefferies stuft Reckitt Benckiser nach Kursverlusten hoch und sieht Potenzial. Operative Gegenwinde und Rechtsrisiken belasten jedoch weiterhin den Konsumgüterkonzern.

Felix Baarz ·

Kurz zusammengefasst

  • Jefferies hebt Aktie auf Kaufen
  • Schwache Erkältungsmittel-Nachfrage belastet
  • Portfolio-Bereinigung durch Verkauf abgeschlossen
  • Rechtliche Risiken in den USA bestehen fort

Der britische Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser steht nach einer Phase deutlicher Kursverluste im Fokus der Analysten. Während operative Herausforderungen in den Kernmärkten und saisonale Faktoren die Aktie zuletzt belasteten, mehren sich die Stimmen, die das aktuelle Bewertungsniveau als Einstiegsgelegenheit betrachten. Insbesondere eine aktuelle Hochstufung durch das Analysehaus Jefferies sorgt für neue Impulse in einem ansonsten schwierigen Marktumfeld für Konsumtitel.

Analysten-Upgrade nach deutlicher Kurskorrektur

Die Analysten von Jefferies haben ihre Einschätzung für Reckitt Benckiser am 21. Juli 2026 grundlegend revidiert. Analyst David Hayes stufte den Titel von „Hold“ auf „Buy“ hoch und hob das Kursziel von 5.600 GBp auf 5.900 GBp an. Als Begründung für diesen Schritt nannte Hayes die bereits weit fortgeschrittene Neubewertung der Aktie nach unten (Derating), die durch Sanktionen gegen Russland, regulatorische Eingriffe in China sowie einen Preiskrieg im europäischen Homecare-Bereich ausgelöst worden war.

Nach Einschätzung von Jefferies ist der Marktkonsens für das zweite Quartal sowie das gesamte Geschäftsjahr 2026 mittlerweile deutlich realistischer und weniger selbstgefällig als in der Vergangenheit. Die Bewertung neige nun verstärkt zur Oberseite, da viele der negativen Faktoren bereits eingepreist seien. Damit hebt sich die Einschätzung von Jefferies von dem allgemeinen Marktkonsens ab, der sich zuletzt eher abwartend zeigte.

Belastungsfaktor Grippesaison: Schwache Nachfrage bei Erkältungsmitteln

Trotz der optimistischen Analystenstimme sah sich der Konzern zuletzt mit operativen Gegenwinden konfrontiert. Ein ungewöhnlich milder Verlauf der Erkältungs- und Grippesaison in Europa und Nordamerika hat die Verkaufszahlen wichtiger Kernmarken gedämpft. Davon betroffen sind insbesondere Produkte wie Ibuprofen-Präparate und Halstabletten, die in der Health-Sparte des Unternehmens eine zentrale Rolle spielen.

Dieser saisonale Effekt überschattet teilweise die ansonsten solide Entwicklung der elf sogenannten „Power Brands“. Im Geschäftsjahr 2025 konnte Reckitt Benckiser hier noch ein bereinigtes Umsatzwachstum von 5 Prozent verzeichnen, das primär durch Preiserhöhungen getrieben war. Besonders stark präsentierte sich der Konzern in den Schwellenländern, in denen der Nettoumsatz um 15 Prozent zulegen konnte. Dennoch sank der freie Cashflow im Vergleich zum Vorjahr von 2,2 Milliarden Pfund auf 1,7 Milliarden Pfund, was das Management vor allem auf die Kosten für laufende Restrukturierungsmaßnahmen zurückführte.

Portfolio-Bereinigung und rechtliche Risiken

Reckitt Benckiser treibt den Umbau des Konzerns konsequent voran. Im Dezember 2025 schloss das Unternehmen die Veräußerung seines „Essential Home“-Geschäfts für 4,8 Milliarden US-Dollar ab. Diese Strategie zielt darauf ab, die Komplexität des Portfolios zu reduzieren und sich auf margenstarke Wachstumskerne zu konzentrieren. Auch die Sparte Mead Johnson, die im Bereich Säuglingsnahrung tätig ist, verzeichnete ein Umsatzplus von 3,8 Prozent, steht jedoch weiterhin im Schatten anhaltender Rechtsstreitigkeiten in den USA.

Bezüglich des geplanten Ausstiegs aus dem Geschäft mit Säuglingsnahrung gab es zuletzt keine neuen Wasserstandsmeldungen. Diese Unsicherheit sowie die allgemeinen Haftungsrisiken aus den US-Prozessen gelten als Hauptgrund für die aktuelle Bewertungslücke des Unternehmens. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (Forward P/E) von 15,6 notiert die Aktie deutlich unter ihrem historischen Durchschnitt von 20.

Einschätzungen der Bankenhäuser

Das Stimmungsbild unter den Bankenhäusern bleibt zweigeteilt, wobei die Kursziele weit auseinandergehen. Während UBS mit einem Kursziel von 7.700 GBp und einer „Buy“-Empfehlung das optimistischste Ende des Spektrums markiert, zeigen sich Häuser wie die Deutsche Bank mit einem Ziel von 5.430 GBp deutlich vorsichtiger. JPMorgan erhöhte sein Ziel in einer früheren Analyse auf 6.100 GBp, während Berenberg und Citigroup ihre Erwartungen zuletzt auf 6.200 GBp harmonisierten.

Trotz der rechtlichen Risiken wird Reckitt Benckiser von Marktbeobachtern weiterhin als klassischer defensiver Wert eingestuft. Mit einer Dividendenrendite von rund 4,5 Prozent und einer Historie von 23 Jahren ohne Dividendenskürzung bleibt der Konzern für einkommensorientierte Anleger relevant. Die nächsten detaillierten Einblicke in die Geschäftsentwicklung werden für den 29. Juli 2026 erwartet, wenn das Unternehmen seine Finanzergebnisse für das dritte Quartal vorlegt.

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Reckitt Benckiser Aktie

67,35 USD

KGV 10,43
Sektor Verbraucher defensiv
Div.-Rendite 3,15 %
Marktkapitalisierung 42,77 Mrd. USD
ISIN: GB00B24CGK77 WKN: A0M1W6

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