Redcare Pharmacy Aktie: E-Rezept treibt zweite Prognoseanhebung
Stärkere Rx-Erlöse in Deutschland erhöhen Redcares Umsatzausblick, während die bestätigte EBITDA-Marge unverändert bleibt.

Kurz zusammengefasst
- Umsatzziel für 2026 erneut angehoben
- Rx-Umsatzprognose steigt auf 730 bis 760 Millionen Euro
- EBITDA-Marge bleibt bei 2,5 bis 3,0 Prozent
- Aktie schließt mit knapp 13 Prozent Plus
Zwölf Prozent plus an einem einzigen Handelstag — so reagiert der Markt, wenn ein Unternehmen seine Jahresziele bereits zum zweiten Mal nach oben schraubt. Redcare Pharmacy profitiert von einer Dynamik, die selbst das eigene Management offenbar unterschätzt hatte.
Die niederländische Online-Apothekengruppe erwartet für 2026 nun ein Umsatzplus von 16 bis 18 Prozent, ein Prozentpunkt mehr als zuvor in Aussicht gestellt. Treiber ist das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten in Deutschland, das dank des E-Rezept-Booms kräftiger wächst als geplant.
Die Erlöse in diesem Segment sollen 2026 zwischen 730 und 760 Millionen Euro erreichen — ein Wachstum von 45 bis 51 Prozent, deutlich mehr als die zuvor kommunizierten 35 bis 43 Prozent.
Rx-Geschäft wächst, Marge bleibt starr
Im dritten Quartal legten die Rx-Umsätze in Deutschland nach vorläufigen Berechnungen um 56 Prozent zu. Das verschreibungsfreie Geschäft erholte sich nach einem schwächeren Juli in den Folgemonaten spürbar, die Prognose für dieses Segment bleibt bei 10 bis 12 Prozent Wachstum.
Unter Anlegern sorgt allerdings ein Detail für Diskussionen: Die Ebitda-Marge bestätigte Redcare unverändert bei 2,5 bis 3,0 Prozent. Wer auf eine parallele Anhebung der Profitabilität gehofft hatte, blieb also enttäuscht — trotz des kräftigeren Umsatzwachstums soll das operative Ergebnis relativ zum Umsatz nicht stärker steigen als bisher geplant.
Die Aktie kletterte im Tagesverlauf zeitweise um gut 14 Prozent und markierte mit 69,10 Euro den höchsten Stand seit Ende Juli. Zum Handelsschluss stand ein Plus von knapp 13 Prozent auf 68,20 Euro zu Buche, genug für die Spitzenposition im SDAX.
Jefferies-Analyst Martin Comtesse bezeichnete die Anhebung als „positives Signal“, das helfen dürfte, verlorenes Marktvertrauen zurückzugewinnen — der Anlagefall beruhe schließlich vor allem auf dem Deutschland-Geschäft. Er bestätigte seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 97 Euro.
Auch Konkurrent DocMorris profitierte im Kielwasser der Nachricht und legte um 5,9 Prozent zu. Im Jahresverlauf klafft zwischen beiden Werten allerdings eine Lücke: Während sich die DocMorris-Aktie mehr als verdoppelt hat, steht bei Redcare nur ein Plus von 4 Prozent. Auf längere Sicht dreht sich das Bild jedoch um — Redcare notiert klar über dem Vor-Corona-Niveau von Anfang 2020, DocMorris liegt weiterhin darunter.
Die vollständigen Zahlen zum dritten Quartal will Redcare am 29. Oktober vorlegen. Dann zeigt sich, ob die vorläufigen Wachstumsraten im Rx-Geschäft Bestand haben und ob sich die Margenfrage weiter zuspitzt.
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