Redcare Pharmacy Aktie: Rx-Umsatz springt um 58 Prozent

Redcare Pharmacy steigert Umsatz um 20 Prozent, getrieben vom deutschen Rezeptgeschäft. Trotz Wachstum notiert die Aktie nahe ihrem Jahrestief.

Redaktion Stock-World ·
Moderne, sterile Apothekenumgebung mit medizinischen Glasfläschchen in professioneller, atmosphärischer Beleuchtung. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Umsatzplus von 20 Prozent
  • Deutsches Rx-Geschäft wächst stark
  • Aktie bleibt unter Druck
  • EBITDA-Marge als mittelfristiges Ziel

Redcare Pharmacy hat am Mittwoch vergangener Woche Zahlen zum zweiten Quartal vorgelegt, die das Wachstumstempo im deutschen Rezeptgeschäft deutlich beschleunigen. Der Konzernumsatz kletterte um 20 Prozent auf 853 Millionen Euro. Besonders der Rx-Bereich in Deutschland zog stark an: Hier wuchs der Umsatz um 58 Prozent auf 180 Millionen Euro. Auf Konzernebene erreichte das gesamte Rezeptgeschäft 339 Millionen Euro, ein Plus von 34 Prozent. Die Kundenbasis wuchs auf 14,7 Millionen aktive Nutzer.

Vorstandschef Olaf Heinrich führt das Wachstum maßgeblich auf das Card-Link-Verfahren zurück, das seit Mai 2024 im Einsatz ist. Über das Verfahren können Kunden ihre Rezepte direkt in der App einlösen, Gutscheine bis zu zehn Euro pro Rezept sollen den Wechsel zusätzlich attraktiv machen. Als mittelfristiges Ziel nennt das Unternehmen eine EBITDA-Marge von über zwei Prozent.

Kurs bleibt weit vom Jahreshoch entfernt

Die operative Dynamik zeigt sich an der Börse bislang kaum. Die Aktie notiert aktuell bei 62,35 Euro und liegt damit fast 40 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 103,60 Euro, das die Titel im August vergangenen Jahres erreicht hatten. Auf Zwölfmonatssicht steht ein Kursrückgang von 37,43 Prozent zu Buche. Die Erholung vom jüngsten Tief bei 30,06 Euro Ende März hat sich zuletzt verlangsamt: Über die vergangenen 30 Tage verlor das Papier mehr als elf Prozent, ehe es sich zum Wochenstart wieder leicht erholte. Die Diskrepanz zwischen zweistelligem Umsatzwachstum und anhaltendem Kursdruck zeigt, wie skeptisch Anleger die Profitabilitätsaussichten der Online-Apotheke derzeit einschätzen.

Apothekenbranche unter Druck

Während Redcare beim Rezeptgeschäft zulegt, kämpfen klassische Apotheken in Deutschland mit wachsendem Kostendruck. Die Mindestlohnkommission hat eine Anhebung auf 14,60 Euro pro Stunde bis 2027 beschlossen. Die Freie Apothekerschaft warnt vor einer existenziellen Bedrohung für viele Betriebe, da die Vergütung für Rezepte seit 2004 kaum angehoben wurde – zuletzt gab es 2013 ein Plus von gerade 25 Cent. Vorsitzende Daniela Hänel kritisiert, dass Apotheken faktisch die Löhne ihrer Lieferanten subventionieren, während gleichzeitig die Minijob-Schwelle von 556 Euro überschritten wird und Mitarbeiter in die Sozialversicherungspflicht gedrängt werden.

Zugleich gibt es politische Signale für Entlastung. Nach dem Regierungswechsel begrüßt der Bundesverband der Apotheker den neuen Koalitionsvertrag, der einen erhöhten Festzuschlag von 9,50 Euro sowie den Wegfall des Rabattverbots vorsieht. Verbandschef Hans-Peter Hubmann fordert eine zügige Umsetzung, als Alternative wird ein Grundkostenzuschlag für Landapotheken diskutiert. Gesundheitsministerin Nina Warken soll die Reformen federführend begleiten.

Auf der technischen Seite sorgt die elektronische Patientenakte für zusätzliche Unruhe. Niedersächsische Apothekerverbände fordern stabilere E-Rezept-Systeme, nachdem wiederholte Serverausfälle in der Telematikinfrastruktur zu Lieferengpässen geführt haben. Parallel wird die Zugriffsdauer für Apotheken auf die elektronische Patientenakte von drei auf sieben Tage verlängert, künftig soll der Zugriff auch über das E-Rezept-Token möglich sein. Nach einer Umfrage haben aber erst 56 Prozent der Krankenhäuser die notwendigen IT-Updates abgeschlossen, was die Deutsche Krankenhausgesellschaft vor weiteren Verzögerungen warnen lässt.

Für Redcare Pharmacy ergibt sich daraus ein zweigeteiltes Bild: Das Kerngeschäft mit E-Rezepten wächst kräftig und profitiert vom eigenen Card-Link-Verfahren, während die Branche insgesamt mit strukturellen Kostenproblemen und einer holprigen Digitalisierung ringt. Anleger dürften in den kommenden Quartalen genau beobachten, ob sich das Umsatzwachstum auch stärker in der Profitabilität niederschlägt.

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Redcare Pharmacy Aktie

72,00 EUR

– 0,70 EUR -0,96 %
KGV —
KUV 0,47
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite —
Marktkapitalisierung 1,45 Mrd. EUR
Ø Kursziel 91,00 EUR
ISIN: NL0012044747 WKN: A2AR94

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