Redcare Pharmacy startet ins Jahr 2026 mit Gegenwind von zwei Seiten: Ein neuer, äußerst starker Wettbewerber greift das Kerngeschäft im OTC-Bereich an, gleichzeitig steht eine größere Anleiherückzahlung an. Im Mittelpunkt steht damit die Frage, wie gut das Unternehmen sein Geschäftsmodell anpassen und dabei finanziell flexibel bleiben kann.
dm als neue Konkurrenz im OTC-Geschäft
Mit dem Start der Online-Apothekenplattform „dm-med“ Mitte Dezember hat dm-drogerie markt das Wettbewerbsumfeld für Redcare spürbar verändert. Seit dem 16. Dezember 2025 bietet dm rund 2.500 rezeptfreie Produkte (OTC) online an und beliefert deutsche Kunden aus einem Logistikzentrum im tschechischen Bor.
Genau dieses Segment ist für etablierte Online-Apotheken wie Redcare ein zentraler Umsatztreiber. dm bringt dafür mehrere Vorteile mit:
- Hohe Markenbekanntheit in ganz Deutschland
- Eine bereits große, treue Kundenbasis aus dem Drogeriegeschäft
- Eingespielte Logistikstrukturen
- Finanzielle Ressourcen für mögliche Preiskämpfe
Analysten befürchten, dass die Margen im OTC-Geschäft weiter unter Druck geraten, wenn dm aggressiv über den Preis angreift. In einem Markt, in dem die Profitabilität ohnehin angespannt ist, belastet diese Aussicht die Stimmung der Anleger im gesamten Sektor – nicht nur bei Redcare.
Strategische Antwort: Fokus auf Rezepte
Das Management von Redcare reagiert, indem es den Schwerpunkt stärker auf verschreibungspflichtige Medikamente (Rx) legt – einen Bereich, in dem dm derzeit nicht aktiv ist. In den Zahlen zum dritten Quartal 2025 zeigte sich bereits eine deutliche Dynamik: Die Rx-Umsätze stiegen um mehr als 42 % auf 272 Mio. Euro, getrieben durch die laufende Einführung des elektronischen Rezepts (E‑Rezept) in Deutschland.
Parallel dazu hat Redcare seine operative Basis ausgebaut:
- Inbetriebnahme eines neuen Logistikzentrums in Tschechien im Dezember 2025
- Schnellere Lieferzeiten insbesondere nach Österreich und Süddeutschland
- Stärkerer Fokus auf ein differenziertes Angebot im verschreibungspflichtigen Bereich
Damit versucht das Unternehmen, sich aus der direkten Preiskonkurrenz im OTC-Geschäft teilweise herauszulösen und von strukturellem Wachstum im Rx-Markt zu profitieren.
Anleiherückzahlung als Belastung – aber beherrschbar
Zu den operativen Herausforderungen kommt kurzfristig eine finanzielle Verpflichtung. Am 19. Dezember 2025 teilte Redcare mit, dass Inhaber der 2021/2028-Wandelanleihe ihre Rückgaberechte im Umfang von 64,5 Mio. Euro ausgeübt haben. Die Auszahlung ist für den 21. Januar 2026 geplant.
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Diese Zahlung ist der letzte Baustein einer umfassenden Passivseite-Restrukturierung, die 2025 umgesetzt wurde:
- April 2025: Rückkauf von 157,9 Mio. Euro der ursprünglichen Wandelanleihe
- April 2025: Emission neuer Wandelanleihen über 300 Mio. Euro mit Laufzeit bis 2032
- Januar 2026: Endzahlung von 64,5 Mio. Euro an zurückgebende Anleihegläubiger
- Restvolumen: Nur noch 2,6 Mio. Euro der ursprünglichen Anleihe ausstehend
Durch dieses Refinanzierungspaket wurde das Fälligkeitsprofil der Schulden um sechs Jahre verlängert. Zum 30. September 2025 verfügte Redcare über liquide Mittel und kurzfristige Finanzanlagen von 265,6 Mio. Euro, nach 177,6 Mio. Euro Ende 2024. Damit sollte die anstehende Zahlung ohne operative Einschnitte darstellbar sein.
Geteilte Analystensicht und schwache Kursbilanz
Die Analystenlandschaft ist entsprechend gespalten. UBS bleibt vorsichtig mit einem „Neutral“-Votum und einem Kursziel von 74 Euro. Deutlich optimistischer ist die Deutsche Bank mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 214 Euro. Die breite Spanne zeigt, wie unsicher der Markt die Fähigkeit von Redcare einschätzt, Marktanteile zu verteidigen und dabei profitabel zu bleiben.
An der Börse spiegelt sich diese Unsicherheit klar wider: Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten fast die Hälfte ihres Werts eingebüßt und gehört damit zu den schwächsten Werten im MDAX. Auch Wettbewerber wie DocMorris standen 2025 unter Druck, was darauf hindeutet, dass es sich um sektorweite Belastungsfaktoren handelt.
Zuletzt gelang jedoch eine leichte Stabilisierung. Am Freitag schloss die Aktie bei 67,15 Euro. Auf Sicht von 30 Tagen ergibt sich ein Plus von rund 7 %, während der Abstand zum 52‑Wochen-Hoch mit gut 50 % weiterhin sehr deutlich bleibt.
Wichtige Termine und Stellschrauben für 2026
Für die nächsten Wochen und Monate rücken zwei Termine in den Vordergrund:
- Januar 2026: Auszahlung der Wandelanleihe-Rückzahlung über 64,5 Mio. Euro
- März 2026: Veröffentlichung des Geschäftsberichts 2025 inklusive Ausblick
Der Bericht Anfang März dürfte besonders wichtig werden. Dann wird erstmals umfassend sichtbar, wie stark dm den OTC-Umsatz von Redcare tatsächlich getroffen hat und ob die zuletzt erreichte bereinigte EBITDA-Marge von 2,4 % gehalten werden konnte. Entscheidend für den weiteren Kursverlauf 2026 werden vor allem zwei Punkte sein: die erfolgreiche Verlagerung auf das Rx-Geschäft mit Unterstützung durch das E‑Rezept und die Frage, ob der verstärkte Wettbewerb im OTC-Segment die Ertragskraft dauerhaft schmälert oder sich begrenzen lässt.
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