Renk Group Aktie: Abschied vom Gleitlager
Der verbindliche Verkauf steht noch unter Genehmigungsvorbehalt; ab dem vierten Quartal 2026 berichtet Renk ohne die Sparte.

Kurz zusammengefasst
- Gleitlagerverkauf an Miba vertraglich vereinbart
- Regulatorische Freigaben stehen noch aus
- Defense-Umsatzanteil soll bis 2030 rund 90 Prozent erreichen
- 2026-Umsatzziel liegt bei rund 1,4 Milliarden Euro
Renk trennt sich von einem Geschäft, das nie so recht zur Verteidigungsstory passte. Der Antriebsspezialist aus Augsburg hat einen verbindlichen Vertrag über den Verkauf seiner Gleitlagersparte an die österreichische Miba AG geschlossen. Die Mitteilung kam in der Nacht auf Donnerstag und unterstreicht den Kurs, den das Management Ende 2025 vorgegeben hat.
Fokus auf Defense
Der Kaufpreis liegt laut Unternehmen im unteren bis mittleren dreistelligen Millionenbereich. Renk wertet das als Beleg für die Werthaltigkeit des Geschäfts. Die Parteien haben ansonsten Stillschweigen vereinbart, die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt üblicher regulatorischer Genehmigungen.
Die Sparte fertigt standardisierte Gleitlager für Elektromotoren, Generatoren und Pumpen, vor allem für industrielle und zivile Märkte. Sie sitzt in Hannover und läuft seit Oktober 2025 als eigenständige Gesellschaft unter dem Namen RENK Bearings GmbH. Der Schritt zur Abspaltung war damit absehbar.
CEO Alexander Sagel spricht von einer konsequenten Umsetzung der Sektorenstrategie. Bis 2030 soll der Anteil des Defense-Geschäfts am Umsatz auf rund 90 Prozent steigen. Kapital und Kapazitäten sollen gezielter in Verteidigungslösungen für Land und See fließen. Das zivile Geschäft der Division Marine & Industry bleibt unberührt, es ist produktionsseitig eng mit dem Rüstungsbereich verzahnt.
Neue Berichtsbasis für 2026
Buchhalterisch ändert sich einiges. Ab dem vierten Quartal 2026 weist Renk die Sparte nach IFRS 5 als nicht fortgeführten Geschäftsbereich aus. Die Guidance bezieht sich künftig nur noch auf die Divisionen Vehicle Mobility Solutions und Marine & Industry.
Für 2026 peilt der Konzern auf dieser Basis einen Umsatz von rund 1,4 Milliarden Euro an. Das bereinigte EBIT soll zwischen 240 und 255 Millionen Euro liegen. Die Zahlen sind also nicht mit früheren Prognosen vergleichbar, weil das Gleitlagergeschäft herausgerechnet ist.
Miba sieht sich als passenden Käufer. Das Unternehmen will die Technologie vor allem für Energiewende und Elektrifizierung nutzen, etwa für Wind- und Solareinspeisung oder die Stromversorgung von KI-Rechenzentren.
An der Börse hatte die Aktie zuletzt rund 37,55 Euro gekostet. Auf Sicht von drei Monaten steht ein deutliches Minus, während die jüngste Woche rund zehn Prozent Plus brachte. Die vier zuletzt erfassten Analysten sehen Kursziele zwischen 50 und 72 Euro. Ob der Verkauf diese Lücke verkleinert, entscheidet sich auch daran, wie Renk den Erlös einsetzt. Konkrete Pläne dazu nennt das Unternehmen bislang nicht.
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