Rheinmetall Aktie: 20 Milliarden Auftragsvolumen platzt
Rheinmetall verliert F126-Fregatten-Auftrag an ThyssenKrupp und stoppt Stellenaufbau. Ein Raketen-Joint Venture mit Lockheed Martin soll die Verluste ausgleichen.

Kurz zusammengefasst
- Bundesregierung bevorzugt ThyssenKrupp
- Einstellungsstopp für 1.000 Marine-Jobs
- Raketen-Joint Venture mit Lockheed Martin
- Artilleriegeschäft mit NATO-Auftrag brummt
Die Auftragsbücher sind voll. Dennoch kassierte Rheinmetall auf hoher See einen harten Rückschlag. Die Bundesregierung hat dem Konzern beim Bau der F126-Fregatten eine klare Absage erteilt. Nun zieht die Führungsebene die Notbremse. Das Unternehmen stoppt den Aufbau von rund 1.000 Arbeitsplätzen in der Marinesparte.
Schwerer Schlag für den Schiffbau
Der Einstellungsstopp trifft den Konzern an einem wunden Punkt. Nach der Übernahme von Naval Vessels Lürssen wollte Rheinmetall den deutschen Schiffbau dominieren. Berlin gab nun allerdings ThyssenKrupp Marine Systems den Vorzug. Die Folge: Ein massiver finanzieller Einschnitt.
Das erwartete Auftragsvolumen bricht im zweiten Quartal um geschätzte 20 Milliarden Euro ein. Für das Gesamtjahr rechnet das Management mit Umsatzeinbußen von bis zu 300 Millionen Euro. Der Konzern prüft seine Kapazitäten in der Marinesparte nun sehr genau.
Raketen-Allianz mit den USA
Als Ausgleich forciert Vorstandschef Armin Papperger das Wachstum an anderer Stelle. Am Rande des NATO-Gipfels unterschrieb er am Dienstag eine Absichtserklärung mit Lockheed Martin. Die Partner planen ein Joint Venture in Unterlüß. Dort sollen künftig ATACMS-Kurzstreckenraketen vom Band rollen.
Es ist die erste Fertigungsstätte für dieses System außerhalb der USA. Ab 2027 plant das Bündnis die Produktion von Raketenmotoren in Niedersachsen. Damit positioniert sich Rheinmetall als zentraler Knotenpunkt für NATO-Präzisionswaffen in Europa.
Artilleriegeschäft brummt weiter
Parallel dazu läuft das Kerngeschäft auf Hochtouren. Ein NATO-Staat bestellte jüngst tausende Artilleriegeschosse für die Ukraine. Der Auftrag im mittleren zweistelligen Millionenbereich steht bereits fest in den Büchern.
Tochterfirmen in Spanien und Deutschland fertigen die Munition. Bis April 2027 will Rheinmetall die komplette Order ausliefern. Langfristig plant der Konzern bis zum Jahr 2030 eine jährliche Kapazität von 1,5 Millionen Geschossen.
Blick auf die Börse
Am Aktienmarkt spiegelt sich diese Zweiteilung deutlich wider. Die Papiere beendeten den Dienstagshandel bei gut 1.116 Euro. Das entspricht einem Wochenplus von knapp sechs Prozent. Auf Jahressicht notiert der Titel jedoch rund 30 Prozent im Minus.
Die Schweizer Großbank UBS bleibt indes optimistisch. Sie bestätigte ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 1.600 Euro. Die Analysten verweisen auf intakte Verteidigungstrends und starke Quartalszahlen zum Jahresauftakt.
Aktionäre blicken nun auf den 6. August 2026. An diesem Tag veröffentlicht das Management den Bericht zum zweiten Quartal. Dann wird der Vorstand auch detailliert erklären, wie er das Fregatten-Aus kompensiert. Hinzu kommt eine aktualisierte Jahresprognose, die neue Impulse für die Aktie liefern wird.
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