Rheinmetall Aktie: 24,72 Prozent seit Juni-Tief

Rheinmetalls Aktie erholt sich um 24,7 Prozent vom Jahrestief, bleibt aber weit unter dem Höchststand. Ein geplatzter Großauftrag belastet die langfristige Perspektive.

Redaktion Stock-World ·
Abstrakte Darstellung der Verteidigungsindustrie mit einem Gefühl von Wachstum und strategischem Fortschritt, durch eine aufsteigende Lichtbahn symbolisiert. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Kurserholung von über 24 Prozent
  • Geplatzter F126-Fregatten-Auftrag belastet
  • Sektorweite Neubewertung durch Thales-Übernahme
  • NATO-Gipfel als Hoffnungsträger

Ein Kurssprung von mehr als 15 Prozent in einer Woche – und ein Konzernchef, der öffentlich über eine geplatzte Milliarden-Order klagt. Bei Rheinmetall widersprechen sich Kursverlauf und Nachrichtenlage gerade auf faszinierende Weise. Die Aktie klettert, doch die Narben der Vergangenheit bleiben sichtbar.

Am Montag stieg das Papier um 2,61 Prozent auf 1.125,60 Euro. Die Erholung seit dem Tiefpunkt ist bemerkenswert.

Am 25. Juni markierte die Aktie bei 902,50 Euro ihr 52-Wochen-Tief. Seitdem hat sich der Kurs um 24,72 Prozent erholt.

Der Blick auf die längere Frist dämpft die Euphorie aber deutlich. Seit Jahresanfang notiert die Aktie mit 29,72 Prozent im Minus. Zum 52-Wochen-Hoch von 1.995,00 Euro fehlen noch 43,58 Prozent.

Das Erbe der „Schmuddelecke“

Konzernchef Armin Papperger nutzte den Welt-Sicherheitsgipfel in Berlin heute für einen bemerkenswerten Rückblick. Er erinnerte an die Merkel-Ära, in der die Rüstungsindustrie als Schmuddelkind galt. Im Ernstfall, so die damalige Devise, rufe man eben die Amerikaner an.

Diese Zeiten sind vorbei. Die Branche gilt heute als Krisengewinner. Der Krieg in der Ukraine und die Eskalation im Nahen Osten treiben die Nachfrage.

Der Weg vom Ausgestoßenen zum Systemträger verläuft trotzdem nicht geradlinig. Das zeigen die gescheiterten Verhandlungen mit der Bundesregierung über den Bau der F126-Fregatten. Papperger nannte die Absage einen „Schlag“, der Rheinmetall unvorbereitet traf.

Genau dieser Rückschlag erklärt, warum die Aktie trotz der jüngsten Rallye noch weit von ihren alten Höchstständen entfernt bleibt. Politische Versprechen und industrielle Realität laufen eben nicht immer synchron.

Ankara und die Marktstimmung

Kein eigener Erfolg treibt den heutigen Kursgewinn an. Eine sektorweite Neubewertung bewegt stattdessen den gesamten Rüstungsmarkt.

Der französische Konkurrent Thales übernimmt den Unterwasserdrohnen-Spezialisten Exail Technologies für 3,9 Milliarden Euro. Der gezahlte Aufschlag liegt bei 44 Prozent. Wenn Investoren solche Prämien für Nischenanbieter zahlen, färbt das zwangsläufig auch auf Schwergewichte wie Rheinmetall ab.

Parallel dazu blickt die Industrie auf den morgen beginnenden NATO-Gipfel in Ankara. Kanzler Merz will im Gespräch mit US-Präsident Trump die deutschen Verteidigungsausgaben als Beleg europäischer Handlungsfähigkeit präsentieren. Geplant sind 124 Milliarden Euro. Bis 2029 sollen zudem etwa 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung und Infrastruktur fließen.

Diese Zusagen sollen die aktuelle Marktkapitalisierung von 50,89 Milliarden Euro mittelfristig stützen. Sie bleiben aber ein Versprechen auf Jahre hinaus. Ein sofortiger Auftragsschub ist das nicht.

Charttechnik zeigt Beruhigung

Der Relative-Stärke-Index steht exakt bei 50,0. Das ist ein Lehrbuchwert für eine neutrale Zone nach einer Phase extremer Ausschläge.

Zum 50-Tage-Durchschnitt von 1.192,77 Euro fehlen der Aktie noch 5,63 Prozent.

Zum 200-Tage-Durchschnitt von 1.535,13 Euro klafft die Lücke bei 26,68 Prozent. Die annualisierte Volatilität liegt bei 69,62 Prozent auf Sicht von 30 Tagen. Ruhe sieht anders aus.

Wolfgang Ischinger warnte kürzlich, Europa dürfe nicht zu viele US-Waffen kaufen. Stattdessen müsse der Kontinent in die eigene Industrie investieren. Genau auf diesen Rückenwind setzen Rheinmetall-Anleger gerade.

Die F126-Absage mahnt trotzdem zur Vorsicht. Das Geld in der Verteidigungspolitik sitzt zwar lockerer. Einzelne Aufträge bleiben aber hart umkämpft und politisch heikel.

Rheinmetall ist zurück in der Mitte der Gesellschaft. Das bedeutet volle Sichtbarkeit bei jeder parlamentarischen und haushälterischen Entscheidung, die den nächsten Großauftrag betrifft.

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Rheinmetall Aktie

949,10 EUR

– 55,50 EUR -5,52 %
KGV 39,02
KUV 3,82
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 1,15 %
Marktkapitalisierung 44,24 Mrd. EUR
Ø Kursziel 1.552,24 EUR
ISIN: DE0007030009 WKN: 703000

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