Rheinmetall Aktie: 25,3 Mrd. Euro Auftragsbestand

Rheinmetall verzeichnet starkes Umsatz- und Gewinnwachstum, senkt aber die Jahresprognose wegen des F126-Ausfalls. Der Aktienkurs bleibt deutlich unter dem Rekordhoch.

Redaktion Stock-World ·
Industrielle Fertigungshalle mit Präzisionsbauteilen und technischer Ausrüstung in atmosphärischem Licht. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Umsatzplus von 39 Prozent im Halbjahr
  • Operatives Ergebnis steigt um 74 Prozent
  • Prognose wegen F126-Stornierung gesenkt
  • Auftragsbestand wächst auf 25,3 Milliarden Euro

Rheinmetall notiert am Montag bei 1.151,60 Euro. Der Rüstungskonzern hat sich damit von seinem Tief kräftig erholt: Innerhalb der vergangenen 30 Tage legte die Aktie um 15,93 Prozent zu. Zum Rekordhoch vom 3. Oktober 2025 bei 2.007 Euro fehlen dem Titel aber weiterhin 42,62 Prozent. Diese Lücke zeigt, wie stark die Aktie trotz operativer Bestwerte unter Druck geraten ist – und sie ist der Ausgangspunkt für die Frage, wie der Markt die jüngsten Unternehmenszahlen tatsächlich einordnet.

Rekordzahlen treffen auf Prognosesenkung

Am vergangenen Donnerstag hatte Rheinmetall seinen Halbjahresbericht vorgelegt. Der Konzernumsatz kletterte im ersten Halbjahr um 39 Prozent auf 5.227 Millionen Euro, das operative Ergebnis stieg um 74 Prozent auf 786 Millionen Euro. Im zweiten Quartal allein legte das operative Ergebnis sogar um 115 Prozent auf 562 Millionen Euro zu. Der Gewinn je Aktie verdoppelte sich fast, von 4,69 Euro im Vorjahreshalbjahr auf 8,43 Euro.

Gleichzeitig musste der Konzern seine Umsatzprognose für 2026 kürzen, von zuvor höheren Erwartungen auf nun 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro. Grund ist die Stornierung des F126-Fregattenprogramms, die allein rund 300 Millionen Euro Umsatz kostet. Die Sparte Naval Systems hatte vor gut einer Woche noch die Fregatte GMF 140 präsentiert – die Aktie verlor seither 4,4 Prozent. Die operative Marge soll trotz des Ausfalls bei rund 19 Prozent liegen, was die Substanz der übrigen Sparten unterstreicht.

Auftragsbestand wächst auf mehr als 25 Milliarden Euro

Der Auftragsbestand des Konzerns erreichte zum 30. Juni 25.274 Millionen Euro, ein Plus von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Getragen wird dieses Wachstum von einem Munitionsauftrag aus Rumänien im Rahmen des EU-Programms SAFE, von Panzermunitionsaufträgen aus Polen sowie von Artilleriesystemen für Deutschland. Die Sparte Weapon and Ammunition steuerte 1.800 Millionen Euro Umsatz bei, ein Plus von 33 Prozent, ihr operatives Ergebnis verdoppelte sich auf 280 Millionen Euro.

Besonders dynamisch entwickelt sich die Flugabwehr: Der Auftragsbestand der Division Air Defence mit den Systemen Skyranger und Skynex versechsfachte sich auf 1.500 Millionen Euro, der Umsatz stieg um 62 Prozent auf 478 Millionen Euro. Die größte Sparte bleibt Vehicle Systems mit 2.431 Millionen Euro Umsatz und einem Plus von 28 Prozent – sie steht damit für fast die Hälfte des Konzernumsatzes, ihr eigener Auftragsbestand liegt bei 6.700 Millionen Euro.

Ein Blick zurück auf den April zeigt, dass dieses Momentum nicht neu ist: Am 22. April hatte die Bundeswehr mit Rheinmetall einen milliardenschweren Rahmenvertrag für das Lenkflugkörper- und Drohnenprogramm FV-014 geschlossen. Die erste Abrufmenge umfasste brutto rund 300 Millionen Euro, die Lieferungen sollen ab der ersten Jahreshälfte 2027 beginnen, optional ist eine fünfstellige Zahl autonomer Aufklärungs- und Kampfdrohnen vorgesehen.

Kapitalbindung drückt auf den Cashflow

Der operative Free Cashflow rutschte im ersten Halbjahr auf minus 1.616 Millionen Euro, nach minus 631 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Konzern begründet den Rückgang um 985 Millionen Euro mit einer zeitlichen Verschiebung von Anzahlungen und mit laufenden Kapazitätserweiterungen. Parallel dazu wächst die Bedeutung des Heimatmarkts: 38 Prozent des Umsatzes entfielen im ersten Halbjahr auf deutsche Kunden, nach 33 Prozent im Vorjahr.

Gegen den Trend der Kursverluste kauften Medienberichten zufolge in den vergangenen drei Monaten mehrere Rheinmetall-Insider Aktien im Gesamtvolumen von rund 17,4 Millionen Euro – ausschließlich Käufe, keine Verkäufe. Fünf Insider stockten demnach ihre Bestände auf, obwohl der Kurs im selben Zeitraum um mehr als ein Fünftel nachgegeben hatte. Für Anleger bleibt damit ein Spannungsfeld: Operatives Wachstum und ein prall gefüllter Auftragsbestand stehen einem Kurs gegenüber, der seine Herbsthöchststände noch lange nicht wieder erreicht hat.

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