Rheinmetall Aktie: 300 Millionen Euro wegen F126-Ausfall
Rheinmetall reduziert Jahresziele wegen F126-Aus, verzeichnet aber starkes Q2-Wachstum. Der Markt honoriert die operative Leistung trotz gesenkter Prognose.

Kurz zusammengefasst
- Umsatzprognose auf 13,7 bis 14,2 Mrd. Euro gesenkt
- F126-Verlust kostet rund 300 Mio. Euro Umsatz
- Q2-Umsatz steigt um 69 Prozent
- Auftragsbestand wächst auf 80 Mrd. Euro
Rheinmetall hat am Donnerstag vergangener Woche seine Umsatzprognose für das laufende Jahr auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro gesenkt. Grund ist der Verlust des Fregattenprojekts F126, der den Konzern mit rund 300 Millionen Euro Umsatzausfall belastet.
Das Bundesverteidigungsministerium hatte sich nach jahrelangen Verzögerungen und Kostenexplosionen für die kleinere MEKO-A-200-DEU-Variante des Konkurrenten TKMS entschieden. Der Bundestagshaushaltsausschuss hatte den Kauf von vier solchen Fregatten samt Option auf vier weitere bereits Anfang Juli gebilligt.
Die Aktie notiert aktuell bei 1.181,40 Euro und legte am heutigen Handelstag um 0,5 Prozent zu. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Plus von 21 Prozent, seit Jahresbeginn liegt das Papier dagegen mit 24 Prozent im Minus. Der Markt scheint die operative Stärke des Konzerns trotz der eingetrübten Guidance zunehmend zu honorieren.
Operatives Geschäft wächst trotz Rückschlag deutlich
Die Zahlen zum zweiten Quartal zeigen, warum Anleger trotz der Prognosesenkung nicht in Panik verfallen. Der Umsatz kletterte um 69 Prozent auf 3.289 Millionen Euro, das operative Ergebnis mehr als verdoppelte sich auf 562 Millionen Euro.
Die operative Marge stieg von 13,4 auf 17,1 Prozent. Für das erste Halbjahr insgesamt weist Rheinmetall einen Umsatz von 5.227 Millionen Euro aus, ein Plus von 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einer operativen Marge von 15,0 Prozent.
Der Auftragsbestand wuchs parallel auf 80 bis 80,5 Milliarden Euro, ein Anstieg von 44 Prozent. Rund 70 Prozent davon sind bereits Festaufträge, die Book-to-Bill-Ratio liegt über 3 – der Konzern nimmt also deutlich mehr neue Aufträge an, als er abarbeitet.
Für das Gesamtjahr peilt das Management weiterhin eine operative Marge von rund 19 Prozent an, bei einer Cash-Conversion-Rate von über 40 Prozent. Die Dividende soll um 36 Prozent auf 15,60 Euro pro Aktie steigen.
Ein Schatten auf die Bilanz fällt beim operativen freien Cashflow: Er lag im ersten Halbjahr bei minus 1.660 Millionen Euro, nach minus 644 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Rheinmetall begründet dies mit dem Aufbau von Lagerbeständen und einem erhöhten Working Capital zur Umsatzsteigerung – eine bewusste Investition in künftiges Wachstum, aber ein Belastungsfaktor für die kurzfristige Liquidität.
Neue Aufträge und ein CEO unter Polizeischutz
Auch operativ lief zuletzt einiges zusammen. Ende Juli erhielt Rheinmetall von der Bundeswehr einen Auftrag über 100 Millionen Euro zur Digitalisierung von Fahrzeugflotten im Rahmen des D-LBO-Projekts, eingebettet in Rahmenverträge mit einem Volumen von rund 1,2 Milliarden Euro.
Ende Mai hatte der Konzern bereits einen Abruf aus einem 2024 geschlossenen Rahmenvertrag über bis zu 6.500 Fahrzeuge erhalten – konkret über 2.000 militärische Transportfahrzeuge im Wert von knapp über einer Milliarde Euro.
Abseits der Zahlen sorgt die Sicherheitslage um CEO Armin Papperger für Schlagzeilen. Wie dpa und weitere Leitmedien berichten, steht der 63-Jährige wegen möglicher russischer Mordpläne unter Polizeischutz, der dem Schutzniveau für den Bundeskanzler entspricht. Personenschützer begleiten ihn auch in der Düsseldorfer Konzernzentrale.
Zudem brannte laut dpa sein Gartenhäuschen ab, vor seinem Haus kam es zu Demonstrationen. Die Vorfälle unterstreichen, wie stark der Rüstungskonzern inzwischen im Zentrum geopolitischer Spannungen steht – ein Umstand, der das Geschäft treibt, aber auch persönliche Risiken für die Unternehmensspitze mit sich bringt.
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