Rheinmetall Aktie: 30,86 Prozent Minus seit Jahresbeginn

Der Bund plant 1,4 Milliarden Euro weniger für Munition ein. Rheinmetall setzt nun verstärkt auf Luftabwehr und Marineschiffbau als Ausgleich.

Eduard Altmann ·
Rheinmetall Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Weniger Geld für Munition im Bundeshaushalt
  • Fokuswechsel zu Drohnen und digitaler Kriegsführung
  • Fregatten-Aus und China-Restriktionen belasten zusätzlich
  • Luftabwehrsystem Skyranger als neues Standbein

Berlin greift dort, wo es für Rheinmetall besonders wehtut: bei der Munition. Der Haushaltsentwurf für 2027 sieht nach Bloomberg-Berichten vom Montag nur noch 9,6 Milliarden Euro für Munitionsbeschaffung vor – 1,4 Milliarden weniger als die 11 Milliarden Euro, die 2026 eingeplant waren. Für den Düsseldorfer Rüstungskonzern, dessen Wachstumsstory maßgeblich auf steigenden Munitionsaufträgen fußt, ist das ein Dämpfer.

Kürzung mit Ansage, Wachstum trotzdem geplant

Von den 9,6 Milliarden Euro sollen 7,7 Milliarden aus dem regulären Kernhaushalt stammen, weitere 1,9 Milliarden aus dem Sondervermögen der Bundeswehr. Der gesamte Verteidigungsetat für 2027 liegt laut den Angaben bei 109,7 Milliarden Euro. Bloomberg betont zugleich, dass die deutschen Gesamtverteidigungsausgaben bis 2030 weiter steigen sollen – die Prioritäten verschieben sich jedoch spürbar. Berlin setzt zunehmend auf Drohnen, Luftabwehr und digitale Kriegsführung statt auf klassische Artilleriemunition, wie mehrere Medien übereinstimmend berichten. Für Rheinmetall bedeutet das: Das bisherige Kerngeschäft wächst langsamer als erhofft, während neue Geschäftsfelder erst noch bewiesen werden müssen.

Die Aktie trägt diese Unsicherheit bereits seit Monaten mit. Seit Jahresbeginn hat das Papier laut Marktdaten 30,86 Prozent verloren – ein Einbruch, der die Kürzungspläne allein nicht erklärt, aber durch sie zusätzliche Nahrung erhält.

Fregatten-Aus und Exportbremse aus China verschärfen den Druck

Zur Haushaltskürzung gesellen sich weitere Belastungen. Ende Juni strich Deutschland das F126-Fregattenprogramm, an dem Rheinmetall über die im März übernommene NVL-Werftengruppe beteiligt war. Die Aktie brach daraufhin an einem einzigen Handelstag um 18,7 Prozent ein, was einem Marktwertverlust von mehr als 8 Milliarden Euro entsprach. Rheinmetall stoppte danach eigene Pläne, rund 1.000 zusätzliche Stellen im Marinegeschäft zu schaffen. Der niederländische Werftkonzern Damen hat wegen der geplatzten Vereinbarung inzwischen Klage gegen die Bundesregierung eingereicht.

Hinzu kommen chinesische Exportbeschränkungen, die Rheinmetall zusätzlich belasten, wie es in Berichten rund um den Haushaltsentwurf heißt. Details zum Umfang der Beschränkungen werden dabei nicht genannt, die Marktreaktion auf die Kombination aus Fregatten-Aus, China-Restriktionen und Munitionskürzung fiel dennoch deutlich aus.

Luftabwehr und Marineschiffbau als Gegengewicht

Nicht alle Nachrichten der vergangenen Tage fallen negativ aus. In Zürich-Oerlikon baut Rheinmetall nach eigenen Angaben eines der modernsten Luftabwehrsysteme der Welt: den Skyranger beziehungsweise das Skynex-System. Die Schweiz plant rund 992 Millionen Dollar für entsprechende Systeme, Österreich hat 36 Skyranger-30-Türme bestellt. Rheinmetall weitet die Produktionskapazität in Oerlikon von bislang 70 bis 100 auf künftig 400 Türme pro Jahr aus – ein Signal, dass die Nachfrage nach Luftabwehr die schwächelnde Munitionsnachfrage teilweise kompensieren könnte.

Auch im Marineschiffbau bleibt Rheinmetall im Spiel: Nachdem sich der Wettbewerber TKMS aus dem Bieterverfahren um die German Naval Yards Kiel zurückgezogen hat, ist Rheinmetall dort nun der einzige verbliebene Interessent.

Kurs erholt sich, Analysten überwiegend zuversichtlich

Trotz der Belastungen hat sich die Aktie zuletzt etwas stabilisiert. Sie notiert aktuell bei 1.073,40 Euro und legt am heutigen Dienstag um 1,28 Prozent zu. Vom 52-Wochen-Tief bei 902,50 Euro, das erst kürzlich markiert wurde, liegt der Kurs damit knapp 19 Prozent entfernt – ein Hinweis darauf, dass die schlimmsten Verkaufswellen vorerst ausgelaufen sein könnten, auch wenn das Papier vom Rekordhoch aus dem Oktober noch weit entfernt bleibt.

Die Analystengemeinde bleibt trotz der jüngsten Rückschläge mehrheitlich optimistisch: 23 von 27 Häusern raten weiterhin zum Kauf, nur vier zum Halten. Der Börsenwert des Konzerns liegt bei rund 48 Milliarden Euro – vor Beginn des Ukraine-Kriegs waren es nach Angaben aus Bloomberg-Berichten lediglich 4,2 Milliarden Euro gewesen. Diese Diskrepanz zeigt, wie sehr die Aktie trotz der aktuellen Kürzungsdebatte noch immer von der grundsätzlichen Aufrüstungsdynamik in Europa profitiert. Ob die Verschiebung hin zu Drohnen und Luftabwehr das wegfallende Munitionsgeschäft ausgleichen kann, dürfte für Anleger die entscheidende Frage der kommenden Quartale bleiben.

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Div.-Rendite 0,95 %
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ISIN: DE0007030009 WKN: 703000

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