Rheinmetall Aktie: 32 Prozent Verlust seit Jahresbeginn
Rheinmetall meldet US-Aufträge und Investitionen, während Kursverluste, Branchensorgen und unterschiedliche Analystenziele die Aktie belasten.

Kurz zusammengefasst
- Aktie verliert 32 Prozent seit Jahresbeginn
- US Navy bestellt Ersatzkomponenten
- 270 Millionen Euro für Kasseler Zentrum
- Deutsche Bank bestätigt Kaufempfehlung
Rheinmetall bleibt operativ auf Kurs, doch die Aktie kommt nicht aus der Defensive. Am Dienstag legte das Papier um 2,7 Prozent zu und schloss bei 1.050,00 Euro – nach Wochen mit deutlichen Verlusten ein kleines Lebenszeichen. Auf Monatssicht steht dennoch ein Minus von 8,3 Prozent, seit Jahresbeginn hat die Aktie 32 Prozent verloren.
Neue Aufträge aus den USA und von Kongsberg
Operativ liefert Rheinmetall weiter ab. Das Unternehmen teilte mit, Ersatzkomponenten für mobile Luftstartgeräte der U.S. Navy zu liefern. Zudem erhielt die Tochter American Rheinmetall von Kongsberg Defence & Aerospace einen Auftrag für bearbeitete Komponenten des MCT-30-Turms, der das ACV-30-Programm des US Marine Corps unterstützt.
Bereits Anfang der Woche hatte American Rheinmetall den ersten von acht Lynx-XM30-Prototypen an die U.S. Army übergeben – der Startschuss für das behördliche Entwicklungs- und Leistungstestprogramm des Fahrzeugs.
Parallel dazu treibt Rheinmetall den Ausbau der eigenen Infrastruktur voran. Für Kassel kündigte der Konzern eine Investition von 270 Millionen Euro für ein neues Logistik- und Technologiezentrum in Nordhessen an. In Neuss plant Rheinmetall zudem ein Technologiezentrum mit Investitionen von 250 Millionen Euro, an dem rund 500 Wissenschaftler arbeiten sollen.
Warum die Aktie trotzdem unter Druck steht
Der Auftragsfluss allein stützt den Kurs derzeit kaum. Medienberichten zufolge lastet auf der Aktie eine Diskussion um den sinkenden Stellenwert klassischer Munition gegenüber Drohnentechnologie, hinzu kommt der Ärger über die verpasste Fregattenchance im F126-Programm.
Auch Berichte über Brandstiftungen bei Rüstungsunternehmen in München belasteten zuletzt die Stimmung im gesamten deutschen Verteidigungssektor, ein direkter Bezug zu Rheinmetall selbst ließ sich dabei allerdings nicht als bestätigtes Unternehmensereignis feststellen.
Die Marktdaten unterstreichen den Vertrauensverlust der vergangenen Monate. Mit einem Abstand von 48 Prozent zum 52-Wochen-Hoch aus Anfang Oktober notiert die Aktie tief unter ihren früheren Ständen, während sie sich mit 16 Prozent Abstand zum 52-Wochen-Tief zumindest von den Tiefstständen entfernt hat. Der Relative-Stärke-Index von 40 signalisiert dabei keine überverkaufte, aber schwache Marktlage.
Deutsche Bank bleibt optimistisch
Unter den Analysten sorgte am 1. September ein Kursziel für Aufsehen: Deutsche Bank Research bestätigte an diesem Tag das Rating Buy mit einem Kursziel von 1.800 Euro – deutlich über dem aktuellen Kursniveau. Einen Tag später stufte MWB Research die Aktie auf Hold hoch, mit einer im Vergleich deutlich zurückhaltenderen Kurszielangabe von 1.050,00 Euro.
Die Spanne der Einschätzungen zeigt, wie unterschiedlich die Aussichten für Rheinmetall derzeit bewertet werden. Operativ liefert der Konzern mit den Aufträgen aus den USA und den Investitionsplänen in Kassel und Neuss weiter Substanz. Ob das reicht, um das verlorene Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, bleibt angesichts der sektorweiten Belastungsfaktoren die entscheidende Frage für die kommenden Wochen.
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