Rheinmetall Aktie: 345,67 Millionen Dollar F126-Loch

Rheinmetall verzeichnet im zweiten Quartal ein deutliches Umsatzplus, senkt jedoch wegen des F126-Aus die Jahresziele. Der Auftragsbestand erreicht ein Rekordhoch.

Redaktion Stock-World ·
Modernes Kriegsschiff bei Dämmerung in nebliger Atmosphäre als Symbol für Verteidigungsindustrie und maritime Sicherheit. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Umsatzsprung um 70 Prozent im Q2
  • Jahresprognose wegen F126-Aus gekappt
  • Rekordauftragsbestand von 80,47 Milliarden Euro
  • Bundeswehr-Aufträge kompensieren Fregatten-Verlust

Rheinmetall hat für das zweite Quartal 2026 einen kräftigen Umsatzsprung gemeldet – und musste im gleichen Atemzug die Jahresprognose kappen. Grund ist das geplatzte Fregatten-Programm F126, das dem Düsseldorfer Rüstungskonzern nach eigenen Angaben einen Umsatzverlust von 345,67 Millionen Dollar einbrockt. Anleger reagierten am Freitag verhalten: Die Aktie schloss bei 1.145,40 Euro und gab damit nur 0,40 Prozent nach.

Rekordauftragsbestand trotz gekappter Prognose

Im zweiten Quartal legte der Umsatz um knapp 70 Prozent auf 3,29 Milliarden Euro zu, das operative Ergebnis verdoppelte sich mehr als auf 562 Millionen Euro. Für das gesamte erste Halbjahr weist Rheinmetall 5,227 Milliarden Euro Umsatz aus, ein Plus von 39,42 Prozent, bei einem operativen Ergebnis von 786 Millionen Euro. Unter dem Strich blieb im Halbjahr ein Nettoergebnis von 233 Millionen Euro.

Der Auftragseingang im Quartal schoss auf 11,37 Milliarden Euro nach 1,98 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Der Auftragsbestand kletterte auf ein Rekordniveau von 80,47 Milliarden Euro, ein Zuwachs von 43,76 Prozent. Trotz dieser Dynamik senkte der Konzern seine Umsatzprognose für 2026 auf eine Spanne von 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro, zuvor hatte das Management 14 bis 14,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Zusätzlich belasten die verschobene Wiederaufrüstung der Ukraine und Unsicherheiten rund um das deutsche Verteidigungsbudget die Aussichten. Die Nettofinanzverschuldung stieg auf 2,722 Milliarden Euro, der freie Cashflow rutschte auf minus 1,66 Milliarden Euro.

Bundeswehr soll die Lücke füllen

Während das Fregatten-Geschäft wegbricht, springt die Bundeswehr an anderer Stelle kräftig ein. Für Dezember 2026 ist ein Rahmenvertrag über gepanzerte Fahrzeuge im Rahmen des Projekts Arminius geplant, der zunächst 25 Milliarden Euro umfasst und auf bis zu 75 Milliarden Euro aufgestockt werden kann. Rheinmetall soll davon 12,4 Milliarden Euro erhalten, den Rest teilt sich der Partner KNDS. Insgesamt geht es um 1.800 Boxer-Transportpanzer, inklusive der Varianten Skyranger und RCH-155. Für 2027 ist zudem eine dritte Charge des Schützenpanzers Puma im Volumen von 5 Milliarden Euro vorgesehen, mit dem Ziel, die Flotte auf 600 von insgesamt geplanten 1.000 Fahrzeugen auszubauen. Ab 2027 will Rheinmetall zudem mit der Produktion des Raketensystems ATACMS in Deutschland beginnen.

Konkreter wurde es am Freitag bereits bei einem kleineren, aber unmittelbar wirksamen Auftrag: Rheinmetall und KNDS erhalten den Zuschlag für 69 weitere Boxer-Radschützenpanzer vom Typ RCT-30, in Deutschland als „Schakal“ bekannt. Das Volumen liegt bei rund 650 Millionen Euro, 35 Fahrzeuge gehen an die Bundeswehr, 34 an die Niederlande. Eine bestehende Option wird damit auf insgesamt 222 Fahrzeuge erweitert.

Vorstoß im Marinegeschäft gegen TKMS

Parallel zum Landgeschäft baut Rheinmetall seine Marinesparte aus und tritt damit zunehmend in Konkurrenz zum Wettbewerber TKMS. Mit der im März vereinbarten Übernahme der Lürssen-Sparte NVL sichert sich der Konzern vier Werften in Norddeutschland mit rund 2.100 Beschäftigten und einem Umsatz von etwa 1,3 Milliarden Euro im Jahr 2025 bei einer Marge von rund 10 Prozent. Bis 2030 soll der Marineumsatz auf etwa 5 Milliarden Euro steigen, bei einer Zielmarge von 15 Prozent. Brisant: Anstelle der gestrichenen sechs F126-Fregatten plant Deutschland nun acht Fregatten vom Typ MEKO A200 – just von TKMS, jenem Anbieter, den Rheinmetall im Marinesegment nun offen herausfordert.

Kursreaktion bleibt moderat

Trotz der gesenkten Prognose fiel die Reaktion am Aktienmarkt überschaubar aus. Nach dem leichten Rücksetzer am Freitag steht das Papier auf Sicht von 30 Tagen mit 7,71 Prozent im Plus – ein Zeichen dafür, dass Anleger die Wachstumsstory rund um Boxer, Puma und die Marinesparte trotz der Prognosesenkung nicht infrage stellen. Auf Jahressicht bleibt die Aktie dennoch deutlich unter dem Niveau vom Herbst, als sie ihr 52-Wochen-Hoch markierte.

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