Rheinmetall Aktie: 35 Prozent Minus seit Jahresbeginn
Nach dem verlorenen Schweden-Geschäft fällt die Rheinmetall-Aktie weiter. Kooperation mit Telekom und Goldman Sachs’ Einschätzung setzen Gegenpunkte.

Kurz zusammengefasst
- Lockheed Martin erhält schwedischen Rüstungsauftrag
- Rheinmetall-Aktie verliert 3,3 Prozent
- Goldman Sachs sieht Bewertungspotenzial
- Neue Drohnenabwehr mit Deutscher Telekom
Rheinmetall hat einen bedeutenden Rüstungsauftrag in Schweden verpasst. Stockholm vergab das Geschäft stattdessen an Lockheed Martin, während der deutsche Konzern leer ausging. Die Aktie reagierte am heutigen Mittwoch mit einem Kursrückgang von 3,3 Prozent auf 1.015,20 Euro und setzt damit ihren Abwärtstrend der vergangenen Wochen fort.
Der schwedische Zuschlag reiht sich in eine Serie schwacher Wochen für die Rheinmetall-Aktie ein. Über die vergangenen 30 Tage hat das Papier bereits gut elf Prozent verloren, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 35 Prozent zu Buche – damit ist Rheinmetall der größte Verlierer im DAX.
Auch andere Rüstungswerte gerieten am Mittwoch unter Druck, wenngleich mit unterschiedlicher Schärfe: Renk verlor auf Jahressicht rund 20 Prozent, während Hensoldt mit einem Plus von 9 Prozent seit Jahresbeginn deutlich besser dasteht. Als Belastungsfaktor für die Branche gilt der jüngste Wahlerfolg der AfD, der laut Marktbeobachtern Risiken für künftige Verteidigungsausgaben mit sich bringt.
Goldman Sachs sieht Potenzial trotz Rückschlag
Nicht alle Stimmen sind pessimistisch. Goldman Sachs bescheinigt Rheinmetall trotz der jüngsten Schwäche weiterhin deutliches Bewertungspotenzial. Die Einschätzung der US-Bank steht damit im Kontrast zur Kursentwicklung der vergangenen Tage und dürfte für Anleger ein wichtiger Anhaltspunkt sein, ob der aktuelle Abschlag als Kaufgelegenheit oder als berechtigte Neubewertung zu verstehen ist.
Parallel zum verlorenen Schweden-Geschäft meldete Rheinmetall eine neue Kooperation mit der Deutschen Telekom. Die beiden Konzerne wollen gemeinsam ein Schutzschild gegen Drohnen entwickeln, das Flugabwehr, Sensorik, 5G-Technologie und Cloud-Infrastruktur kombiniert.
Details zu Umfang und Zeitplan des Projekts stehen noch aus, die Ankündigung unterstreicht aber die strategische Ausrichtung des Unternehmens auf wachsende Bedrohungen im Bereich unbemannter Luftfahrzeuge.
Ambivalentes Russland-Geschäft belastet Reputation
Zusätzlichen Gesprächsstoff liefert die Aufarbeitung von Rheinmetalls Russland-Geschäften. Die Konzerntochter MS Motorservice hat demnach bis September 2022 mehr als 2.000 Ersatzteillieferungen nach Russland vorgenommen, während Rheinmetall gleichzeitig Rekordumsätze im Zuge des Ukraine-Kriegs erzielte.
Der Konzern verweist auf Altverträge, die nicht kurzfristig kündbar gewesen seien. Gleichzeitig ist eine Panzerfabrik in der Ukraine geplant – ein Doppelspiel, das Fragen zur Glaubwürdigkeit des Unternehmens als Verteidigungspartner des Westens aufwirft.
Politisch bekommt Rheinmetall zugleich Rückenwind: Außenminister Wadephul forderte von der Ukraine mehr Bestellungen bei deutschen Rüstungsunternehmen und bat Präsident Selenskyj, die deutsche Verteidigungsindustrie stärker einzubinden. Deutschland gilt als stärkster Unterstützer der Ukraine unter den europäischen Staaten, was potenziell neue Aufträge für Rheinmetall bedeuten könnte.
Für Anleger bleibt die Gemengelage unübersichtlich: Verlorene Ausschreibungen und Reputationsrisiken durch die Russland-Verbindung stehen optimistischen Analystenstimmen und neuen Kooperationsprojekten gegenüber. Der jüngste Kursrutsch zeigt, dass der Markt die negativen Nachrichten derzeit stärker gewichtet.
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