Rheinmetall Aktie: 350 Millionen für Power Systems
Rheinmetall trennt sich vom Autozuliefergeschäft und fokussiert sich auf Rüstung. Trotz Rekordaufträgen leidet der Aktienkurs unter schwachem Umsatz und Börsenneuling KNDS.

Kurz zusammengefasst
- Verkauf der Power-Systems-Sparte besiegelt
- F-35 Rumpfproduktion in Weeze läuft
- Schwerlastdrohne Victor U250 geplant
- Auftragsbestand erreicht Rekordniveau
Volle Auftragsbücher, aber ein schwacher Aktienkurs. Bei Rheinmetall klaffen operative Realität und Börsenstimmung derzeit weit auseinander. Der Konzern präsentiert sich auf der ILA Berlin als reiner Rüstungsspezialist. Der zivile Ballast ist endgültig abgeworfen.
An der Börse spiegelt sich der Umbau noch nicht wider. Das Papier notiert aktuell bei 1.209,00 Euro. Seit Jahresbeginn verzeichnet der Titel ein Minus von rund 24 Prozent. Damit handelt der Kurs fast 40 Prozent unter seinem Rekordhoch vom vergangenen Herbst.
Abschied vom Auto, Fokus auf Hightech
Anfang Juni besiegelte das Management einen historischen Schritt. Rheinmetall verkauft seine Power-Systems-Sparte für 350 Millionen Euro an die Beteiligungsgesellschaft Aequita. Damit trennt sich der Konzern formal von seinem zivilen Automobilgeschäft. Das Ziel: volle Konzentration auf den Verteidigungssektor.
Auf der Luftfahrtmesse ILA zeigt sich diese Neuausrichtung. Ein Schwerpunkt ist die Produktion von Rumpfmittelstücken für den Tarnkappenbomber F-35. In Weeze läuft bereits das achte Bauteil vom Band. Insgesamt baut der Konzern 400 dieser Rumpfelemente für den US-Partner Northrop Grumman.
Parallel dazu lotet das Management neue Geschäftsfelder aus. In Nordrhein-Westfalen plant Rheinmetall die Produktion der Schwerlastdrohne Victor U250. Eine Absichtserklärung mit dem Partner ERC System steht bereits. Bis 2029 sollen so hunderte neue Arbeitsplätze entstehen.
Volle Bücher, schwacher Umsatz
Operativ brummt das Geschäft. Der Auftragsbestand erreichte Ende 2025 den Rekordwert von fast 64 Milliarden Euro. Dazu zählen ein Großauftrag der Bundeswehr für Militär-Lkw und ein riesiger Deal mit Rumänien. Letzterer umfasst Gefechtsfahrzeuge und Flugabwehrsysteme im Wert von 5,7 Milliarden Euro.
Allerdings hinkt der Umsatz den Erwartungen hinterher. Im ersten Quartal erlöste der Konzern lediglich 1,94 Milliarden Euro. Das Management verweist auf das zweite Halbjahr. Dann sollen die Auslieferungen deutlich anziehen und das Jahresziel von 14 Milliarden Euro absichern.
Ein weiterer Faktor bremst die Fantasie der Anleger. Im Sommer drängt der deutsch-französische Panzerhersteller KNDS an die Börse. Dieser staatlich gestützte Konkurrent peilt eine Bewertung von bis zu 20 Milliarden Euro an. Das verschärft den Wettbewerb in Rheinmetalls Kernmarkt spürbar.
Konzernchef Armin Papperger nutzt die schwachen Kurse derweil für einen Einstieg. Er kaufte kürzlich eigene Aktien im Wert von über fünf Millionen Euro. Am 6. August legt Rheinmetall die Halbjahreszahlen vor. Dieser Termin liefert konkrete Fakten, wie schnell das Unternehmen den gigantischen Auftragsbestand in echten Umsatz verwandeln kann.
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