Rheinmetall Aktie: 350 Millionen für Pulverwerk Aschau
Rüstungskonzern investiert 350 Mio. Euro in neue Munitionsfabrik und erhält weitere Bundeswehr-Aufträge.

Kurz zusammengefasst
- Grundsteinlegung für neues Pulverwerk in Bayern
- Zusätzliche Aufträge von Bundeswehr und Ukraine
- Analysten senken Kursziele, bleiben aber optimistisch
- Umsatzprognose für 2026 bei bis zu 14,5 Milliarden Euro
Rheinmetall hat den Grundstein für eines der größten und modernsten Pulverwerke Europas gelegt. Der Rüstungskonzern feierte den Spatenstich für das Projekt „Firepower“ am Standort Aschau am Inn in Bayern. Rund 350 Millionen Euro investiert das Unternehmen in die neue Anlage, die ab 2028 jährlich mehr als eine Million Treibladungsmodule für Artilleriemunition produzieren soll. Damit reagiert Rheinmetall auf die anhaltend hohe Nachfrage nach Munition in Europa und baut seine Fertigungskapazitäten in einem strategisch zentralen Segment deutlich aus.
Neue Aufträge von Bundeswehr und Ukraine
Parallel zur Grundsteinlegung meldete Rheinmetall zwei weitere Geschäftsvorfälle. Im Rahmen des Bundeswehr-Großprojekts „Digitalisierung Landbasierter Operationen“ (D-LBO) erhielt der Konzern einen weiteren Abruf im Volumen von rund 100 Millionen Euro. Der Auftrag umfasst Hardware-Lieferungen sowie Integrations- und Unterstützungsleistungen für die Fahrzeugflotte der Streitkräfte. Zudem wurde der Vollzug einer Lieferung von RH1412-Systemen zur Unterstützung der ukrainischen Verteidigungsfähigkeit bestätigt.
Diese Meldungen reihen sich in eine Serie von Auftragseingängen ein, die den Kurs der Rheinmetall-Aktie zuletzt gestützt haben. Am aktuellen Handelstag notiert das Papier bei 1.034,40 Euro und legt um 1,21 Prozent zu. Über die vergangenen 30 Tage summiert sich der Kursanstieg auf 9,32 Prozent – ein Zeichen dafür, dass sich die Aktie von den Tiefständen der vergangenen Wochen erholt. Zum 52-Wochen-Tief von 902,50 Euro, das erst am 25. Juni 2026 markiert wurde, beträgt der Abstand inzwischen 14,61 Prozent.
Etwas getrübt wird das operative Bild allerdings durch die Anfang Juli veröffentlichte Ad-hoc-Mitteilung zur Stornierung des Fregattenprogramms F126. Rheinmetall bezifferte die daraus resultierenden potenziellen Umsatzeinbußen im laufenden Geschäftsjahr auf bis zu 300 Millionen Euro, hielt jedoch ausdrücklich an den Wachstumszielen für das Gesamtjahr fest.
Analysten senken Kursziele, Kaufempfehlungen bleiben
Die Analysten von Bank of America haben ihr Kursziel für Rheinmetall am 21. Juli 2026 von 1.770 Euro auf 1.300 Euro gesenkt, die Einstufung „Buy“ jedoch beibehalten. Als Begründung nannte das Institut eine konservativere Einschätzung des langfristigen Munitionsabsatzes bis 2030. Bereits am 10. Juli 2026 hatte Jefferies im Rahmen einer Sektoranalyse zur Dynamik des europäischen Verteidigungsmarktes die Kaufempfehlung für Rheinmetall bestätigt und ebenfalls ein Kursziel von 1.300 Euro genannt. Beide Häuser sehen also trotz der jeweiligen Anpassungen weiterhin Aufwärtspotenzial zum aktuellen Kursniveau.
Deutlich optimistischer positionierte sich Ende Juni die Morningstar-Analystin Loredana Muharremi, die Rheinmetall in ihrer damaligen Einschätzung als Top-Pick im europäischen Verteidigungssektor bezeichnet und einen fairen Wert von 2.380 Euro angesetzt hatte. Als Treiber nannte sie die führende Position des Konzerns bei Munition und Luftabwehr sowie die Transformation hin zu software-integrierten Plattformen.
Ausblick: Rekordumsatz und wichtige Termine
Für das laufende Geschäftsjahr 2026 hält der Vorstand an einer ambitionierten Prognose fest: Der Umsatz soll auf 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro steigen, bei einer angestrebten operativen Ergebnismarge von über 18 Prozent. Sollte dieses Ziel erreicht werden, wäre es ein Rekordwert für den Konzern.
Anleger richten den Blick nun auf den 6. August 2026, wenn Rheinmetall den Bericht zum zweiten Quartal und zum ersten Halbjahr 2026 veröffentlicht. Dort dürfte sich zeigen, wie stark sich der Wegfall des F126-Programms tatsächlich auf die Zahlen auswirkt und ob die neuen Aufträge aus dem D-LBO-Programm sowie das Pulverwerk-Projekt in Aschau die Wachstumsstory weiter untermauern können. Am 1. September 2026 präsentiert sich der Konzern zudem auf dem Berenberg Stockholm Seminar vor internationalen Investoren.
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