Rheinmetall Aktie: 40 Prozent Minus trotz 73-Milliarden-Aufträge
Rheinmetall verzeichnet Rekordaufträge und neue Werke, während der Aktienkurs nahe dem Jahrestief notiert und der Cashflow negativ bleibt.

Kurz zusammengefasst
- Auftragsbestand erreicht 73 Milliarden Euro
- Freier Cashflow im ersten Quartal negativ
- Neues Werk in Unterlüß liefert erstmals aus
- Kooperation mit Space Norway vereinbart
Rheinmetall notiert bei 960,90 Euro und damit nur wenige Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 902,50 Euro, das der Rüstungskonzern Ende Juni markierte. Der RSI von 34,7 signalisiert eine überverkaufte Aktie. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 40 Prozent zu Buche – ein deutlicher Kontrast zum operativen Bild, das der Konzern zuletzt zeichnete.
Auftragsbestand wächst, Kasse schrumpft
Rheinmetall verfügte im ersten Quartal 2026 über einen Auftragsbestand von 73 Milliarden Euro. Gleichzeitig war der freie Cashflow im selben Zeitraum negativ – ein Befund, der zeigt, dass das schnelle Wachstum Kapital bindet, bevor es sich in Zahlungseingängen niederschlägt. Belastet wird das laufende Jahr zusätzlich durch die Stornierung des F126-Fregattenprogramms, die für 2026 einen Umsatzabschlag von bis zu 300 Millionen Euro nach sich zieht. Für das zweite Quartal wird dennoch ein Umsatzwachstum von über 60 Prozent ausgewiesen. Am 14. Juli erfolgte die erste Auslieferung aus dem neuen Werk Unterlüß, ein Signal dafür, dass zusätzliche Kapazitäten operativ anlaufen. Ergänzt wird das Bild durch einen Rahmenvertrag mit Renk über 270 Millionen Euro für Lynx-Getriebe.
Parallel dazu meldete Rheinmetall am 16. Juli über eine EQS-Mitteilung die neue Gesamtzahl der Stimmrechte: Nach Ausgabe von Bezugsaktien am 15. Juli 2026 liegt sie nun bei 46.789.567, davon keine mit Mehrstimmrechten. Die Kapitalmaßnahme fällt damit in dieselbe Woche wie die operativen Nachrichten und dürfte die Aktienzahl im Nenner künftiger Kennzahlen leicht erhöhen.
Neue Werke und neue Geschäftsfelder
Rheinmetall baut sein Werk in Berlin-Wedding von der Autozulieferung auf die Fertigung von Munitionskomponenten um. Rund 350 Mitarbeiter sind dort beschäftigt, Sprengstoff wird an dem Standort nicht verarbeitet. Der Umbau stößt auf Widerstand: Das „Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion“ protestierte gegen das Vorhaben. Konzernweit plant Rheinmetall, die Belegschaft von aktuell 40.000 auf 70.000 Beschäftigte auszubauen – ein Ausbautempo, das die deutsche Regierungsplanung widerspiegelt, ab 2029 jährlich mehr als 150 Milliarden Euro für äußere Sicherheit aufzuwenden.
Mitte Juli unterzeichneten Rheinmetall und Space Norway zudem ein Memorandum of Understanding zur Zusammenarbeit bei weltraumgestützten Fähigkeiten für die maritime Lageerfassung. Geplant ist die Integration der C-Band-SAR-Satellitenfähigkeit von Space Norway; Rheinmetall liefert über sein SPOCK-1-Programm bereits X-Band-SAR-Daten. Der Fokus der Kooperation liegt auf Arktis und Nordatlantik und steht im Zusammenhang mit dem bilateralen Hansa-Abkommen zwischen Deutschland und Norwegen. Damit erweitert der Konzern sein Portfolio über klassische Landsysteme hinaus in Richtung Satellitenaufklärung.
Rekordexporte als Rückenwind für die Branche
Die Nachfrage nach deutschem Rüstungsmaterial bleibt ungebrochen hoch. Laut der Tageszeitung junge Welt erreichten die deutschen Rüstungsexportgenehmigungen im ersten Halbjahr 2026 einen Rekordwert von 13,87 Milliarden Euro, nach 12 Milliarden Euro im gesamten Vorjahr. Davon entfielen 9,6 Milliarden Euro auf Kriegswaffen. Die Ukraine blieb mit 2,5 Milliarden Euro größter Einzelempfänger, 84 Prozent der Genehmigungen gingen an EU- und NATO-Länder oder gleichgestellte Staaten. Israel erhielt Genehmigungen über 799 Millionen Euro, davon mehr als 60 Prozent für ein maritimes Großprojekt.
Auch im Bereich autonomer Systeme bleibt Rheinmetall aktiv: Der Konzern übernahm die Gesamtverantwortung für das Bundeswehr-Projekt InterRoC VII zur Entwicklung autonomer Militärkonvois und testet dafür selbstfahrende HX-Fahrzeuge in Großbritannien. In der Schweiz wiederum wird das Skyranger-Luftabwehrsystem im Zusammenhang mit der dortigen Debatte über Drohnenabwehr genannt.
Für Anleger bleibt die Gemengelage zweigeteilt: Operativ liefert Rheinmetall mit Rekordauftragsbuch, neuen Werken und Zusatzgeschäften in der Raumfahrt Wachstumssignale. Der Aktienkurs spiegelt das derzeit jedoch kaum wider – belastet von der F126-Stornierung, dem negativen Cashflow im ersten Quartal und einem Marktumfeld, das Rüstungswerte nach der starken Rally der Vorjahre kritischer bewertet.
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